Schule & Wirtschaft?! – wie zwei Systeme von- und miteinander lernen können

Schule & Wirtschaft?! – wie zwei System von- und miteinander lernen können

Bildungstransformation – wie geht es nachhaltig?

Jahrelang, wenn nicht sogar jahrzehntelang, wird am deutschen Schulsystem gemeckert: zu veraltet, zu starr, zu ausgrenzend. – Schule bereitet die Kinder nicht auf das Leben von morgen vor, vielmehr vermittelt Schule Wissen, was in der zukünftigen Welt nicht mehr relevant ist.

Und so doktern wir rum – wir versuchen neue, kompetenzorientiere Bildungspläne aufzusetzen, Inklusion zu verordnen und die Digitalisierung durch Fördergelder voranzutreiben. – Wenn wir aber genau hinschauen, müssen wir uns wohl selbst das Prädikat „gescheitert“ geben.

Gerade jetzt in der Pandemie-Zeit wird noch einmal deutlich, dass die Lösungen, die vor allem die Mängel in den Blick genommen haben, keine nachhaltige Transformation angestoßen haben.

Was braucht es aber, um Schule zu verändern? Wo können wir ansetzen und wie können wir unterstützen?

Vielen Lösungen haben bisher auf der Ebene der Strukturen und Prozesse angesetzt. Dabei braucht es nach dem Integralen Modell von Ken Wilber für Transformation immer zwei Dimensionen – die innere und die äußere. Es genügt nicht, nur neue Verfahren zu definieren, Ressourcen zur Verfügung zu stellen und Strukturen zu verändern. Ebenso müssen auch Kulturen und Werthaltungen im System mitgedacht werden.

Abb.1: Dimensionen von Transformation ( © Romy Möller)

Digitalisierung – mehr als nur neue Technik

Machen wir es einmal am Beispiel der Digitalisierung konkret. Viele Schulen wurden mit Technik, z.B. interaktiven Smartboards, ausgestattet und gleichzeitig versuchte man auf der politischen Ebene durch Einforderungen von Medienkonzepten und Medienkompetenzen die Auseinandersetzung an Schulen damit zu fördern.

Wie wir jetzt aber in der Pandemiezeit sehen, sind leider die meisten Smartboards in den Schulen verstaubt und die Digitalisierung immer noch weit hinter dem, was möglich wäre.

Was wurde also vergessen? – In meinen Augen hat man nicht die innere Dimension in den Blick genommen: Wie können wir eine Kultur des Ausprobierens schaffen? Wie können wir Lehrkräfte ermutigen, Fehler zu machen? Wie können wir Kooperation im Kollegium stärken, damit neue Prozesse auch integriert werden? – Denn natürlich fordert die Digitalisierung den Lehrkräften einiges ab. Sie müssen sich mit neuen Dingen auseinandersetzen, sich auf unbekanntes Terrain bewegen, so dass sie vielleicht zeitweise auch mit Überforderungen konfrontiert sind. Sie müssen Lernen neu verstehen und sich dabei als Lehrkraft neu definieren. All dies verlangt Vertrauen, Kooperation und Mut.

Neue Kulturen an Schulen schaffen

Wie können wir also diese Kultur an Schule fördern?

Eine Antwort könnte in der Führung liegen. Führungskräfte können in ihrer Rolle inspirieren, ermutigen und leiten, denn sie sind nicht nur Manager, sondern ebenso auch Coach und Leader. Dafür braucht es aber vielleicht ein anderes Verständnis von Führung – eine Führung, die auf Vertrauen, Werte und Partizipation aufbaut.

Vor allem wird diese Art von Führung immer bedeutsamer, wenn wir uns die Herausforderungen der Zukunft anschauen. Unsere Welt wird komplexer, unvorhersehbarer und unsicherer. Gerade jetzt in der Corona-Pandemie spüren wir dies.

Wie können wir damit aber umgehen? Wie können wir auf die täglichen Herausforderungen reagieren – oder noch besser gesagt: wie können wir nicht nur reagieren, sondern auch agieren? Wie können wir diese verändernde Welt als Chance sehen und gemeinsam die Zukunft gestalten?

Diese Fragen beschäftigen uns als Gesellschaft schon länger, nicht nur im Bereich Schule, sondern auch in der Wirtschaft.  Trends wie New Work & Co. versuchen darauf Antworten zu finden, indem sie Selbstorganisation, Purpose, Ganzheit und Partizipation fordern. – Weg von Kontrolle und Machtkonzentration, hin zum kollektiven Wissen und gemeinschaftlicher Ideenentwicklung, um neue Wege zu gehen.

Und was wäre, wenn man gemeinschaftliche Ideenentwicklung wirklich groß denkt? Wenn man die Antworten auf diese Fragen nicht nur im System Schule oder im System Wirtschaft sucht, sondern systemübergreifend Impulse entstehen lässt.

Wie Schulen und Unternehmen von- und miteinander lernen können

Können sie das wirklich? Was haben denn Schulen und Unternehmen überhaupt gemeinsam? – eine ganze Menge. Meist haben wir bei Schule den Lernort für Schüer*innen im Kopf, weil wir es so selbst erlebt haben. Schule ist aber nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Arbeitsort für Lehrkräfte und nicht-pädagogisches Personal. In diesem Verständnis ist sie genauso wie ein Unternehmen eine lernende Organisation.

Abb.2: Strukturen in Schule und Unternehmen (© Romy Möller)

Wenn wir somit Schule als Arbeitsorganisation verstehen, können wir die Perspektive auf die Themen, die neben der Gestaltung von Lernprozessen für Schulen relevant sind, vergrößern.

Somit ergeben sich zum Beispiel folgende Themen: 

  • Welche Führungskultur gibt es? Welche Führungsprinzipien gibt es?
  • Wie sieht die Teamarbeit aus? Welche Teamkultur herrscht in der Organisation?
  • Wodurch ist die Kommunikationskultur gekennzeichnet?
  • Welche Strukturen und Prozesse der Arbeitsorganisation gibt es? Wie hoch ist die Transparenz?
  • Welche Vision leitet die Organisationsentwicklung? Wie ist die Identifikation mit dieser?

Genau diese Fragen beschäftigen nicht nur Schulen, sondern auch Unternehmen – und vor allem die Führungskräfte. Es zeigt sich also eine große Schnittmenge – ein Fundament an Gemeinsamkeiten, über das sich die beiden Systeme austauschen und auf dem sie aufbauen können.

Gleichzeitig zeigen sich zwischen Schulen und Unternehmen auch wesentliche Unterschiede, wie zum Beispiel:

  • Bei der Weiterentwicklung der Einzelschule liegt bisher der ökonomische Aspekt nicht so sehr im Fokus wie bei Unternehmen. Jedoch zeigen auch Ansätze von z.B. „Eigenverantwortliche Schule“ oder „Selbstverantwortliche Schule“, dass die Budgetverantwortung eine zunehmende Rolle in der Schulleitungstätigkeit einnimmt. Gleichzeitig messen sich immer mehr Unternehmen ausschließlich am Profit, sondern auch an sozialen und nachhaltigen Aspekten.  
  • Die Rollen und die Identifikation der Mitarbeiter*innen in den Systemen sind teilweise unterschiedlich. Momentan zeigt sich bei Lehrkräften noch stark das Bedürfnis nach pädagogischer Freiheit und damit vor allem auch ein Einzelkämpfertum. In Unternehmen stehen hier meist die Teamleistung, die Teamziele und die Kooperation im Vordergrund. Wobei ich dies an der Stelle auch nicht verallgemeinern möchte, da vor allem durch die Entwicklung von Ganztags- und Gemeinschaftsschulen die Kooperation und Teamarbeit an Schulen zugenommen haben.
  • Ebenso ist ein Unterschied bezüglich der Verantwortlichkeiten auf den Führungsebenen zu sehen. In Unternehmen ist die disziplinarische Verantwortung meist schon bei den Team- und Abteilungsleiter*innen verortet. In der Schule hat diese meist die Schulleitung und dann vor allem auch in der Absprache mit dem Schulamt. Somit entsteht ein verschiedene Hierarchiegefüge mit anderen Führungsinstrumente. Wobei ich hier auch betonnen möchte, dass Unternehmen in den letzten Jahren neue Führungsansätze und Hierarchiemodelle aufgebaut haben.

Jetzt nochmal zu der Frage: Können Schulen und Unternehmen von- und miteinander lernen?

Ich bin davon überzeugt, denn durch die große Überschneidung an Führungsthemen und der gleichzeitigen Heterogenität der Systeme entsteht ein kreatives und innovatives Lernumfeld, denn Lernen geschieht meistens durch Irritation, durch Verlassen der eigenen Komfortzone und durch einen Perspektivwechsel. Genau das kann erreicht werden, wenn Führungskräfte aus Schulen und Unternehmen mehr in einen Austausch auf Augenhöhe gelangen.

Zudem stecken in den Systemen unterschiedliche Potentiale. Lehrkräfte und Schulleiter*innen sind vor allem Experten für Lern- und Entwicklungsprozesse und Teamdynamiken. Führungskräfte aus den Unternehmen bringen dagegen meist eine große Expertise für neue Arbeitsmethoden und Innovationsprozesse mit. – Wie würde also ein Match aus diesem Expertentum aussehen, wenn wirklich ein Erfahrungs- und Wissensaustausch über Systemgrenzen hinweg stattfinden könnte? – Ich glaube, da könnte sehr viel entstehen.

Und zu guter Letzt: Lernen hört nicht an dem Schultor auf – Lernen findet überall statt – in Schulen, in Unternehmen, zu Hause und in der Öffentlichkeit. Daher ist es für uns alle spannend und interessant, wie wir Lernen und Weiterentwickeln gestalten können, damit die Menschen ihre Potentiale entfalten können. Um hier gemeinsam auch weiterzudenken ist in meinen Augen vor allem die persönliche Beziehung wichtig, denn auch das wissen wir bereits aus den Erfahrungen aus der Schule – Lernen bedeutet nicht nur Inhalt, vielmehr ist die Beziehung entscheidend.


Aus diesen Gedanken heraus habe ich mit KollegInnen gemeinsam das neue Leadership-Programm „zusammenWachsen“ für (angehende) Führungskräfte und Verantwortungsträger aus Schule & Wirtschaft entwickelt, so dass sich beide Systeme begegnen und miteinander wachsen können. Der nächste Start ist im September. Mehr Informationen zum Konzept und zum Ablauf findest du hier.

Zeit für Reflexion – Zeit für Dankbarkeit

Ruhe

Wenn ich sonst immer das Gefühl hatte, dass das Leben wie eine Fahrt mit einem ICE ist, war es dieses Jahr wohl eher eine Achterbahnfahrt mit Flugzeug und Bummelbahn. 2020 war verrückt, herausfordernd, anstrengend und spannend. – Und auch ein wenig erdrückend. Manchmal wirkte es für mich, als würde sich einfach ein leichter grauer Schleier über alles legen. Alles ein wenig dumpfer machen.

Zeit zurückzublicken

Umso wichtiger ist es dieses Jahr für mich, mir ganz bewusst Zeit zu nehmen, das Jahr zu reflektieren. Denn würde man mich fragen, was ich mit 2020 verbinde, wären wohl die ersten Worte Corona, Kontaktbeschränkung, Unsicherheit und ein dahin leben.

Das ist aber nur die eine Seite von 2020. Denn wenn ich so durch meine Bilder auf dem Handy scrolle, sehe ich noch viel mehr: Zeit in der Natur, Bilder von mir, die Ruhe und inneren Frieden ausstrahlen, Zeit mit Freunden und Urlaub in den Bergen – nichts in diesen Bildern erinnert mich an Corona.  

Und wenn ich die Bilder so vor meinen Augen sehe, wird mir eins bewusst: dieses Jahr ist eher schwarz – weiß und weniger eine Palette mit vielen Farbabstufungen – zumindest für mich.

Ich erkenne die Kontraste, die ich bisher noch nie so stark wahrgenommen habe.

Der Wunsch nach Verbundenheit und gleichzeitig die Kontaktbeschränkung.
Die gefühlte „Fahrt“ mit dem Flugzeug und dann der abrupte Wechsel in den Bummelzug.
Die Welt von analog und virtuell.

Was erkennst du, wenn du dir nochmal ganz bewusst deine Fotos anschaust?

Und eins merke ich auch, dieses Jahr ist es nochmal umso wichtiger für mich, das Jahr zu reflektieren, damit nicht nur die eine Seite in meinem Kopf hängen bleibt, sondern auch die vielen, tollen Momente, die mir das Jahr auch geschenkt hat.

Ein Bild sagt manchmal mehr

Da ich aus meiner Coachingspraxis die Macht der Bilder kenne, wähle ich immer zu Beginn der Reflexion ein Bild für das zurückliegende Jahr. Ganz intuitiv, ohne zu überlegen. Ich schaue, welches Bild mich „anspringt“, wenn ich an das Jahr 2020 denke. Meist kann ich es erst gar nicht erklären, warum ich zu einem bestimmten Bild greifen muss. Genauso war es dieses Jahr. Das Bild zog mich magisch an und gleichzeitig wollte ich es nicht nehmen. Und doch wusste ich, es ist mein Bild des Jahres 2020.

