Was bedeutet Erfolg?

Ein Wort, um das es sich heute bei dem Impulsabend die ganze Zeit gedreht hat. Ein Wort, was gar nicht so leicht in Worte zu fassen ist. Ein Wort, was mich sowohl inhaltlich als auch emotional heute beschäftigt hat. Daher eine kleine Reflexion von mir. Gerade sitze ich auf meiner Couch: glücklich, reflektiert, genährt, traurig, nachdenklich und vielleicht auch ein bisschen wütend – viele Gefühle, die vor allem konträr sind.

Hat Erfolg etwas mit glücklich sein zu tun?

Irgendwie kam das Wort Glück heute immer wieder mit ins Spiel. Sind erfolgreiche Menschen glücklich oder eher glückliche Menschen erfolgreich? Woran messe ich Erfolg und woran erkenne ich Erfolg? Gar nicht so einfach.

Eine mögliche Erklärung heute war die Verbindung mit dem eigenen Sinn. Wenn ich das tue, was mir mein Herz sagt und ich dabei glücklich bin, dann bin erfolgreich. Wenn ich also mein Potential lebe, anstatt dessen Entfaltung im Weg zu stehen. Dann stellt sich auch irgendwie der Erfolg ein.

Eine schöne Erkenntnis war dabei, dass dies auch eine Möglichkeit wäre, daran Erfolg zu messen – nicht am finanziellen, sondern daran, ob ich nach etwas glücklicher bin als vorher. Bringt es mich mehr zu dem, was in mir steckt und was ich leben möchte?

Erfolg ist mehr als Geld und Karriere

Ehrlich gesagt finde ich diesen Gedanken schön, denn er macht die Perspektive auf Erfolg deutlich größer. Eine Frage heute Abend lautete nämlich:

In welchen Lebensbereichen bist du erfolgreich, in welchen weniger?

Wenn wir damit den Blick weiten, gibt es uns auch den Raum mehr anzuerkennen. Denn was ich heute wieder gesehen habe ist, dass es manchen gar nicht so leicht fällt, eigene Erfolge zu benennen.

Was war zum Beispiel für dich persönlich ein großer Erfolg?

Bei dieser Frage kommen oft Antworten wie mein Studium, meine Beförderung, mein neuer Job usw. – ist aber nicht auch das Mutter sein, eine gute Freundschaft, ein 5km Lauf oder die Zeit für ein Hobby zu finden nicht auch ein Erfolg?

Ich glaube, wenn wir den Blick größer machen, können wir mehr Ressourcen erfahren; mehr Stärke für das, was wir tun – denn eins ist klar, umso erfolgreicher ich mich fühle, umso besser kann ich auch mit Misserfolgen einmal umgehen.

Gleichzeitig waltet für mich darin auch eine gewissen Milde. Wenn mir bewusst wird, dass ich gerade in einem Bereich nicht so erfolgreich bin, dafür aber in einem anderen mehr, kann ich dies vielleicht auch besser anerkennen und für mich annehmen. Erfolg ist vielleicht eher wie eine Musik, mit lauten und leisen Töne, hohen und tiefen – und je nachdem, welche Taste ich gerade spiele, erscheint der Ton woanders.

Manchmal hallt der Ton vielleicht noch nach, manchmal wird es aber auch still – und zu akzeptieren, dass dies auch sein darf, weil dafür ein anderer Ton gerade erklingt, der ebenso schön ist, ist ein erster Schritt Erfolg auch zu ermöglichen. Denn darin steckt auch die Erkenntnis, dass ich entscheiden kann, welchen Ton ich anspielen möchte.

Auf welche „Töne“ legst du gerade deinen Fokus und fühlt sich deine Musik gerade stimmig für dich an?

Erfolg hat für mich also auch ganz viel mit wahrnehmen, anerkennen und wertschätzen zu tun.

Und warum fühle ich mich jetzt gerade traurig?

Auf dem Weg nach Hause habe ich lange überlegt, was ich mit diesem Gefühl jetzt anfange; ob ich es schlucke, ob ich es teile oder ob ich einfach für mich Schlussfolgerungen ziehe. In meinem Kopf stecken aber mehr Fragen als Antworten.

Erfolg hat für mich persönlich ganz viel damit zu tun, ob ich mit dem, was ich mache, glücklich bin und ob ich damit auch einen Mehrwert schaffe. – und ja, ich glaube ich konnte heute Abend für ein paar Menschen einen Raum schaffen, in dem sie sich gegenseitig zum Zuhören, Wahrnehmen und Anerkennen inspirieren konnten, in dem jeder für sich irgendwie eine Frage, einen Impuls oder eine Erkenntnis mitnehmen konnte. – Demnach war ich also glücklich und damit auch erfolgreich.

Gleichzeitig ist da aber auch noch ein anderes Gefühl, denn von den angemeldeten 15 Teilnehmern kamen genau 6 Personen. – Ja, mit dieser traurigen Bilanz rechne ich schon fast immer und dennoch nimmt es nicht diesen faden Beigeschmack.

Ich stelle jedes Mal 15 Stühle hin, kaufe Snacks für 15 Personen, koche Tee, räume genügend Geschirr hin, drucke 15 Arbeitsblätter aus und warte. Warte auch noch ein paar Minuten nach Beginn, um vielleicht Verspäteten die Chance zu geben, an dem Abend teilnehmen zu können.

Das bedeutet für mich nicht nur vom Herzen geben, sondern auch eine Investition von Zeit, ein Verbrauch von Ressourcen und ein Nicht-Wertschätzen von anderen, die pünktlich kommen oder gern kommen wollten, aber keinen Platz mehr bekommen haben.

Genau das stimmt mich traurig – diese Mentalität „ich sichere mir mal eine Liege und schaue dann, ob ich überhaupt den Platz in der Sonne möchte“. Und genau dieses Gefühl hatte ich heute Abend wieder. Es macht mich aber nicht nur traurig, sondern auch nachdenklich. Ist das ein Spiegel unserer Gesellschaft? Denn dieses Phänomen begegnet mir nicht nur bei meinem Impulsabend, sondern auch bei den Anmeldungen im Sportkurs, wo dann nur die Hälfte erscheint, oder bei den E-Rollern, die überall auf der Straße liegen – was mich nichts „kostet“, muss ich auch nicht wertschätzen.

Bedeutet dies für mich, dass ich ab sofort für solche Abende ein Geld nehmen muss, um die Wertschätzung zu „erziehen“? um ein Commitment zu erreichen? Das ist eigentlich nicht meine Haltung, schließlich will ich mit Herz diesen Raum gestalten und die Möglichkeit für Austausch geben.

Gleichzeitig merke ich für mich, dass die Balance von Wertschätzung für sich nicht mehr stimmig anfühlt – meine Musik ist gerade eher eine Dissonanz als Konsonanz.

Ich habe heute Abend nicht an einem Austauschabend meiner momentanen Weiterbildung teilnehmen können, weil ich dieses Termin vergessen hatte und dann schon den Impulsabend geplant habe – ich habe aber dann darauf „verzichtet“. Ich habe eine Einladung zum Handballspiel heute Abend ausgeschlagen, weil der Impulsabend da in meinem Kalender stand. Und ich habe meinem inneren Bedürfnis nach Ruhe und Erholung trotz Erschöpfung und Krank sein nicht nachgegeben, weil ich dachte, dass 15 Personen sich extra den Abend Zeit nehmen – dem wollte ich mit Wertschätzung begegnen. Schließlich ist es für mich ein Commitment.

Wo zeigt sich aber bei uns momentan in der Gesellschaft Wertschätzung? Was bedeutet Commitment noch? – Ist es Commitment, wenn ich irgendwas like, mich irgendwo anmelde oder was braucht es dafür? Wo verschwimmen die Grenzen?

Das sind Fragen, die mich gerade beschäftigen. Ich glaube immer an das Gute im Menschen; dass eine Straßenbahn ausgefallen ist, ein Kind krank wurde, eine Deadline auf Arbeit noch anstand, man einfach den Abend trotz Reminder vergessen hat – und dennoch glaube ich, dass eine „Sorry, ich schaffe es heute nicht“ – Mail schon Wertschätzung sein kann.

Braucht es also einen finanziellen Wert, damit Dinge und Handlungen Wertschätzung erfahren? Wie soll ich weitergehen?

Im Herzen daran glauben, dass es sich finden wird und dem Ganzen vertrauen – also einen Vorschuss an Wertschätzung zahlen, weil es dann irgendwie zurückkommt. Oder soll ich umdenken und andere Wege einschlagen.

Vielleicht finden sich Antworten darauf, vielleicht auch nicht. Ich werde auf jeden Fall noch ein paar Tage für mich warten, bis ich den nächsten Abend einstelle, den ich eigentlich schon geplant habe; denn vielleicht braucht es gerade woanders den Erfolg – in meiner Freizeit, in meinen Beziehungen.