Ruhe

Und nachdem ich es auf mich wirken lassen habe, nachdem ich es ganz neugierig erkundet habe, wurde es mir klar, wofür das Bild steht. 2020 war für mich ein Jahr der Reise – klingt widersprüchlich? Nein, keine „äußere“ Reise, sondern die Reise zu mir selbst. Ein Jahr der Ruhe, des inneren Friedens und meiner Sinnlichkeit. Genau dafür steht dieses Bild.

Als mir das bewusst wurde, war ich auf einmal unglaublich dankbar, denn so schloss sich für mich ein Kreis. Zu Beginn des Jahres habe ich mir ein Visionboard gebastelt, so wie jedes Jahr. Nur dieses Jahr hatte ich das Gefühl, dass es nicht ganz so wirkte, wie die letzten Jahre. Jedoch stimmt das nur bedingt. Wenn ich ganz genau hinschaue, habe ich es gelebt, nicht immer, aber zu einem großen Teil. Im Zentrum meines Visionsboards stand „Aufblühen & Wachsen“. Ich habe mir mehr Achtsamkeit, mehr Wahrnehmen mit allen Sinnen und mehr Ruhe gewünscht.

Diese Erfahrung hat mir noch einmal ganz bewusst vor Augen geführt, wie wichtig es ist zu reflektieren, wie wichtig es ist, im Alltag sich Zeit zu nehmen, um nicht nur die offensichtlichen Dinge zu sehen, sondern auch ins Spüren und Wahrnehmen zu kommen.

Daher frage ich dich: Wenn du an das Jahr 2020 denkst, welches Bild spricht dich an? Und wofür steht es?

Schaue dir dein Bild ganz genau an:

  • Was kannst du konkret sehen? Welche Details nimmt du wahr?
  • Welche Stimmung drückt es für dich aus?
  • In welchem Moment wurde das Foto aufgenommen? Was passierte vielleicht kurz davor und was kurz danach?
  • Was wollte der Fotograf damit vielleicht festhalten?
  • Und welches Wort würdest du diesem Bild geben?

Goodbye 2020

Wenn ich mir auf diese andere Art und Weise einen Zugang zu meinem Jahr geschaffen habe,  schaue ich ganz bewusst, was ich alles erlebt und gemeistert habe; was mich erfüllt hat, aber auch was mich frustriert hat und vor allem, was ich in dem Jahr zurücklassen und was ich in das nächste mitnehmen möchte.

Und es ist wirklich nochmal schön, alles so schwarz auf weiß zu sehen – denn oft vergessen wir in der Hektik des Alltag, unsere Erfolge zu feiern. Und so ging es mir dieses Jahr auch. Manches ist einfach untergegangen und wenn ich jetzt einmal so von ganz oben auf alles schaue, darf ich mir selbst mal auf die Schulter klopfen, für all das, was ich ausprobiert, bewegt und angestoßen habe. Und ich bin mir sicher, dass wir alle irgendwie dieses Jahr Helden des Alltags geworden sind.

Wofür darfst du dir also selbst Beifall geben?
Worauf bist du stolz?

Und gleichzeitig ist es mir wichtig, dass wir auch darauf schauen, was uns frustriert hat, was uns leiden lasst hat, was uns traurig gemacht hat – denn auch diese Gefühle gehören zu unserem Leben. Dafür müssen wir auch einen Platz schaffen, das ist mir dieses Jahr auch noch einmal bewusst geworden.

Ganz ehrlich, ich halte nichts von den Sprüchen „hinfallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen“ –  Ja, es ist wichtig, sich nicht hängen zu lassen; ja, es ist wichtig, den Mut nicht zu verlieren – aber nicht nur. Wäre nicht der Spruch „hinfallen, trösten, aufstehen, heilen, Krone richten und mutig nach vorne schauen“ viel besser? – denn nur, wenn wir Schmerz zulassen, wenn wir ihn annehmen, können wir ihn auch heilen. Solange wir ihm Widerstand entgegen bringen, wird er nur stärker.

Daher: Was hat dich frustriert?
Was hat dir Schmerzen bereitet?
Wo hast du dich verletzt gefühlt?

Welcome 2021

Und wenn wir so bewusst auf unser Jahr schauen, können wir für uns selbst Klarheit finden: Was möchte ich vielleicht in diesem Jahr zurücklassen, was möchte ich in das nächste mitnehmen oder vielleicht auch einladen?

Packe dir daher deinen Rucksack und entscheide, mit welchem Gepäck du in das neue Jahr reist. Und wenn ich so alles einpacke, kommt immer ein Wort mit rein – ein Wort, welches mich das nächste Jahr begleiten soll. Letztes Jahr war es „Genuss“. Nach meiner Reflexion von diesem Jahr weiß ich auch, welches 2021 mein Begleiter werden soll – „JETZT“.

Und nun freue ich mich auf dieses „JETZT“ – ich freue mich auf dich 2021 – ich bin gespannt, was auf mich wartet. Und gerade wollte ich noch schreiben „und ich weiß, dass dieses 2021 besser wird“, aber ich musste diese Worte wieder löschen. Denn 2020, du warst nicht schlecht, du warst nur anders – und mein Rucksack ist dank dir mit ganz vielen Schätzen gefüllt worden.

Und wenn du jetzt auch Lust hast, auf dein Jahr zurückzublicken, dann lade dir hier das Reflexionsjournal herunter, mache dir einen leckeren Tee, mache dir schöne Musik an und kuschle dich in deine Decke – schenke dir selbst ein wenig Zeit. Und vielleicht entdeckst du für dich auch ein Thema, welches du dir genauer anschauen möchtest – gern unterstütze ich dich dabei im Coaching.

Zeit – offen über Zeit zu reden

nachdenken

Was bedeutet Zeit? Wie viel Zeit haben wir? Und haben wir ein Zeitproblem? – Immer wieder höre ich den Satz „Wenn ich mehr Zeit hätte …“ und immer öfter lese ich „Man muss nur die richtigen Prioritäten setzen“ – beide Sätze kenne ich sehr gut und beim letzten wird mir öfter wirklich mulmig.

Ich nehme mir Zeit – setze Prioritäten und setze den Fokus auf das, was mir wirklich wichtig ist. So saß ich gestern Morgen mit meinem Kaffee morgens um 7.00 Uhr im Bett und habe gelesen. Dieses Ritual habe ich schon seit ein paar Jahren, da ich ansonsten im hektischen Alltag kaum zum Lesen komme. Zudem genieße ich es auch, so entspannt mit guten Gedanken in den Tag zu starten. Einfach nur 10- 15 Minuten für mich und meine Inspiration.

Diesmal las ich einen Artikel – ein Artikel zum Thema Zeit.

Prioritäten und Struktur

Wofür nehme ich mir Zeit? Warum nutze ich meine Zeit nicht richtig? Wie schaffen es andere?

Und während ich den Artikel so lesen, in dem ich auch immer wieder Aussagen von mir selbst erkannte, beschlich mich ein ungutes Bauchgefühl und mir wurde klar, dass ich ein paar offene Zeilen zu unserem Zeitproblem verfassen muss.

In dem Artikel ging es darum, dass eine Frau sich fragte, wie andere immer mehr schaffen, dass sie kaum noch Zeit für Hobbys und die Dinge hat, die ihr wichtig sind. Und so fragte sie sich, wie es ihre Freundin schaffte, neben ihren Kindern, ihrer Arbeit und noch ein sehr ausfüllendes Freizeitleben zu führen.

Die Antwort war kurz und knapp: Prioritäten und Struktur.

Die Woche vorplanen. Das Essen vorkochen. Die Wäsche hinlegen. Termine einplanen. ….

Oh ja, dies kannte ich.

Rückblick.

Sommer 2012.

Ich war gerade im letzten Jahr meines Studiums. Staatsexamensarbeit. Vorgezogene Staatsexamensarbeit. Eher 20-30 Stunden wöchentlich im Studentenjob statt der 10 vertraglich vereinbarten. 4-5mal die Woche Sport und dann eher zwei statt einen Gruppenkurs. Freunde treffen. Feiern gehen.

Ich genoss mein Leben. Ich sprang zwischen all den Terminen hin und her.

Bis zu einem Moment. Oktober 2012. Eine Weisheitszahn-OP und eine erzwungene Pause.

Und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass das Leben an mir vorbei rauschte. Wie ein ICE, nur saß ich nicht drin. – Endstation.

Dezember 2012.

Ich habe mir Hilfe geholt und mein Heilpraktiker sagte mir ganz deutliche Worte: „Romy, du hast 3 Optionen. Entweder du konzentrierst dich auf dein Studium und machst es jetzt so schnell fertig. Oder du konzentrierst dich auf deine Freunde und deine Freizeit. Oder du machst so weiter wie bisher, nur dann bist du bald im Burnout.“

Und so saß ich da, blickte in meinen pinkfarbenen Filofox und starrte meine Termine vom Sommer an. Ich starrte und starrte, aber sie wurden nicht weniger. Und ich fragte mich: „wie hast du all das geschafft?“. Ich konnte mir die Frage nicht mal mehr in Gedanken beantworten, geschweige in der Realität. – in meinen Augen war es unschaffbar und gleichzeitig hatte ich den Beweis für das Gegenteil. Ich hatte es geschafft. Bis mein Körper die Notbremse gezogen hat.

Wie habe ich es geschafft? Mit Struktur. Mit guter Planung. Und mit Prioritäten. Der einzige Fehler: mir war alles wichtig. – mein Studentenjob? Ja Priorität, also mache ich gern noch die Wochenendarbeit oder die Frühschicht. Mein Studium? Ja klar, Priorität, ich habe mein Thema meiner Staatsexamensarbeit geliebt, man kann auch noch nach 22 Uhr daran schreiben. Mein Sport? – ja, ist wichtig, ich will ja gesund bleiben. Meine Freunde? Ja natürlich, höchste Priorität, das macht das Leben lebenswert. Meine Partys? Oh ja, ich liebe es einfach mal nur die Nacht durchzutanzen.

Alles Priorität. Also alles möglich, wenn man nur wirklich, wirklich will.

Nur eins hatte nicht Priorität in meinem Leben. – Ich und mein Schmerz.

Mein Leben war freudig. Mein Leben war glücklich. Mein Leben war lebendig.

Da gab es keinen Platz für Traurigkeit. Keinen Platz für Schmerz. Keinen Platz für Stillstand.

Dachte ich, bis mich das Leben, oder sagen wir mal, mein Körper, mich eines besseren belehrt hat.

Und ich bin dankbar dafür – denn es hat mich mit mir selbst konfrontiert. In den Sitzungen mit meinem Heilpraktiker habe ich das erste Mal darüber nachgedacht, dass es zwischen Reiz und Reaktion einen Raum gibt. Ich weiß nicht, ob sich mein Leben ohne diese Erfahrung so weiterentwickelt hätte.

Aber es hat nicht gereicht.

November 2017.

Ich stehe an der Supermarktkasse. Ich hatte einen freien Tag. – seit langem mal wieder. Und auf einmal war ich weg – nur für einen kurzen Moment. Aber dieser Moment hat gereicht. Das Gefühl keine Kontrolle mehr zu haben. Ich war verwirrt, wusste es nicht einzuordnen. 5 Minuten später saß ich in einer Apotheke zum Blutdruck messen. „Gehen Sie mal lieber zum Arzt und lassen Sie es dort nochmal überprüfen. Ihr Blutdruck ist ganz schön hoch.“ – Und das mit nicht mal 30 Jahren. Und auf einmal rollten die Tränen. Aus Erschöpfung. Aus Traurigkeit. Aus Ruhe.

Aber es war kein Wunder. Das Pfeifen im Ohr habe ich ausgeblendet. Den Schlafmangel mit noch mehr Action überblendet.

Eins konnte ich nämlich gut: Struktur und Prioritäten.

Ich habe damals meine Coachingsausbildung gemacht – mal wieder kompakt, schnell und intensiv. War ja Priorität für mich. Nebenbei 100% Job, nein – stimmt nicht, denn on top noch ein Mehrarbeitsantrag. 10h pro Woche Fahrtweg. 4 mal zum Crossfit. Und das Leben nicht vergessen.

Es braucht halt Priorität. Und die Priorität lässt einen auch den Wecker auf 5:30 stellen, sie bringt einen auch morgens um 7.00 Uhr vor der Arbeit noch ins Fitnessstudio und lässt einen noch bis 23 Uhr an der eigenen Website arbeiten.

Priorität bringt einen voran, Priorität ermöglichst vieles – vielleicht aber auch zu viel.

Irgendwann wohl doch.

Und ja, genau diese Erfahrungen haben mein ungutes Bauchgefühl geweckt.

Wie viel Prioritäten braucht es noch in unserem Leben? Wie viel Struktur und Optimierung braucht es noch?

Oder braucht es einfach auch mal ein NEIN – weil jedes Nein auch ein JA zu uns selbst vielleicht ist.

Ich glaube nicht, dass wir ein Zeitproblem haben. Wir haben ein Prioritäten- und Erwartungsproblem – Erwartungen, die wir an uns selbst stellen.

Einen guten Job auf Arbeit machen.
Uns gesund und healthy ernähren.
Regelmäßig Sport treiben.
Die perfekte Frau, der perfekte Mann sein.
Die perfekte Mutter, der perfekte Vater sein.
Der/die Freund/in, die man jederzeit anrufen kann und die/der für jeden Spaß zu haben ist.
Uns weiterbilden und hip sein.

Ja, die Liste ist lang.

Aber in meinen Augen fehlt da etwas ganz Entscheidendes: In Liebe zu uns selbst sein. In Fürsorge. In Verständnis.

Ja, wir können das alles sein – aber wir müssen es nicht immer gleichzeitig sein.

Wir müssen nicht noch das meal prep für die Dienstreise am Sonntag machen, wenn wir Montagmorgen 5.00 Uhr mit dem Zug für die nächsten Tage los müssen.

Wir müssen uns nicht noch 22 Uhr in die Laufschuhe quälen, um nach einem langen Arbeitstag wenigstens noch ein bisschen Bewegung zu haben.

Wir müssen nicht, den veganen selbstgebackenen Kuchen mit in die Kita bringen und dafür bis 3 Uhr nachts in der Küche stehen.

Wir müssen nicht unseren Tages- und Wochenplan bis auf die letzte Minute durchstrukturieren wie den Projektplan auf Arbeit, nur um alles irgendwie unterzubekommen.

Aber was wir müssen, ist uns fragen: Wie geht’s mir eigentlich? Was ist MIR gerade wichtig? Was brauche ich?

Balance is the key.

Ich möchte damit nicht sagen, dass gesunde Ernährung, Sport und Freunde unwichtig sind. Nein, im Gegenteil – mir persönlich ist das alles sehr wichtig. Aber es muss sich immer in Balance finden. Wenn ein Teil mal mehr Zeit fordert, darf ein anderer Teil auch mal zurücktreten.

Wenn ich mit meinen Klienten im Einzelcoaching arbeite, starte ich meist mit einer Standortanalyse. Ich frage sie, welche die 5-6 wichtigsten Lebensbereiche momentan für sie sind – z.B. Arbeit, Familie, Freunde, Sport, Reisen, Abenteuer, …

Und dann lasse ich sie dafür Säulen malen. Und in diese Säulen sollen sie eintragen, wie erfüllt sie gerade in dem Bereich sind. Und dann dürfen sie eintragen, wie erfüllt dieser Bereich sein sollte.

Und dann sage ich etwas zu ihnen:

„Stell dir vor, diese Säulen wären ein DJ-Pult und du könntest damit die Töne der Säulen leiser und lauter machen – stell dir jetzt mal vor, wie deine Wunschmusik klingt.“

Und jetzt frage ich dich: Wie klingt deine Wunschmusik? Gefällt sie dir?

Vielleicht haben wir kein Zeitproblem, sondern ein Erwartungsproblem.

Und viele meiner Coachees fragen mich dann noch, ob sie noch eine Säule ergänzen dürfen. Weißt du, welches das ist? – Meist heißt sie Gesundheit oder ICH-Zeit.

Eine Säule, die wir so oft in unserem Leben vergessen.

Was ich noch sagen möchte:

Unser Leben braucht nicht nur Prioritäten und Struktur, es braucht auch Freiraum und vor allem die ganze ehrliche Antwort auf die Frage „Wie möchte ich eigentlich leben?“ – es braucht Authentizität.

PSI – Intelligenz und Intuition sind Freunde

Was ist PSI eigentlich? – Ich kann dir jetzt dazu mehrere Antworten geben: Ausgeschrieben bedeutet es „Persönlichkeit-System-Interaktionen“. Es ist eine komplexe Persönlichkeitstheorie, die von Prof. Dr. Julius Kuhl begründet wurde. – Das ist die sehr allgemeine Antwort. Meine subjektive Antwort wäre: „Es ist eine wahnsinnig spannende, komplexe Theorie – die mich neugierig macht, mehr zu erkunden. Der dazugehörige Diagnostiktest regt uns an, uns als Person genauer zu hinterfragen, „blinde“ Punkte zu erkennen oder auch Ressourcen aufzuspüren. Es ist eine Theorie, die mich viel beschäftigt und die mich vermutlich auch noch sehr lange beschäftigen wird.“

Hab ich dich jetzt neugierig gemacht? Möchtest du mehr erfahren? Dann lies weiter.

PSI einfach erklärt – not so easy

Ehrlich gesagt, sitze ich an diesem Artikel schon 1,5 Wochen. Ich habe Ende September 3 Tage lang den ersten Teil der Ausbildung zur PSI-Kompetenzberater absolviert und dabei vor allem die Grundzüge der Theorie kennengelernt. Ende Oktober folgte dann der zweite Teil. In diesen 3 Tagen ging es vor allem um die Auswertung der Diagnostiktests – wie kann ich mit meinen Coachees gemeinsam den Test auswerten, wie können wir Ressourcen und Entwicklungsaufgaben entdecken.

Und an dem Abend habe ich dann voller Euphorie beschlossen – Ja, der nächste Blogbeitrag ist dazu. Es hat jetzt aber ganz schön lange gedauert.

Warum? Weil es meiner Meinung nach gar nicht so einfach ist, die Theorie in einem kurzen Beitrag darzulegen. Das Standardwerk von Prof. Dr. Kuhl dazu umfasst 1000 Seiten und ich weiß nicht, ob ich mich diesem jemals wirklich hingeben werde.

Prof. Dr. Julius Kuhl hat eine Theorie aufgestellt, „die vielfältige valide Ergebnisse aus der experimentellen Psychologie integriert und durch die Erkenntnisse der modernen Neuropsychologie bestätigt wurde“, so steht es auf der Seite des Impart-Instituts.

Okay, so viel schlauer ist man damit jetzt auch nicht. Ich versuche mich mal in einer kurzen Zusammenfassung. In der Theorie geht es unter anderem um folgende Aspekte.

Motive – Antreiber für unsere Handlungen

Kuhl sagt, dass ein Motiv ein „intelligentes Bedürfnis“ ist – schon ein interessanter Ausdruck, oder? Was meint er damit?

Ein Mensch hat z.B. ein Bedürfnis nach Wertschätzung. Dies kann er auf unterschiedliche Art und Weise erreichen. Zum Beispiel, indem er Beziehungen aufbaut und darüber Wertschätzung erhält oder indem er Leistungen erzielt, für die er dann Wertschätzung erfährt. Im ersten Fall hätte der Mensch ein Beziehungsmotiv (Anschlussmotiv) und im zweiten ein Leistungsmotiv, um sein Bedürfnis zu stillen. Das Motiv weiß also, wie es das Bedürfnis erfüllen kann, und ist gleichzeitig unser Beweggrund für Handlungen – also unser Antreiber.

Kuhl unterscheidet in seiner Theorie vier verschiedene Motive:

  • Beziehungsmotiv (Anschlussmotiv)
  • Leistungsmotiv
  • Machtmotiv
  • Freiheitsmotiv

Dabei vereinen die Motive ganz unterschiedliche Ausprägungen – Macht ist zum Beispiel nicht gleich Macht. Ein Machtmotiv kann z.B. ein Arzt haben, der Menschen helfen möchte, aber auch ein Chef, der ganz feste Hierarchien in einem Unternehmen pflegt. Unsere Lehrtrainerin Giovanna Eilers hat es ganz schön mit einer Art „Laubhaufen“ beschrieben, die Kuhl zu einer Motiv zusammengelegt hat.

Ich versuche es noch einmal konkret zu machen:

25.09.2020 – 10 Uhr – in einem Raum sitzen 7 verschiedene Personen, die alle an der PSI Weiterbildung teilnehmen möchten – eigentlich machen wir ja alle dasselbe, oder? Von außen betrachtet ja, wenn wir uns aber die Beweggründe anschauen, gibt es Unterschiede.

Und diese wurden in der Vorstellungsrunde deutlich:

„Ich freue mich, hier drei Tage mit anderen Menschen mich auszutauschen, zu vernetzen und gemeinsam etwas Neues zu lernen.“ – Hurra, herzlichen Willkommen Beziehungsmotiv. Ja, da steht auch „Neues lernen“, aber im Vordergrund steht die Zeit mit anderen.

Die nächste Teilnehmerin sagt: „Ich möchte gern im Coaching meinen Klienten weiterhelfen können. Manchmal kommen wir an einen Punkt, wo es nicht weitergeht. Da ist eine Unzufriedenheit, wir finden aber die Ursache nicht. Ich hoffe, dass mir PSI dafür Coachingansätze mitgibt.“ – Und was vermutest du? – Ja, das ist das Machtmotiv. Die Teilnehmerin möchte etwas bewirken, sie möchte Klienten helfen.

Dann ist der nächste Teilnehmer dran: „Ich möchte verstehen, worum es in der Theorie geht. Ich möchte die Zusammenhänge dahinter verstehen. Ich möchte auch einen Diagnostiktest in meinem Portfolio anbieten können“ – Hier zeigt sich klar das Leistungsmotiv, sich selbst verbessern, seine Fähigkeiten ausbauen und Neues lernen.

Und dann ergänzt die nächste Teilnehmerin: „Ich hatte einfach Lust darauf, möchte mehr über mich erfahren – mir macht es einfach Spaß mich weiterzubilden, ich bin da in meinem Flow.“ – Dahinter versteckt sich das Freiheitsmotiv. Hier geht es vor allem um die eigene Selbstverwirklichung, unabhängig von anderen – das eigene Wachstum für einen persönlich steht im Vordergrund.

Ganz schön spannend – wir machen alle dasselbe, aber doch aus einem anderen Antreiber heraus.

Gleich geht es noch ein Stückchen weiter. Aber überlege doch einmal selbst, weshalb machst du bestimmte Dinge: Weshalb machst du zum Beispiel Sport? – weil du dort andere Menschen treffen kannst, weil du dich mit anderen messen und in den Wettkampf treten kannst, weil du dort deine Leistungen verbessern und dich immer wieder neuen Herausforderungen stellen kannst oder weil du dort einfach in deinem Element bist?

Als wäre das noch nicht genug mit den Motiven, unterscheidet Kuhl noch in unbewusste (implizite) und bewusste (explizite).

Unbewusste Motive entstehen vor allem aus dir heraus und werden überwiegend in offenen Situationen aktiviert. Sie entstehen durch Erfahrungen, vor allem in den ersten Jahren unserer Kindheit. Sie sind zeitlich überdauernde Persönlichkeitsmerkmale, die relativ stabil sind. Sie sind vor allem als unsere Kraftquellen zu sehen.

Bewusste Motive dagegen werden vor allem durch Erwartungen und bewusste Ziele geprägt. Das Verhalten ist eher kurzfristig und eine Reaktion auf spezifische Situationen.

Es kann sein, dass die Motive in einem Konflikt stehen. Vielleicht glaube ich, dass ich zum Sport gehen muss, weil ich ja die anderen im Team nicht hängen lassen kann. Eigentlich ist mir aber eher nach Zeit für mich. Trotz der „Bauchschmerzen“ schleppe ich mich dann zum Training – und damit habe ich den Konflikt zwischen dem bewussten Beziehungsmotiv und dem unbewussten Freiheitsmotiv eine Bühne gegeben, die auf lange Sicht für einen selbst kräftezerrend wird.

Wow, ganz schön komplex – oder? Aber da kommt noch mehr.

Umsetzungsstile – wie komme ich dahin?

Neben diesen Motiven ist in der PSI auch wichtig, wie man diese bevorzugt umsetzt. Kuhl unterscheidet dabei vier verschiedene Umsetzungsstile. Er ordnet sie vier verschiedenen Funktionssystemen unseres Gehirns zu – stell sie dir wie eine Art „Gehirnpalast“ mit vier Räumen vor. Je nach Situation können wir die verschiedenen Räume aufsuchen – wir springen immer wieder hin und her – dabei mögen wir einen Raum mehr, den anderen vielleicht auch weniger. Ganz wichtig, es gibt dabei kein gut oder schlecht. Wichtig ist nur, die eigene Raumnutzung zu kennen, um ggf. Ressourcen und Handlungsalternativen zu entdecken.

So, dann lade ich dich mal in den Gehirnpalast ein.

(1) Das Intensions- oder Absichtsgedächtnis – der rote Raum

Dieses System ist für die Handlungsplanung wichtig. Wenn wir uns in diesem „Raum befinden“, machen wir Pläne, können wir Ziele definieren und logisch denken. Wir lösen komplexe Probleme sehr strukturiert und analytisch. Jede To-Do-Liste entsteht hier.

(2) Objekterkennungssystem – der blaue Raum

Dieses System ist unser Prüfraum. Wenn wir uns in diesem Raum aufhalten, nehmen wir Einzelheiten war, ermitteln Abweichungen und prüfen sehr kritisch. Wir sind wie ein wachsames Reh, das jede Unstimmigkeit spürt.

Diese beiden Räume befinden sich auf der linken Gehirnhälfte, der analytischen Intelligenz. Auf der rechten Gehirnhälfte, der intuitiven Intelligenz, befinden sich diese beiden Räume:

(3) Extensionsgedächtnis – der gelbe Raum

Hier befindet sich unser „Selbst“ – oh, das klingt schon ganz schön mächtig. Wichtig ist, dass hier alle Erfahrungen abgespeichert werden, es ist wie eine Art Bibliothek und je älter wir werden, umso mehr füllt sie sich mit Erfahrungen. Wenn wir in diesem Raum sind, können wir uns selbst wahrnehmen und können auf Erfahrungen zurückgreifen. Auch hier können wir komplexe Probleme lösen, jedoch nicht analytisch, sondern eher kreativ.