„Warum fällt es uns schwer, uns etwas Gutes zu tun?“

Im Dezember habe ich von Sarah von https://neugierigauf.de/ die Anfrage bekommen, ob ich zu dem Thema „Warum fällt es uns schwer, uns etwas Gutes zu tun?“ einen Blogbeitrag schreiben kann. Ich dachte sofort: „Das ist mein Thema. Na klar.“ – und dann merkte ich, dass es doch nicht so einfach war, ein paar Zeilen zu schreiben.

Keine Zeit. Keine Gedanken.

Und so verging ein Tag nach dem anderen. Es wurde Januar – die Zeit rannte und mein Kurzurlaub mit anschließender Weiterbildung in Österreich stand vor der Tür – aber es gab immer noch kein einziges Wort auf dem Papier. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, denn schließlich hatte ich versprochen, den Artikel bis Ende Januar zu schicken – die Erinnerungsmail flog auch schon in mein Postfach.

Aber da war ja noch die lange Zugfahrt und sowieso: Zugfahrten sind immer sehr inspirierend. Also malte ich mir vor meinem inneren Auge schon das Bild aus – ein leckerer Cappuccino, die vorbeiziehenden Berge und dann das meditative Klicken auf meiner Tastatur.

Ich freute mich darauf.

Die Zugfahrt – ein Weckruf an meine Selbstfürsorge

Doch dann kam alles anders. Bis München hatte ich es endlich geschafft, die übrig gebliebenen Mails abzuarbeiten– aber hey, es lagen noch gute zweit Stunden vor mir. Die Bergkulisse war nun auch da, der Schnee funkelte, mehr braucht es ja jetzt nicht mehr. Aber das meditative Klickgeräusch blieb aus – worüber sollte ich schreiben?

Ich wälzte meine Gedanken, schaute aus dem Fenster und merkte, dass nichts in meinen Kopf war – die letzten Tage waren genauso an mir vorbei gerauscht wie die Bergkulisse nun an meinem Fenster. Irgendwie hatte ich es auch immer noch nicht realisiert, dass ich am nächsten Tag auf der Skipiste stehen würde, obwohl ich doch auf dem Weg zum Bahnhof deutlich das Gewicht der Skistiefel im Koffer gemerkt hatte.

In dem Moment fiel es mir ein: „Warum fällt es mir schwer, mir Gutes zu tun?“ – Ich wusste ganz genau, was das „Gute“ nun wäre – Musik anmachen, aus dem Fenster schauen und genießen – einfach mal nichts tun. Ich wollte mich auf den Urlaub einstimmen und nicht bis zur letzten Minute, um dann gehetzt aus dem Zug zu springen und das erste Mal im Hotelzimmer durchzuatmen. Nein, das war nicht meine Vorstellung von Urlaub.

Dennoch haderte ich. Das schlechte Gewissen drang sich auf, die Erwartungen lagen wie gefühlte 100kg auf meinen Schultern – was ist, wenn ich den Beitrag jetzt nicht schicke? Sie hatte ja damit gerechnet. Und müsste ich mir nicht gleichzeitig selbst eingestehen, dass ich es nicht geschafft habe?

Der Weg zur Selbstfürsorge

Ja, unsere eigenen Erwartungen an uns selbst und von anderen können ganz schöne Saboteure sein, wenn es um die Selbstfürsorge geht. Sie hindern uns daran, für uns eine Grenze zu ziehen und damit die eigene Balance zu finden.

Was ist aber das schlimmste, was passieren kann?

Ich entschied, der Artikel kann warten – was nicht warten kann, ist meine Selbstfürsorge. Ich schrieb noch eine kurze Mail, dass ich den Artikel nicht geschafft habe, klappte den Laptop zu und ließ mich in meinen Sitz fallen. Ich atmete tief. Einmal, zweimal, dreimal und erst dann realisierte ich, wo ich gerade war – auf dem Weg in den Skiurlaub. Seit drei Jahren war ich nicht mehr Skifahren und auf einmal konnte ich mich wie ein kleines Kind freuen. Unglaublich, dass ich mir diese Vorfreude fast genommen hätte. Ich starrte aus dem Fenster, war ganz fasziniert von den Bergen und fühlte einfach nur noch dieses Gefühl von „Nach Hause kommen“.

Warum fällt es uns also schwer?

In all der Hektik des Alltags finden wir meist gar nicht die Zeit, kurz innezuhalten und zu schauen, was wir eigentlich gerade brauchen. Wir erkennen unsere Bedürfnisse gar nicht – aber ist nicht das der erste Schritt, um uns überhaupt was Gutes tun zu können?