(4) Intuitive Verhaltenssteuerung – der grüne Raum

Dieser System ist die Handlungsausführung. Wenn wir im grünen Raum sind, werden wir aktiv und lebendig. Hier werden Absichten umgesetzt und wir folgen hier unseren Gewohnheiten.

Okay – ein ganz schönes Farbenspiel – vielleicht sagst du jetzt auch, ach ja, das kenne ich schon. Denn tatsächlich nutzen auch andere Persönlichkeitstest Farben zur Kodierung, wie z.B. DISG. Aber Achtung, man darf dies nicht miteinander verwechseln.

Und an dieser Stelle möchte ich auch betonen, dass die PSI Menschen nicht in Kategorien sortiert und keine Schubladen aufmacht. Nein – du bist nicht der „Kritiker“ oder der „Visionär“ – ja, vermutlich bevorzugst du einen Umsetzungsstil mehr als den anderen. Dies ist aber per se weder gut noch schlecht.

Zum Beispiel bin ich froh, dass mein Steuerberater eher einen blauen Umsetzungsstil hat und nicht unbedingt einen grünen, in dem ich oft stecke. Er entdeckt nämlich, wenn eine Rechnung noch nicht bezahlt wurde oder ich mal wieder einen Fehler in der Rechnung habe. Ohne diesen Detailblick von ihm wäre ich aufgeschmissen. Dafür wünschen sich vermutlich meine Teilnehmenden in den Seminaren meine grüne Seite – denn damit kann ich Energie in den Raum bringen, schnell und intuitiv auf Wünsche und Änderungen eingehen und andere begeistern – so dass es nicht langweilig wird.  An der Stelle wäre die Lupe für Bedenken und Schwierigkeiten wohl nicht so günstig.   

Und dennoch ist es auch für mich wichtig, ab und zu mal den blauen Raum zu besuchen: „Was lief heute in dem Seminar gut, was nicht so gut? Woran lag es vielleicht, dass die Teilnehmenden gebraucht haben, bis sie wirklich mit der Aufgabe angefangen haben? Könnte ich vielleicht die Themen in der Reihenfolge ändern? Was müsste ich beim nächsten Mal noch beachten?“ – du siehst also, es braucht alle Räume und die PSI hilft uns auch, dass wir lernen bewusst Räume zu betreten.

PSI – kein bestimmter Typ, aber was bin ich dann?

Worum es bei dieser komplexen Persönlichkeitsdiagnostik geht, ist es, Motive, Umsetzungsstile und auch Muster bewusst zu machen, sie zu reflektieren und daraus Ressourcen und Entwicklungspotentiale abzuleiten.

Deshalb muss ich dich jetzt auch enttäuschen. Nach dem Test gibt es kein Verhaltensprofil und auch keinen Persönlichkeits-Steckbrief zum Ausdrucken – nein, so leicht ist es nicht. Denn entscheidend ist  die Kombination aus Motiven – unbewussten und bewussten -, aus Umsetzungsstilen, aus eigenen Erfahrungen und Kontextbedingungen – daher braucht es ein intensives Auswertungsgespräch.

Dabei schauen sich Coach und Klient gemeinsam die Ergebnisse an, besprechen diese detailliert und stellen so den Bezug zum Alltag her. Daraus wird ersichtlich, wo vielleicht noch unbewusste Ressourcen liegen. Je nach Kontext und der Situation des Klienten kann man dann gemeinsam schauen, welche Entwicklungswege es gibt und wie der Klient dafür die Ergebnisse nutzen möchte.

So, das war jetzt ganz schön viel – daher versuche ich den Nutzen von PSI noch einmal auf den Punkt zu bringen:

  • Reflexion von unbewussten und bewussten Motiven: Manchmal verstecken sich hier große Diskrepanzen, die uns Energie rauben können. Lerne zudem deine persönlichen Antriebskräfte kennen.
  • Reflexion der Umsetzungsstile: Manchmal vermeiden wir einen Stil bzw. fällt es uns schwer in einen bestimmten Raum zu gehen – hier kann man gezielt Entwicklungsmöglichkeiten entdecken.
  • Reflexion der eigenen Selbststeuerungskompetenzen: Neben den Motiven und Umsetzungsstilen wird im Test auch der Umgang mit Stress analysiert, so dass wir auch hier gezielt Ressourcen finden können.
  • Kombination der Ergebnisse: Durch das gemeinsame Auswerten können wir „versteckte“ Ressourcen sichtbar und eigene Stärken konkret benennen. Dies hilft in der eigenen persönlichen Ausrichtung, z.B. im Beruf oder im Privaten.
  • Nutzen der Ergebnisse: Erweiterung der eigenen Handlungskompetenzen, bewusstes Ansteuern der Räume im Gehirnpalast

Und wann ist so eine Diagnostik sinnvoll?

  • Zur eigenen Standortanalyse/ eigenen Reflexion
  • Zur eigenen Selbsterkenntnis,  z.B. bei dem Problem „Eigentlich ist alles gut, aber irgendwie bin ich nicht glücklich“
  • Bei Motivations- und Energieproblemen
  • Reflexion und als Orientierung der eigenen Entwicklung, z.B. bei dem nächsten beruflichen Schritt

Du hast Interesse an ein Coaching und so einer PSI-Diagnostik? Lies dir gern meine Angebote zu Einzelcoachings durch und melde dich bei mir per E-Mail. Wir können gern ein kostenlos Vorgespräch vereinbaren.

Ich werde jetzt im November/Dezember 2020 einen Rabatt auf PSI Coachings geben. Du zahlst lediglich 540€ anstatt 740€ (inkl. MwSt.). Darin enthalten sind die Testgebühren des Impart-Instituts (in Höhe von 60€), meine detaillierte Auswertung inkl. Protokoll für dich und 2x 1,5 Stunden- Auswertungscoaching.

Vom Analogen ins Virtuelle – und was kommt dann?

Vom Analogen ins Virtuelle – und was kommt dann?

Mitte März sind wir auf einmal von der „Analogen Welt“ in die „Virtuelle Welt“ katapultiert worden – die ein oder anderen hatten vielleicht schon einen kleinen Vorsprung, da sie schon ab und zu Homeoffice genutzt haben; manche mussten jedoch erst einmal schauen, wie sie einen Laptop bekommen und auf die Unternehmensserver zugreifen können. Sicherlich waren nur die wenigsten auf ein solch radikales Szenario vorbereitet – auch ich nicht. Daher möchte ich heute meine ersten Learnings und auch Fragen mit dieser virtuellen Arbeit teilen.

Vor genau fünf Wochen ist meine Welt zusammengebrochen. Das Skurrilste an der Sache ist auch noch, dass ich mich zu dem Zeitpunkt für ein paar Wochen so sicher wie schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Ich hatte im Februar ein paar neue Aufträge erhalten und neue Kooperationen aufbauen können, der Ausblick auf das Jahr sah gut aus. Ich habe nach drei Jahren „Entzug“ das erste Mal wieder 14 Tage Urlaub geplant und sogar für drei Tage ein „Luxus“hotel gebucht. Gefühlt war ich nach vieler harter Arbeit, die mir immer Spaß gemacht und mich erfüllt hat, wieder mehr bei meinem Privatleben angekommen – ich war mal wieder mit einer Freundin im Kino oder bei einem Konzert.

Ich war stolz auf das, was ich in den letzten Jahren gelernt, ausprobiert und geschaffen habe, gleichzeitig wurde mir immer mehr bewusst, dass jetzt aber auch mal wieder andere Werte an der Reihe waren. Also blickte ich Anfang März wirklich zufrieden und gespannt auf das kommende Jahr 2020 – mit all seinen Highlights.

Und die Highlights kamen schneller als gedacht – aber nicht wie gewünscht. Am 13. März wurde mir bewusst, dass dieses Corona nicht an mir vorbei geht – und vor allem nicht an meiner Arbeit. Vorher war ich vermutlich noch viel zu sehr in meinem Freudentaumel der letzten Tage, weil ich sie genossen hatte, so dass ich die Gefahr noch nicht wahrgenommen hatte. Nachdem mir aber an diesem Freitag, den 13., alle Aufträge bis Ende April storniert worden und alle meine Coaching-Weiterbildungen vorerst abgesagt worden sind, landete ich mit einer wirklich unsanften auf dem Boden der Realität.

Wie ich die Woche danach erlebt habe, habe ich schon in einem anderen Blogbeitrag zusammengefasst. Heute möchte ich vielmehr meine Erkenntnisse und Learnings aus meiner Arbeit hier teilen, denn die Welt dreht sich weiter – und ich habe wieder mal viel ausprobiert, entwickelt und gelernt – für diese neue „Online-Welt“ – und gleichzeitig frage ich mich natürlich, wie es weitergehen soll: Wie groß wird der Online-Anteil bleiben? Werden die präsenten Begegnungen zurückgehen? Lernen die Unternehmen, die bisher Homeoffice abgelehnt haben, die Vorteile von Remote work schätzen und wollen vielleicht gar nicht mehr zurück? Wie wirkt sich das auf uns als Gesellschaft und auf unsere Arbeitswelt aus? Und wo sehe ich mich darin?

veränderte Kommunikation

Zunächst hatte ich Angst, dass virtuell keine Beziehung zueinander entstehen können. Und ja, die Kommunikation ist definitiv anders. Anders heißt aber nicht unbedingt schlechter. Auch von Kollegen habe ich die Befürchtung „die Dynamik geht verloren – das aufeinander Bezug nehmen und entwickeln von Ideen“. Zum Teil stimmt es auch. Gleichzeitig konnte ich in der „verlangsamten“ Kommunikation viel Positives entdecken. Die Teilnehmenden in Meetings wirken aufmerksamer und fokussierter: „Ist der andere jetzt fertig? Schaltet sich gerade ein anderer ein oder kann ich mich jetzt zu Wort melden?“ – Dieses Entzerren von Wortmeldungen ermöglicht eine gewisse Achtsamkeit, die wir uns zuvor oft gewünscht haben.

Ja, Diskussionen sind deutlich langsamer und „un“dynamischer, sie sind aber vielleicht auch tiefgründiger und präziser – weg vom schnellen Lösen und Diskutieren, hin zum Wahrnehmen und Spüren.

bewusste Wahrnehmung

Auf einmal sitzt man nicht mehr mit 10 anderen Menschen in einem Meetingraum, wo die Führungskraft vorne sitzt und die Agenda durchgeht. Ich kann mich noch sehr gut an das ein oder andere Meeting erinnern: jemand saß am Laptop und beantwortete Mails, der andere blickte mit einem Augen aus dem Fenster und war vielleicht in Gedanken schon beim nächsten Urlaub und ein anderer schrieb nebenbei die Einkaufsliste. Irgendwie waren wir alle da und gleichzeitig auch nicht.

Wie ist es jetzt im virtuellen Raum? Auf einmal sieht man 10 große Gesichter, die man ganz genau anschaut. Man merkt, wenn bei dem anderen eine Person den Raum betritt, auch wenn diese nicht auf dem Bildschirm erscheint. Man sieht, wenn der andere mit etwas anderem abgelenkt ist. Wann haben wir schon einmal so bewusst in all die Gesichter unserer Kollegen geschaut? Wann haben wir mal das flüchtige Stirnrunzeln bei einem Thema bemerkt oder auch ein zartes, zustimmendes Zunicken? Oder wann haben wir mal gesehen, wie müde die Augen unseres Gegenübers wirklich aussehen? – Auch wenn ein Großteil der Körpersprache, wie zum Beispiel die Haltung, wegfällt, entsteht auf einmal eine sehr fokussierte Wahrnehmung. Vielleicht lernen wir gerade, Gesichter noch viel besser lesen zu können, denn meist können wir dahinter nicht unsere Meinung verbergen.

Ganzheit

Neben dieser bewussten Wahrnehmung des Gesprächpartners zeigt sich noch viel mehr – nämlich auch das Umfeld: Wie lebt eigentlich unser Kollege? Welche Rollen erfüllt eher außerhalb des Unternehmens? Was beschäftigt ihn eigentlich?

Auf einmal werden beim Call schnell man die Windeln und die Unterhose gewechselt, ein Kind mit einem Spielzeug versorgt oder dem Postboten schnell die Tür geöffnet, weil eine wichtige Bestellung kommt. Oder wir sehen im Hintergrund einen kleinen Pokal und erfahren ganz nebenbei, dass derjenige in seiner Freizeit eine Jugendmannschaft trainiert.

Wir erhalten auf einmal ein viel ganzheitlicheres Bild – der Teampartner ist nicht mehr nur jemand, der sich um die Zahlen kümmert und uns auf die Finger haut und uns ermahnt, sie oder er ist auch noch Mutter oder Vater, jemand, der im Sommer gern in die Berge fährt und am Samstag am Feldrand steht und die eigene Mannschaft anfeuert. Und es wäre eine Illusion, wenn wir glauben würden, dass diese Person beim Betreten des Büros all diese Rollen ablegt – genauso, wie die Rollen jetzt in der virtuellen Welt erscheinen, erscheinen sie auch im Büro, nur vielleicht für uns nicht so bewusst. Vielleicht war manche Abwesenheit nicht das Desinteresse an unserem Thema, sondern die Sorge um das fiebernde Kind zu Hause? Vielleicht war manche Überreaktion bei einem Konflikt nicht ein Unwillen sondern eine Gereiztheit, weil es gerade Stress zu Hause gab?

Das heißt nicht, dass wir alles zukünftig akzeptieren müssen, vielleicht können wir manches aber anders wahrnehmen und dadurch auch nachvollziehen und somit eine Brücke bauen.

veränderte Meetingkultur und Prozesse

Mit dieser Ganzheit zeigt sich gleichzeitig, dass es auch noch andere wichtige Dinge gibt. Auf einmal wird das Gut „Zeit“ bedeutsamer. Aufgrund von Kinderbetreuung, Kurzarbeit und Mehrfachbelastung wird immer häufiger gefragt, wer eigentlich wann und wie an einem Meeting teilnehmen muss. Zudem zeigt sich gerade, dass manche Entscheidungen einfach schnell und pragmatisch getroffen werden müssen. Auch wenn die VUCA-Welt schon früher da war, haben wir sie manchmal in den Köpfen verdrängt – so haben wir manche Entscheidung von Meeting zu Meeting geschleppt und gefühlt in einer Dauerschleife gefangen. Jetzt wird es jedoch bewusst, dass manche Dinge einfach entschieden und ausprobiert werden müssen – herzlich Willkommen in der Welt des „try and error“. Auf einmal können Dinge umgesetzt werden, ohne dass noch fünf weitere Köpfe es abnicken müssen. Auf einmal muss man nicht unbedingt mehr in jedem Meeting sitzen, sondern kann im Nachhinein das Protokoll lesen und gegebenenfalls noch einmal Bedenken äußern.

Sind wir jetzt vielleicht ein paar Schritte auf dem Weg der Selbstführung und Selbstorganisation gegangen?

Anstrengung

Wenn man das alles so liest, könnte man ja meinen, wir könnten dankbar sein, dass wir jetzt endlich in die virtuelle Welt geholt worden sind – wollen und sollten wir dann eigentlich wieder zurück ins Büro und unser Traumschloss zu Hause verlassen?

Neben all diesen positiven Veränderung zeigt sich aber auch was anderes: Isolation, Müdigkeit und Erschöpfung. Vor allem in den letzten Tagen habe ich vermehrt „ich bin online müde“ gehört. Es ist einfach anstrengend die ganze Zeit auf einen Screen zu schauen und den Fokus dabei zu haben. Es ist einfach anstrengend, wenn man jede Frage in einer Mail beschreiben oder einen Kollegen anrufen muss und nicht mal schnell den Büronachbarn fragen kann. Es ist anstrengend, wenn ein Online-Meeting nach dem anderen läuft und man nur noch per Tastdruck den Raum wechselt und nicht zwischendurch mal die Treppe läuft und in der Kaffeeküche ein nettes Hallo hört.

Auch früher haben wir schon oft auf den Bildschirm gestarrt und das hektische Tippen von wichtigen Zahlen und Texten als Höchstleistung wahrgenommen. Gerade hatte ich aber den Eindruck, dass durch Achtsamkeitsthemen und Reflexion immer mehr Unternehmen auch „digital detox“ versucht haben – sei es durch Yoga in der Mittagspause, einen Raum der Stille oder handyfreie Meetings.

So sehr die Digitalisierung und sozialen Medien uns jetzt die Verbindung zueinander ermöglichen, so sehr fordern sie gerade auch Energie und Kraft von uns, denn jetzt gibt es Yoga vor dem Screen und den Afterworkdrink nicht an der Spree, sondern vor dem gespiegelten Bildschirm.

Verlust des Informellen

Und da gibt es noch etwas, weshalb ich so sehr hoffe, dass wir uns nicht in das „Remote arbeiten“ verlieben. Ich merke es so sehr in meinen Online-Angebote. Früher haben sich die Teilnehmenden von Workshops in den Kaffeepausen ganz informell unterhalten. Manchmal haben sie noch einmal einen Punkt aus der Session davor vertieft, manchmal haben sie aber auch einfach mal nur ein privates Gespräch geführt und sich dadurch auf einer anderen Ebene kennengelernt. Und das fehlt jetzt komplett – nicht nur in Workshops und Trainings, auch im Büroalltag. Sei es der Plausch in der Kaffeeküche, wo man ab und zu mal einen neuen Kollegen kennengelernt hat, oder das Networking in der Kantine, weil man mit dem Vordermann ins Gespräch kommt.

Vielleicht vermisse ich das so sehr, weil ich selbst eine überzeugte Netzwerkerin im Unternehmen war und es jetzt immer noch bin. Ich glaube, dass durch spontane Begegnungen so vieles entstehen kann – so oft habe ich es erlebt, dass mir ein Unbeteiligter auf der Büroetage genau den richtigen Impuls mitgeben konnte, nur weil ich ihm nebenbei von meinem Projekt erzählt habe.

Es ist auch nicht nur das Fortkommen und Entwickeln von Ideen, es ist auch eine Art Wertschätzung, die uns dadurch verloren geht – die kleinen Gespräche zwischendurch haben uns Aufmerksamkeit geschenkt und das ein oder andere anerkennende Lächeln, mit dem wir nicht gerechnet haben und weshalb es umso bedeutsamer war.

Was können wir mitnehmen?

Deshalb glaube ich, dass wir gerade sehr viel lernen und dazu gewinnen können und gleichzeitig auch merken, was für uns vielleicht vorher selbstverständlich war und was jetzt fehlt. Daher appelliere ich, dass wir all das bewusst wahrnehmen und damit „arbeiten“ sollten.

Vor fünf Wochen sind wir von einem Modus in den anderen geschmissen worden und mittlerweile ist uns allen vermutlich bewusst, dass es kein zurück mehr in den „alten“ Modus geben wird. Wir können jetzt also die Chance und die Zeit nutzen, uns ganz bewusst darüber Gedanken zu machen, wie wir bewusst in den Modus 3 wechseln wollen – denn dann wäre es ein Gewinn, wenn wir wirklich eine Symbiose aus beiden Welten herstellen und dabei die Vorteile miteinander verbinden würden.

Daher schaut gemeinsam im Team und in eurer Arbeit, was sich gerade zeigt und wie ihr damit umgehen wollt:

  • Was hat sich durch die Homeoffice-Arbeit verändert oder verstärkt? Was ist vielleicht aber auch weggefallen oder gleichgeblieben? Was ist neu entstanden?
    Schaut einmal bewusst offen und ehrlich auf alle Ebenen – auf die innere und die äußere – auf Haltungen und Kultur sowie auf Verhalten und Prozesse/Strukturen.
  • Wie nehmt ihr diese Veränderungen wahr? Eher positiv oder negativ? Was unterstützt euch in eurer Arbeit, was eher nicht? Was würdet ihr euch noch wünschen?
  • Stellt euch dann auch vor, dass ihr „eurer Reisegepäck“ für den Modus 3 packen könnt: Welche Errungenschaften, Routinen und Qualitäten aus der Corona-Zeit möchtet ihr mitnehmen, was möchtet ihr zurücklassen und was möchtet ihr vielleicht noch „einkaufen“, um für die kommende Reise gewappnet zu sein?

Ich glaube, dass wir gut in die Reise starten können, wenn wir zunächst unseren „Standort“ checken und das Reiseziel ins Navigationsgerät eintragen – und dann kann es losgehen – auf einen Weg, der sicherlich kurvenreich und spannend wird.

Und wie können wir jetzt gut zusammenarbeiten?

Da es sicherlich aber noch ein wenig dauert, bis wir wieder in unsere Büros zurückkehren können, möchte ich an dieser Stelle noch sechs Tipps für eine gute „Virtuelle Zusammenarbeit“ mitgeben, denn ich habe in den letzten Wochen sowohl positive als auch negative Erfahrungen gemacht:

  1. Auch in offline Meetings war es schon immer gut, wenn es einen Moderator gab, der darauf geachtet hat, dass alle eingebunden sind und man beim Thema bleibt. Ich glaube, dass dies jetzt im virtuellen Raum noch wichtiger geworden ist. Bestimmt daher einen Moderator und besprecht vorher ein paar Rahmenbedingungen, z.B. Handzeichen für Zustimmung, Bezugnehmen, Einwand und ähnliches.
  2. Neben dem Moderator empfehlen sich auch noch weitere Rollen, wie z.B. Energiewächter, Zeitwächter oder Themenwächter. Die Personen achten dann neben ihrer eigenen Beteiligung noch besonders auf diesen Aspekt und können ein Zeichen geben, wenn die Energie gerade abrutscht und eine Aktivierung passend wäre oder wenn man sich zu sehr in Themen verfranzt.
  3. Probiert euch aus und spielt mit Tools. Verwendet Collaboration-Programme, wie z.B. Miro oder Mural; nutzt Umfragen und Abstimmungsapps oder bringt Schwung in die Sache, indem ihr einfach den nächsten, der reden „muss“, nominiert.
  4. Auch wenn wir jetzt virtuell kommunizieren, muss nicht alles virtuell erfolgen. Schreibt auch einfach mal mit einem dicken Filzstift auf Zettel haltet dann eure Notiz für alle in die Kamera oder zeigt durch Hochhalten von Karten, z.B. mit diesen, eure Meinung – spielt mit dem Analogen und Digitalen. Vor allem in Coaching-Workshops merke ich, dass es gut ist, wenn die Teilnehmenden mal ein ausgedrucktes Arbeitsblatt ausfüllen, weil sie dann für eine kurze Zeit nicht auf den Bildschirm starren müssen. – Werdet also kreativ und probiert euch nach der Devise „Mix it, baby“ aus.
  5. Da die virtuelle Welt für Kopf und eigenem Energieakku kräftezerrend sein kann, solltet ihr achtsame Praktiken einbinden. Beginnt vielleicht einmal ein Meeting mit paar Minuten der Stille oder einem „Präsenz-Check In“, bei dem alle Beteiligten einmal kurz in einer Prozentzahl einschätzen, mit wie viel Energie und Präsenz sie gerade da sind.
  6. Achtet auf die Pausen, plant nicht ein Meeting an das andere. Lasst dazwischen 15 Minuten Zeit, so dass ihr vielleicht wirklich mal die Treppen im Hausflur hoch und runter gehen und den Kopf frei bekommen könnt. Das sorgt für neue Energie und Klarheit.
    Versucht auch informelle Treffen irgendwie zu ermöglichen. Meldet euch abteilungsübergreifend zum virtuellen Lunch an und lasst euch dann per Zufallsgenerator mit 2-3 anderen Personen in einen kleinen Gruppenraum schmeißen – so lernt ihr auch andere Personen im Unternehmen kennen und könnt euch vielleicht mal mit ganz neuen Gesichtern austauschen.

Eigentlich schwirren noch viel mehr Gedanken in meinem Kopf rum, z.B. wie wir die Ideen des New Work in der Coronazeit erleben können – ich glaube aber, dass es dafür einen neuen Blogbeitrag braucht – denn auch ich muss und möchte darauf achten, dass die Laptopzeit nicht ins Unermessliche steigt.

Was hindert mich eigentlich?

Was hindert mich eigentlich?

Ich sitze auf meiner Couch mit guter Musik und Käsewürfel, nur der Rotwein fehlt – dafür gibt es aber die komplette Wundertüte der Gefühle – Erfüllung, Melancholie, Leere, Hoffnung. Und irgendwie auch ein Gefühl des Vertrauens können, der Neugier. Vor drei Wochen hätte ich noch nicht gedacht, dass ich jetzt hier so sitzen würde, und in drei Wochen wäre ich jetzt eigentlich woanders, wo ich jetzt nicht sein werde – etwas, auf was ich mich so sehr gefreut habe: Freundinnenzeit bei einem Konzert, weil ich es mir endlich wieder gönnen wollte, weil der Genuss und die Leichtigkeit wieder mehr Raum in meinem Leben bekommen sollte. Stattdessen klingen jetzt die Lieder der Band aus meinem Lautsprecher – irgendwie ist das schon eine gewisse Art der Selbstzerstörung, denn die Vorstellung, dass ich das Konzert jetzt nicht erleben werde, tut weh. Was kommt aber stattdessen? Wofür ist jetzt Raum? Ich weiß es nicht.

Zeit der Veränderung

Es hat sich so vieles in den letzten Tagen geändert, vieles ist gegangen und für vieles ist ein Raum entstanden – nicht alles wollte ich davon in mein Leben lassen, es hat sich aber einfach so eingenistet, ohne zu fragen – die Verzweiflung, der Frust, die Traurigkeit, die Hilflosigkeit. Es ist aber auch vieles in den Raum gekommen, womit ich vorher nicht gerechnet habe, was mich jetzt aber erfüllt – sei es das Experimentieren mit Digitalen Medien; die Erfahrung zu machen, dass Verbundenheit entstehen kann, auch wenn man sich nicht „real“ begegnet oder die Erfahrung an Grenzen gebracht zu werden und es auszuhalten.

Ein wunderschöner, neuer Platzhalter ist das virtuelle Café der Fragen, welches ich heute zum dritten Mal mit meiner Kollegin Susanne Schwarz durchgeführt habe. Wir hatten unseren Auftakt für dieses gemeinsame Event in Berlin im Februar – der Plan war es, dieses alle vier bis sechs Wochen in Berlin irgendwo erscheinen zu lassen – Raum für Impulse und Inspiration.