Und wenn wir dann doch mal einen klitzekleinen Moment gefunden haben, an uns zu denken und zu überlegen, was wir eigentlich brauchen – wartet da schon eine kleine Armee an Saboteuren, die ihren Job wirklich gut machen. Schließlich sollen wir uns nicht „von den wirklich wichtigen Dingen“ im Leben ablenken lassen – wir sollen ja stark sein, performen und allem gerecht werden.

Dennoch darf der andere Gedanken auch mal aufkeimen und blühen – neben der Stärke dürfen wir auch schwach sein, neben der Leistung darf auch mal Entspannung stehen, neben dem „für andere“ darf auch mal „für mich“ stehen, denn nur, wer selbst Kraft und Energie hat, kann sie auch an andere abgeben.

Ich glaube, ich hätte vermutlich auch noch die restlichen zwei Stunden uninspiriert auf das weiße Blatt auf meinem Laptop gestarrt, die Worte wären nicht geflossen. Stattdessen brauchte ich genau diese Erfahrung, um diese Worte zu finden.

Meine Selbstfürsorge – mein Isolierband

Also habe ich mir im Urlaub ganz viel Selbstfürsorge geschenkt. Der Laptop blieb im Koffer. Stattdessen hüllte ich mich nach der Skipiste in meinen Bademantel und las ein Buch und da es meiner Meinung nach keine Zufälle gibt, war es genau das Richtige, denn ich habe eine schöne Metapher darin gefunden. In dem Buch „Auszeit im Café am Rande der Welt“ teilt John Strelecky mit uns ein wunderschönes Bild. Wenn man zwei Rohre miteinander verbindet, braucht es Isolierband, damit später kein Wasser austritt. Das Isolierband ist nur ein kleines Detail, welchem wir nicht allzu viel Bedeutung schenken. Gibt es dieses Isolierband aber nicht, wird immer ein wenig Wasser austreten, so dass die Verbindung irgendwann nicht mehr dicht ist. Mit jedem Tropfen verliert das System etwas an Ressource.

Genauso ist es auch in unserem Leben – jeder von uns braucht ein „Isolierband“ – ein Isolierband, dass unsere Energie aufrecht erhält, damit wir in Verbindung mit anderen Menschen bleiben können. Bei dem einen ist es vielleicht der wöchentliche Sportkurs, bei dem anderen der tägliche Spaziergang mit dem Hund – egal, was es auch ist, es ist wichtig, dass dieses Isolierband nicht in Vergessenheit gerät.

Mein Isolierband war in diesem Moment die Bewegung an der frischen Luft und die wirkliche Auszeit. Im Alltag ist es mein Sport und Yoga. – Kennst du dein Isolierband?

Was ich dir mitgeben möchte…

Weil ich selbst immer wieder merke, dass ich die Selbstfürsorge immer wieder vergesse, hier noch ein paar konkrete Tipps für dich.

  1. Mache dir immer wieder deine eigenen Bedürfnisse bewusst.
    Bei mir war diesmal der Blick aus dem Zugfenster der Weckruf – ich bin dankbar dafür. Achte darauf, dass du auch immer wieder im Alltag solche Weckrufe hast, z.B. durch ein Dankbarkeitstagebuch, Achtsamkeitsübungen.
  2. Frage dich „Was ist das Schlimmste, was passieren kann?“
    Und lerne dann auch mal Nein zu sagen – denn jedes Nein ist gleichzeitig auch ein Ja.
  3. Plane dir schon rechtzeitig deine Auszeiten ein.
    Ich habe regelmäßige Blocker, die mit „ICH“ gekennzeichnet sind.
  4. Inspiriere dich selbst.
    Manchmal fällt es uns dann gar nicht so leicht, etwas Gutes zu tun, wenn wir mal Zeit haben. Daher habe ich mir letztes Jahr eine Inspirationsliste für den Sommer geschrieben. Es war für mich nicht eine to-do-Liste, die ich abhaken musste. Vielmehr war es für mich eine Erinnerungshilfe im hektischen Alltag an die Dinge, die mir neben all meinen Aufgaben auch noch Spaß machen – Freiluftkino, Rennrad fahren, SUP. Und tatsächlich habe ich letzten Sommer viel mehr solche Dinge spontan unternommen und dadurch die Tage auch bewusster wahrgenommen. Wonach sehnst du dich in den nächsten Monaten, woran möchtest du dich immer wieder erinnern?