Und dann kam alles anders. Das nächste Event musste schon virtuell stattfinden, womit ich im Vorfeld wirklich Bauchschmerzen hatte, denn bisher war in meinem Kopf Verbundenheit ganz eng an reale Begegnungen gebunden – und genau das möchte ich doch mit meiner Arbeit ermöglichen – in Kontakt mit sich selbst und mit anderen zu kommen.

Und ich musste lernen, mein Bild im Kopf zu ändern – es ist möglich, es ist vielleicht anders, aber es ist möglich. Heute hatten wir nun schon das dritte virtuelle Café, denn nach dem ersten Mal war uns klar, dass wir es jetzt jede Woche durchführen – für uns und für andere.

Jede*r Teilnehmer*in erhält eine Frage – eine Frage zum Sinn des Lebens und erhält die Zeit und den Raum, darüber nachzudenken, Gedanken zu teilen und hineinzuspüren. Und genau das macht was mit uns – zum einen mit uns selbst, allein weil wir laut darüber reden, und zum anderen bei den anderen, weil es bei ihnen auch etwas auslöst. Genau das möchten wir dann mitgeben – was hat es bei mir ausgelöst – es ist ein Geschenk eine fremde Wahrnehmung zu erhalten.

Und es ist immer wieder schön, immer wieder berührend, immer wieder inspirierend – immer wieder ein Gedankenanstoß, auch nach dem „Treffen“ weiter zu denken.

Gleichzeitig wollte ich auch mal eine Frage erhalten – auch in den Zauber der „magischen“ Frage, die auf einmal erscheint, eintauchen. Daher ziehen Susanne und ich seit dem letzten Mal danach selbst noch eine Frage und wir wissen, es kommt immer die „richtige“ Frage zu einem.

Die richtige Frage

„Was hindert dich daran, schon jetzt so zu sein, wie du später sein möchtest?“

In dem Moment fand ich dann die Worte, die ich in den letzten Tagen so oft gedacht, gesagt und auch beweint habe: „Ich will mein altes Leben zurück – ich war so glücklich. Mein Business lief. Ich war dankbar für meine Freundschaften. Ich hatte endlich wieder eine Art dynamische Balance von Arbeit und Freizeit gefunden. Ich war verdammt glücklich. So glücklich, dass ich Anfang März noch die Angst hatte, dass das Kartenhaus zusammenfallen könnte.“ – Und jetzt: Das Kartenhaus ist kaputt.

Gleichzeitig merkte ich auch, dass ich das Leben wieder haben möchte, was noch kommen sollte: all die schönen Aufträge und Seminare, die auf mich gewartet haben, das Konzert, mein Urlaub in den Bergen, den ich mir nach drei Jahren endlich mal wieder gönnen wollte, meine Ausbildungen. Auch diese Seifenblase ist gerade zerplatzt.

Was hindert mich also daran, so zu sein, wie ich später sein möchte? – Nein, es ist nicht Corona. Nein, es sind nicht die Umstände. Nein, es ist nicht die Ungewissheit.

Vielmehr habe ich in den letzten Tagen gemerkt, dass ICH es immer selbst bin. Es ist mein Kopf – mein Kopf, der träumt und kreiert; mein Kopf, der ganz viele Ideen spinnt und sich für vieles schon begeistert. Mein Kopf, der oft in der Vergangeheit ist und gleichzeitig auch in der Zukunft.

Ich bin so dankbar für diese Kreativität, für all die Impulse und für meine wahnsinnige Vorstellungskraft, denn dadurch konnte ich in den letzten Tagen so viel entwickeln, so viel gestalten und Neues entdecken – Onlinetools ausprobieren, neue Produkte entwickeln und mir ein neues „Luftschloss“ aufbauen.

Aber bekannter Weise gibt es immer zwei Seiten einer Medaille – genau diese Kreativität, Impulse und Vorstellungskraft lassen Pläne und Vorfreude bei mir entstehen – sie geben mir Struktur, sie geben mir Halt und sie geben mir ein Ziel, welches mich so sehr antreibt, welches mir Energie schenkt.

Es raubt mir aber auch Energie, es steht mir auch im Weg – und gerade jetzt spüre ich dies. Meine Offenheit für Neues und mein Verliebtsein in meine Pläne konkurrieren miteinander.

Und es ist ein Kampf – von Tag zu Tag ein Ringen, mal gewinnt der eine, mal der andere.

Schon als kleines Kind habe ich gern geträumt, mir Phantasiewelten ausgemalt – und heute mache ich es auch noch. Ich hatte so einen schönen Plan für dieses Jahr – 2020 sollte so besonders werden. Seit langem mal wieder 14 Tage am Stück Urlaub, mein Geburtstag auf der Almhütte in Österreich, ich habe mich schon auf der Hängebrücke sitzend gesehen und anschließend auf den Liegen des Gartenhotels entspannen – ja, es war perfekt.

Und dann wurde ich aus meinem Traum gerissen. – In einen anderen Traum katapultiert, wo ich jeden Tag hoffe, davon aufzuwachen. Das werde ich aber nicht, denn es ist kein Traum, es ist die Realität.

Was hindert mich also? – Es ist mein Plan, meine Vorstellung, wie das Leben sein soll; meine Sehnsucht nach Struktur, nicht nach der Struktur im Außen, sondern einer Struktur, die ich mir im Inneren gebaut habe.

Was wäre aber, wenn ich diese Struktur loslassen würde? – Ja, dann käme wohl die Leichtigkeit, das Leben im Hier und Jetzt; das, wonach ich mich doch eigentlich in meinem geplanten Leben gesehnt habe. Ich muss also einfach loslassen, auch wenn es nicht einfach sein wird, und darauf vertrauen, dass alles so kommt, wie es kommen soll.

Oder wie eine Teilnehmerin heute so schön gesagt hat:

„Fallen wird zum Schweben, wenn man aufhört, sich festzuhalten“

Festzuhalten an mein altes Leben und festzuhalten an meinem Zukunftsleben.

Leben heißt wohl, im Hier und Jetzt ankommen. Nicht im Gestern. Nicht im Morgen.

Und jetzt mache ich die Musik laut und träume mich in mein Wohnzimmerkonzert. Jetzt und nicht erst morgen. Und vielleicht erträume ich mir noch ein Rotweinglas in meine Hand anstatt nur die Teetasse.


Du möchtest auch einmal am Café der Fragen teilnehmen, dann findest du hier die nächsten Termine und weitere Informationen.

Achterbahn der Gefühle – Endstation: Natur

Es ist alles so surreal. Der Frühling drängt sich auf, die Sonne scheint und eigentlich schreit alles nach Leben da draußen. Gleichzeitig passiert gerade was ganz anderes in unserer Welt. Die Straßen in Berlin gleichen einer Geisterstadt. Es riecht nach Angst und Panik. Gleichzeitig ist da aber auch ganz viel Verbundenheit – eine Vorsicht unter den Menschen, ein mitfühlen und sorgen.

Vor einer Woche war meine Welt noch in Ordnung

Es kroch sich ganz langsam in meinen Alltag. Die ersten Menschen sprachen davon. Die ersten waren besorgt: „Dürfen wir uns noch treffen? Dürfen wir uns noch umarmen? Wir müssen jetzt was machen?“ – Zu dem Zeitpunkt habe ich es noch nicht verstanden – oder vielleicht auch nicht wahrhaben wollen. Es waren die ersten Anzeichen von Corona – einem kleinen Virus, der so ganz abstrakt erscheint. Ich wog mich noch in meiner Sicherheit, ich genoss noch meine ersten Erfolge meiner Selbstständigkeit und die ersten „halb“freien Tage nach einer sehr anstrengenden Zeit.

Ich habe mich auf den Frühling gefreut, mir ein rotes langes Kleid gekauft, die Jeansjacke schon aus dem Kleiderschrank geholt und mich schon mit dem ersten Aperol Spritz mit meinen Mädels an der Spree gesehen. Ich war davon überzeugt, dem Genuss wieder mehr Raum in meinem Leben zu geben. Auf meinem Visionboard für dieses Jahr strahlt in der Mitte „Aufblühen und Wachsen“ – und genau das habe ich mir fest vorgenommen. Endlich die Früchte meiner harten Arbeit zu ernten, endlich wieder einen Gang runterschalten nach einer langen Zeit nach Verzicht. Endlich mal wieder Wochenenden, endlich mal wieder Urlaub. So machte ich meine Pläne – zwei Wochen im Sommer und zwei Wochen im Oktober. Es sollte in die Berge gehen – acht Tage mit einer Freundin von Hütte zu Hütte und danach die pure Gönnung. Beim Buchungsklick für das Wellnesshotel im Anschluss des Trekkings musste ich mir lange zureden: „Ja, es ist viel Geld, aber du darfst das jetzt mal genießen, du hast es dir verdient.“ – Klick und ein pures Glückgefühl schoss durch meinen Körper. Oh yes, ich sah

mich schon mit Cappuccino im Garten am Pool liegen und einfach nur im Moment zu sein.

Ich wusste, bis dahin ist es noch eine lange Zeit, bis dahin warten noch etliche Aufträge – und dennoch freute sich mein kleines Kind in mir schon wahnsinnig – als würden Weihnachten und Ostern auf einmal zusammenfallen. Ich habe es geschafft. Ich war stolz auf das, was ich in einem Jahr gewuppt habe. Ich hatte nicht nur die Ziele für das Jahr geschafft, nein, ich hatte teilweise schon meine 3-Jahresziele erreicht.

Stolz bin ich immer noch, aber …

Eine Woche später saß ich dann gestern in dem Zug, um in den Bungalow meiner Mum nach Mecklenburg zu fahren – ich brauche ein Auszeit, Luft zum Atmen und Ruhe, um Klarheit zu gewinnen. Gerade bin ich auch unfassbar dankbar, dass ich diese Möglichkeit jetzt habe, denn in Berlin in meinen eigenen vier Wänden würde ich wohl durchdrehen. Daher danke Mama, dass du gerade so sehr für mich da bist und ich weiß, dass du jetzt diese Zeilen liest.

Auf der Fahrt las ich dann auch auf einmal eine Mail von Paypal. Mein Dad hat mir 100€ geschickt, mit dem Kommentar „Zum Renovieren“. In dem Moment flossen mir die Tränen. Ich war tief berührt und gleichzeitig dachte ich: „Ich darf mir jetzt nicht ins Gesicht fassen und die Tränen wegwischen, du könntest das Virus an den Händen haben“. In dem Moment wurde mir eins bewusst – ich habe in dem letzten Jahr viel mehr erreicht, als ich mir jemals vorgestellt habe, und gleichzeitig stehe ich jetzt hier und habe gefühlt weniger als vor einem Jahr. Schon irgendwie ein Paradox.

7 Tage, die mein Leben komplett verändert haben

Aber zurück auf Anfang. Freitagvormittag kroch auch bei mir langsam die Unruhe hoch – was ist mit deinen Trainings, was ist mit deinen Aufträgen? Ich wusste, dass ich dies nicht mehr verdrängen konnte. Zwei Stunden und ein paar Telefonate später war klar – bis Ende April ist alles abgesagt. Viele Trainings und ein hoher Verlust. – Quasi war ich ab diesem Moment „arbeitslos“.

Nächste Haltestelle: Schock und Verdrängung

Dies war das Startsignal für die Achterbahnfahrt. Erste Haltestelle Schock. Das kann nicht sein. Hilfslosigkeit brach in mir aus. Vor meinen Augen floss all mein Erspartes weg. Das, was ich die letzten drei Jahre zurückgelegt habe, um einen Puffer aufzubauen und Sicherheit zu ermöglichen. Das, wofür ich immer wieder zu meinen Freundinnen „das kann ich mir nicht leisten“ oder „können wir nicht zu Hause selbst kochen“ gesagt habe. Das, wofür immer ein inneres Konto beim Einkaufen im Kopf mitlief und „Nein“ gesagt hat. Von jetzt auf gleich war das in meinem Kopf auf einmal weg.

Ich wollte es aber nicht wahrhaben. Der Schock musste raus, die Stunde beim Crossfit hat aber nicht gereicht. Da war die Frühstückseinladung von guten Freunden am Samstag Balsam für die Seele, sie wollten mich aufbauen. Und am Sonntag begrüßte ich den Frühling mit einer kleinen Radtour – als ginge das Leben weiter und mit Aperol Spritz am Wasser. Ja, ich versuche zu verdrängen. Ich versuchte den Kopf auszuschalten. Es gelang mir auch, aber leider nur für paar Stunden. Oder vielleicht auch zum Glück.

Und weiter zur Einsicht und Akzeptanz

Ich konnte nicht mehr klar denken. Ich wachte morgens mit Kopfschmerzen auf. Und da war noch was in meinem Körper: unfassbare Leere – eine Leere, die ich seit einem Jahr nicht mehr gespürt habe. Und so wurde mir am Montag noch viel mehr bewusst. Nein, ich hatte nicht nur einiges an Geld „verloren“, ich hatte noch viel mehr verloren – gefühlt meine Existenz. Ich liebe meinen Job; ich liebe es, Menschen zusammenzubringen; ich liebe es, Menschen zu bestärken; ich liebe es, Entwicklungen zu unterstützen – das hat mich ausgemacht, das hat meinen Alltag ausgemacht. Ich hätte in dem letzten Jahr nicht so viel erreicht, wenn ich nicht so viel Herzblut und Zeit in mein Business investiert habe. Ich habe für meinen Job gelebt. Aber jetzt war da nichts mehr, wofür ich hätte arbeiten können. Es war also nicht nur das Geld weg, sondern auch mein Sinn. Meine Aufgabe, die mich glücklich macht.

Ja, natürlich gab es auch noch was anderes in meinem Leben, neben dem Job. Meine Freunde. Wie gesagt, ich liebe es mit Menschen zusammen zu sein. Daher habe ich mich gern und viel mit Freunden getroffen. Aber auch das war vorbei – stattdessen war soziale Isolation im Programm und ich merkte schon jetzt, wie sehr ich eine Umarmung vermisse.

Was mir aber auch bewusst wurde, dass ich die Augen nicht mehr davor verschlissen konnte. Mein Leben war weg und es würde so in der Form auch nicht wiederkommen. Der Virus hat die Welt verändert und das hoffen, dass man den nächsten Morgen aufwacht und alles nur ein schlechter Traum war, war auch nicht mehr möglich.

Und ja, genau für solche Situationen und Zeiten bin ich Coach. Genau in solchen Phasen unterstütze ich Menschen und auf einmal befand ich mich auch direkt in dieser Fahrt – in der Fahrt der Veränderung; auch wenn ich eigentlich nicht einsteigen wollte.

Wie sagte Epiktet aber so schön: „Es sind nicht die Dinge an sich, die die Menschen erschüttern, sondern die Sicht auf die Dinge.“

Toll, klingt gut, der Verstand versteht es auch, das Herz aber nicht. Und so stand ich dann in meiner Wohnung und wusste nicht mehr wohin mit mir: In Berlin bleiben? Zu meiner Familie nach Thüringen fahren? Oder doch in den Bungalow nach Mecklenburg? Meine Entscheidung ändert sich im Minutentakt – wie eine Uhr, die immer wieder das Ziffernblatt weiterdreht.

Ich muss hier raus …

Mir wurde aber bewusst, dass ich raus aus Berlin musste – ich brauchte Luft zum Atmen. Ich brauchte Weite anstatt die Aussicht auf die Häuserfassade im zweiten Hinterhof. Es fühlte sich schon jetzt wie ein Gefängnis an.

Als ich die Entscheidung getroffen habe, fühlte es sich frei an und gleichzeitig merkte ich, wie schwer es mir ums Herz wurde. Gefühlt lies ich auch das letzte los, was ich noch aus meinem „alten“ Leben hatte – mein gewohntes Umfeld, meine Wohnung.

So schnürte ich meine Laufschuhe – das tat mir schon immer gut. Ein letztes Mal noch einmal ans Wasser. Kopf ausschalten. Ruhe genießen.

Und dann krochen sie langsam hoch in meinen Kopf – die ersten Ideen. Die ersten Dinge an was Neues. Glücklicherweise bin ich ein Mensch, der sich schnell für etwas begeistern kann und das dann auch immer sofort teilen muss. Mein Glück, denn so musste sich meine Mum meinen Sprudel an Optimismus per Sprachnachricht anhören. – Mein Glück, denn so schnell der Sprudel gekommen ist, ist er auch wieder verschwunden, aber die Sprachnachricht war noch da. Sicher im Chatverlauf. Die Kugel auf der Veränderungskurve zum „Öffnen für Neues“ hatte noch nicht genug Schwung und rollte somit zur Akzeptanz zurück.

Ich brauchte also Ruhe. Klarheit. Neue Energie.

Die Fahrt zu mir …

Und so habe ich mich gestern Vormittag in einem leeren Zugwaggon wiedergefunden. Mit 2 Koffern, einer Tasche und einem riesigen Backpacking-Rucksack. Zumindest mein halbes Bücherregal wollte ich mitnehmen – irgendwie gehört es zu meinem Job und es fühlte sich richtig an, wer weiß, welche Ideen da draußen auf dem Land entstehen. Und als ich in dem Zug saß, wusste ich: „Nie wieder beschwere ich mich über zu volle Züge. Bevor ich so viel Platz für mich allein habe, atme ich lieber Luft ein, die schon hunderte vor mir ein und ausgeatmet haben. Nie wieder möchte ich unter diesen Umständen Zug fahren.“

Drei Stunden später war ich dann angekommen. Der Kühlschrank gefühlt. Die Taschen ausgepackt. Der erste Milchkaffee mit viel Schaum gemacht. – So saß ich dann allein mit mir auf der Terrasse und die Sonne schien, als wäre nichts passiert. Die Vögel zwitscherten. Das Leben ging weiter.

Und so langsam legte sich auch in mir der Sturm. Ich lies mich auf den Gesang der Vögel ein – als wäre es ein Wiegelied, um ein Kind zur Ruhe zu bringen.

Mit dieser Ruhe kam dann auch die Klarheit. Ich konnte das erste Mal in Ruhe auf die letzten Tage zurückblicken und meine Achterbahnfahrt erkennen. In dem Moment musste ich lächeln: „Klasse, so eine richtig schöne Veränderungskurve wie aus dem Bilderbuch. Theorie bestätigt.“ Damit stellte sich bei mir auch das Vertrauen ein, denn nach Schock – Verweigerung – Einsicht – Akzeptanz geht es eigentlich wieder bergauf. Eigentlich, denn mir ist schon klar, dass meine Kugel auf dieser Kurve immer wieder hin und her rollen wird.

Ich bin dankbar…

Und dennoch bin ich auch dankbar. Vielleicht klingt es etwas übertrieben. Ja, ich hätte auch gut und gerne auf diese Viren-Monster verzichten können. Ich habe mein Leben geliebt, aber ich liebe es auch immer noch.

Mir ist aber einiges bewusst geworden:

  • Neben der finanziellen Existenz hat mich die Sinnleere bedroht. Und das heißt, dass ich bisher und auch in Zukunft ein besonders großen Schatz habe: ich mache etwas, was mich wirklich erfüllt. Ich habe in meinem Leben etwas gefunden, was mich wirklich glücklich macht. Allein dieses Wissen ist schon viel Wert.
  • Ich habe für mich erkannt, dass mein Sinn auch jetzt lebt. Ich möchte Menschen zusammenbringen; ich möchte, dass Menschen über sich hinauswachsen. Und genau das passiert gerade in der Krise. Vielleicht nicht unbedingt durch mein aktives Tun, aber durch das Handeln in der Gemeinschaft. Somit fällt es mir gerade auch leichter, dem Schmelzen auf meinem Konto zuzuschauen, denn gleichzeitig weiß ich, dass dies meinem Sinn zugutekommt.
  • Auch wenn meine Teamentwicklungsausbildung und mein eigener Coachingprozess abgesagt wurden, habe ich in den letzten Tagen sehr viel über mich selbst erfahren. Ich habe gelernt, wie stark mich die Existenzfrage immer wieder einholt. Ich habe aber auch gelernt, dass ich in den letzten Jahren persönlich stark geworden bin. Ja, es ist gerade eine beschissene Zeit – dennoch kann ich durch die Selbstführung in mir Halt finden, auch wenn der äußere Halt gerade wegbricht.
  • Und ich weiß jetzt, warum Online an sich nicht mein Ding ist. Es geht mir nicht per se, um das Medium. Mir ist aber ein Bedürfnis meiner Arbeit ganz bewusst geworden. Ich habe mich bisher gegen Onlineangebote gesträubt, weil ich in Trainings und Workshops Wissen nicht doziere. Das ist nicht mein Verständnis von Pädagogik. Vielmehr möchte ich Erfahrungsräume schaffen, wo Menschen sich begegnen und durch Übungen Dinge praktisch erleben können. Reflexion von Erfahrungen ist so viel wichtiger als Theorie. Und momentan sehe ich hier noch Grenzen in der digitalen Umsetzung. Nichtsdestotrotz konnte ich bei einem ersten virtuellen Impulsabend, den ich mit einer Kollegin gegeben habe, erleben, dass dennoch Verbundenheit möglich ist. Und vielleicht ermöglicht die „Distanz“ Menschen sogar, sich mehr zu öffnen, weil sie sich gefühlt, sicherer fühlen. Vielleicht aber auch nicht. Zum Glück sind wir ja alle unterschiedlich.
  • Und es gibt noch einen Punkt. Dieses ist nicht Pessimismus oder ein Fallen lassen – vielmehr ist er für mich Realismus und wahre Begegnung mit mir selbst. Ich sehe, dass ich vieles in den letzten Jahren investiert habe. Und ich bin sehr stolz und dankbar dafür. Ich sehe, dass ich dafür auch auf vieles verzichtet habe – meine Familie hat mich kaum gesehen, ich habe manche Hobbys vernachlässigt, ich habe keine Beziehung. Das war auch immer okay für mich, es war meine Entscheidung und ich wusste auch immer, wofür ich es mache. Auch wenn mir Freunde gerade Mut machen möchten, dass ich es immer wieder schaffen werde, meine Selbstständigkeit aufzubauen, auch wenn ich jetzt alles verlieren würde – weiß ich gerade ganz klar, dass es für mich nicht eine Frage des Könnens ist, sondern des Wollens – eine Frage der Priorität und der Werte.

Das heißt jetzt aber nicht, dass für mich das Buch der Selbstständigkeit geschlossen ist. Momentan befinde ich mich noch im Drama, im Hauptteil – und welches Happy End es geben wird, das wird sich wohl in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Und ich bin mir im Klaren, dass ich dabei als Autorin einen ganz großen Beitrag leisten kann.

Und wenn ich jetzt so auf die Zeilen blicke, war das ganz schön viel für die letzten Tage – in jedem Schlechten liegt wohl auch was Gutes. Und jetzt werde ich erst einmal die Tage hier auf dem Land genießen, zur Ruhe kommen, mir Zeit für mich nehmen und Ideen schmieden – auf unbestimmte Zeit.

Und wenn ich wieder zurück nach Berlin komme, werde ich wohl meine Wohnung noch neu streichen, denn das war zwischendurch eine Ablenkungsidee, die gar nicht mal so schlecht war. Die Wände hätten es nötig – das Geld für die Farbe habe ich ja jetzt, also danke Papa. Und danke Mama, dass du gerade für alle Zoom-Versuche als Testperson zur Verfügung stehst, damit ich meine Online- Ideen auch ausprobieren kann, und gleichzeitig dabei mir auch Mut machst. Danke, dass es euch gibt – an all meine Freunde und meine Familie.

Und damit ich mich hier nicht allzu sehr „einsam“ fühle, übe ich nicht „soziale Distanz“, sondern nur körperliche Distanz aus – daher gebe ich jetzt einmal mit Suanne in der Woche das virtuelle Café der Fragen  oder Online-Mini-Workshops, zumindest solange, bis sie wieder offline stattfinden können. Oder ich zoome mit guten Freunden oder coache online meine Coachees. Es ist halt doch immer eine Frage der Perspektive und aus der Akzeptanz heraus blickt es sich schöner als aus dem Schock.

Was bedeutet Erfolg?

Ein Wort, um das es sich heute bei dem Impulsabend die ganze Zeit gedreht hat. Ein Wort, was gar nicht so leicht in Worte zu fassen ist. Ein Wort, was mich sowohl inhaltlich als auch emotional heute beschäftigt hat. Daher eine kleine Reflexion von mir. Gerade sitze ich auf meiner Couch: glücklich, reflektiert, genährt, traurig, nachdenklich und vielleicht auch ein bisschen wütend – viele Gefühle, die vor allem konträr sind.

Hat Erfolg etwas mit glücklich sein zu tun?

Irgendwie kam das Wort Glück heute immer wieder mit ins Spiel. Sind erfolgreiche Menschen glücklich oder eher glückliche Menschen erfolgreich? Woran messe ich Erfolg und woran erkenne ich Erfolg? Gar nicht so einfach.

Eine mögliche Erklärung heute war die Verbindung mit dem eigenen Sinn. Wenn ich das tue, was mir mein Herz sagt und ich dabei glücklich bin, dann bin erfolgreich. Wenn ich also mein Potential lebe, anstatt dessen Entfaltung im Weg zu stehen. Dann stellt sich auch irgendwie der Erfolg ein.

Eine schöne Erkenntnis war dabei, dass dies auch eine Möglichkeit wäre, daran Erfolg zu messen – nicht am finanziellen, sondern daran, ob ich nach etwas glücklicher bin als vorher. Bringt es mich mehr zu dem, was in mir steckt und was ich leben möchte?

Erfolg ist mehr als Geld und Karriere

Ehrlich gesagt finde ich diesen Gedanken schön, denn er macht die Perspektive auf Erfolg deutlich größer. Eine Frage heute Abend lautete nämlich:

In welchen Lebensbereichen bist du erfolgreich, in welchen weniger?

Wenn wir damit den Blick weiten, gibt es uns auch den Raum mehr anzuerkennen. Denn was ich heute wieder gesehen habe ist, dass es manchen gar nicht so leicht fällt, eigene Erfolge zu benennen.

Was war zum Beispiel für dich persönlich ein großer Erfolg?

Bei dieser Frage kommen oft Antworten wie mein Studium, meine Beförderung, mein neuer Job usw. – ist aber nicht auch das Mutter sein, eine gute Freundschaft, ein 5km Lauf oder die Zeit für ein Hobby zu finden nicht auch ein Erfolg?

Ich glaube, wenn wir den Blick größer machen, können wir mehr Ressourcen erfahren; mehr Stärke für das, was wir tun – denn eins ist klar, umso erfolgreicher ich mich fühle, umso besser kann ich auch mit Misserfolgen einmal umgehen.

Gleichzeitig waltet für mich darin auch eine gewissen Milde. Wenn mir bewusst wird, dass ich gerade in einem Bereich nicht so erfolgreich bin, dafür aber in einem anderen mehr, kann ich dies vielleicht auch besser anerkennen und für mich annehmen. Erfolg ist vielleicht eher wie eine Musik, mit lauten und leisen Töne, hohen und tiefen – und je nachdem, welche Taste ich gerade spiele, erscheint der Ton woanders.

Manchmal hallt der Ton vielleicht noch nach, manchmal wird es aber auch still – und zu akzeptieren, dass dies auch sein darf, weil dafür ein anderer Ton gerade erklingt, der ebenso schön ist, ist ein erster Schritt Erfolg auch zu ermöglichen. Denn darin steckt auch die Erkenntnis, dass ich entscheiden kann, welchen Ton ich anspielen möchte.

Auf welche „Töne“ legst du gerade deinen Fokus und fühlt sich deine Musik gerade stimmig für dich an?

Erfolg hat für mich also auch ganz viel mit wahrnehmen, anerkennen und wertschätzen zu tun.

Und warum fühle ich mich jetzt gerade traurig?

Auf dem Weg nach Hause habe ich lange überlegt, was ich mit diesem Gefühl jetzt anfange; ob ich es schlucke, ob ich es teile oder ob ich einfach für mich Schlussfolgerungen ziehe. In meinem Kopf stecken aber mehr Fragen als Antworten.

Erfolg hat für mich persönlich ganz viel damit zu tun, ob ich mit dem, was ich mache, glücklich bin und ob ich damit auch einen Mehrwert schaffe. – und ja, ich glaube ich konnte heute Abend für ein paar Menschen einen Raum schaffen, in dem sie sich gegenseitig zum Zuhören, Wahrnehmen und Anerkennen inspirieren konnten, in dem jeder für sich irgendwie eine Frage, einen Impuls oder eine Erkenntnis mitnehmen konnte. – Demnach war ich also glücklich und damit auch erfolgreich.

Gleichzeitig ist da aber auch noch ein anderes Gefühl, denn von den angemeldeten 15 Teilnehmern kamen genau 6 Personen. – Ja, mit dieser traurigen Bilanz rechne ich schon fast immer und dennoch nimmt es nicht diesen faden Beigeschmack.

Ich stelle jedes Mal 15 Stühle hin, kaufe Snacks für 15 Personen, koche Tee, räume genügend Geschirr hin, drucke 15 Arbeitsblätter aus und warte. Warte auch noch ein paar Minuten nach Beginn, um vielleicht Verspäteten die Chance zu geben, an dem Abend teilnehmen zu können.

Das bedeutet für mich nicht nur vom Herzen geben, sondern auch eine Investition von Zeit, ein Verbrauch von Ressourcen und ein Nicht-Wertschätzen von anderen, die pünktlich kommen oder gern kommen wollten, aber keinen Platz mehr bekommen haben.

Genau das stimmt mich traurig – diese Mentalität „ich sichere mir mal eine Liege und schaue dann, ob ich überhaupt den Platz in der Sonne möchte“. Und genau dieses Gefühl hatte ich heute Abend wieder. Es macht mich aber nicht nur traurig, sondern auch nachdenklich. Ist das ein Spiegel unserer Gesellschaft? Denn dieses Phänomen begegnet mir nicht nur bei meinem Impulsabend, sondern auch bei den Anmeldungen im Sportkurs, wo dann nur die Hälfte erscheint, oder bei den E-Rollern, die überall auf der Straße liegen – was mich nichts „kostet“, muss ich auch nicht wertschätzen.

Bedeutet dies für mich, dass ich ab sofort für solche Abende ein Geld nehmen muss, um die Wertschätzung zu „erziehen“? um ein Commitment zu erreichen? Das ist eigentlich nicht meine Haltung, schließlich will ich mit Herz diesen Raum gestalten und die Möglichkeit für Austausch geben.

Gleichzeitig merke ich für mich, dass die Balance von Wertschätzung für sich nicht mehr stimmig anfühlt – meine Musik ist gerade eher eine Dissonanz als Konsonanz.

Ich habe heute Abend nicht an einem Austauschabend meiner momentanen Weiterbildung teilnehmen können, weil ich dieses Termin vergessen hatte und dann schon den Impulsabend geplant habe – ich habe aber dann darauf „verzichtet“. Ich habe eine Einladung zum Handballspiel heute Abend ausgeschlagen, weil der Impulsabend da in meinem Kalender stand. Und ich habe meinem inneren Bedürfnis nach Ruhe und Erholung trotz Erschöpfung und Krank sein nicht nachgegeben, weil ich dachte, dass 15 Personen sich extra den Abend Zeit nehmen – dem wollte ich mit Wertschätzung begegnen. Schließlich ist es für mich ein Commitment.

Wo zeigt sich aber bei uns momentan in der Gesellschaft Wertschätzung? Was bedeutet Commitment noch? – Ist es Commitment, wenn ich irgendwas like, mich irgendwo anmelde oder was braucht es dafür? Wo verschwimmen die Grenzen?

Das sind Fragen, die mich gerade beschäftigen. Ich glaube immer an das Gute im Menschen; dass eine Straßenbahn ausgefallen ist, ein Kind krank wurde, eine Deadline auf Arbeit noch anstand, man einfach den Abend trotz Reminder vergessen hat – und dennoch glaube ich, dass eine „Sorry, ich schaffe es heute nicht“ – Mail schon Wertschätzung sein kann.

Braucht es also einen finanziellen Wert, damit Dinge und Handlungen Wertschätzung erfahren? Wie soll ich weitergehen?

Im Herzen daran glauben, dass es sich finden wird und dem Ganzen vertrauen – also einen Vorschuss an Wertschätzung zahlen, weil es dann irgendwie zurückkommt. Oder soll ich umdenken und andere Wege einschlagen.

Vielleicht finden sich Antworten darauf, vielleicht auch nicht. Ich werde auf jeden Fall noch ein paar Tage für mich warten, bis ich den nächsten Abend einstelle, den ich eigentlich schon geplant habe; denn vielleicht braucht es gerade woanders den Erfolg – in meiner Freizeit, in meinen Beziehungen.

„Warum fällt es uns schwer, uns etwas Gutes zu tun?“

Im Dezember habe ich von Sarah von https://neugierigauf.de/ die Anfrage bekommen, ob ich zu dem Thema „Warum fällt es uns schwer, uns etwas Gutes zu tun?“ einen Blogbeitrag schreiben kann. Ich dachte sofort: „Das ist mein Thema. Na klar.“ – und dann merkte ich, dass es doch nicht so einfach war, ein paar Zeilen zu schreiben.

Keine Zeit. Keine Gedanken.

Und so verging ein Tag nach dem anderen. Es wurde Januar – die Zeit rannte und mein Kurzurlaub mit anschließender Weiterbildung in Österreich stand vor der Tür – aber es gab immer noch kein einziges Wort auf dem Papier. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, denn schließlich hatte ich versprochen, den Artikel bis Ende Januar zu schicken – die Erinnerungsmail flog auch schon in mein Postfach.

Aber da war ja noch die lange Zugfahrt und sowieso: Zugfahrten sind immer sehr inspirierend. Also malte ich mir vor meinem inneren Auge schon das Bild aus – ein leckerer Cappuccino, die vorbeiziehenden Berge und dann das meditative Klicken auf meiner Tastatur.

Ich freute mich darauf.

Die Zugfahrt – ein Weckruf an meine Selbstfürsorge

Doch dann kam alles anders. Bis München hatte ich es endlich geschafft, die übrig gebliebenen Mails abzuarbeiten– aber hey, es lagen noch gute zweit Stunden vor mir. Die Bergkulisse war nun auch da, der Schnee funkelte, mehr braucht es ja jetzt nicht mehr. Aber das meditative Klickgeräusch blieb aus – worüber sollte ich schreiben?

Ich wälzte meine Gedanken, schaute aus dem Fenster und merkte, dass nichts in meinen Kopf war – die letzten Tage waren genauso an mir vorbei gerauscht wie die Bergkulisse nun an meinem Fenster. Irgendwie hatte ich es auch immer noch nicht realisiert, dass ich am nächsten Tag auf der Skipiste stehen würde, obwohl ich doch auf dem Weg zum Bahnhof deutlich das Gewicht der Skistiefel im Koffer gemerkt hatte.

In dem Moment fiel es mir ein: „Warum fällt es mir schwer, mir Gutes zu tun?“ – Ich wusste ganz genau, was das „Gute“ nun wäre – Musik anmachen, aus dem Fenster schauen und genießen – einfach mal nichts tun. Ich wollte mich auf den Urlaub einstimmen und nicht bis zur letzten Minute, um dann gehetzt aus dem Zug zu springen und das erste Mal im Hotelzimmer durchzuatmen. Nein, das war nicht meine Vorstellung von Urlaub.

Dennoch haderte ich. Das schlechte Gewissen drang sich auf, die Erwartungen lagen wie gefühlte 100kg auf meinen Schultern – was ist, wenn ich den Beitrag jetzt nicht schicke? Sie hatte ja damit gerechnet. Und müsste ich mir nicht gleichzeitig selbst eingestehen, dass ich es nicht geschafft habe?

Der Weg zur Selbstfürsorge

Ja, unsere eigenen Erwartungen an uns selbst und von anderen können ganz schöne Saboteure sein, wenn es um die Selbstfürsorge geht. Sie hindern uns daran, für uns eine Grenze zu ziehen und damit die eigene Balance zu finden.

Was ist aber das schlimmste, was passieren kann?

Ich entschied, der Artikel kann warten – was nicht warten kann, ist meine Selbstfürsorge. Ich schrieb noch eine kurze Mail, dass ich den Artikel nicht geschafft habe, klappte den Laptop zu und ließ mich in meinen Sitz fallen. Ich atmete tief. Einmal, zweimal, dreimal und erst dann realisierte ich, wo ich gerade war – auf dem Weg in den Skiurlaub. Seit drei Jahren war ich nicht mehr Skifahren und auf einmal konnte ich mich wie ein kleines Kind freuen. Unglaublich, dass ich mir diese Vorfreude fast genommen hätte. Ich starrte aus dem Fenster, war ganz fasziniert von den Bergen und fühlte einfach nur noch dieses Gefühl von „Nach Hause kommen“.

Warum fällt es uns also schwer?

In all der Hektik des Alltags finden wir meist gar nicht die Zeit, kurz innezuhalten und zu schauen, was wir eigentlich gerade brauchen. Wir erkennen unsere Bedürfnisse gar nicht – aber ist nicht das der erste Schritt, um uns überhaupt was Gutes tun zu können?

Und wenn wir dann doch mal einen klitzekleinen Moment gefunden haben, an uns zu denken und zu überlegen, was wir eigentlich brauchen – wartet da schon eine kleine Armee an Saboteuren, die ihren Job wirklich gut machen. Schließlich sollen wir uns nicht „von den wirklich wichtigen Dingen“ im Leben ablenken lassen – wir sollen ja stark sein, performen und allem gerecht werden.

Dennoch darf der andere Gedanken auch mal aufkeimen und blühen – neben der Stärke dürfen wir auch schwach sein, neben der Leistung darf auch mal Entspannung stehen, neben dem „für andere“ darf auch mal „für mich“ stehen, denn nur, wer selbst Kraft und Energie hat, kann sie auch an andere abgeben.

Ich glaube, ich hätte vermutlich auch noch die restlichen zwei Stunden uninspiriert auf das weiße Blatt auf meinem Laptop gestarrt, die Worte wären nicht geflossen. Stattdessen brauchte ich genau diese Erfahrung, um diese Worte zu finden.

Meine Selbstfürsorge – mein Isolierband

Also habe ich mir im Urlaub ganz viel Selbstfürsorge geschenkt. Der Laptop blieb im Koffer. Stattdessen hüllte ich mich nach der Skipiste in meinen Bademantel und las ein Buch und da es meiner Meinung nach keine Zufälle gibt, war es genau das Richtige, denn ich habe eine schöne Metapher darin gefunden. In dem Buch „Auszeit im Café am Rande der Welt“ teilt John Strelecky mit uns ein wunderschönes Bild. Wenn man zwei Rohre miteinander verbindet, braucht es Isolierband, damit später kein Wasser austritt. Das Isolierband ist nur ein kleines Detail, welchem wir nicht allzu viel Bedeutung schenken. Gibt es dieses Isolierband aber nicht, wird immer ein wenig Wasser austreten, so dass die Verbindung irgendwann nicht mehr dicht ist. Mit jedem Tropfen verliert das System etwas an Ressource.

Genauso ist es auch in unserem Leben – jeder von uns braucht ein „Isolierband“ – ein Isolierband, dass unsere Energie aufrecht erhält, damit wir in Verbindung mit anderen Menschen bleiben können. Bei dem einen ist es vielleicht der wöchentliche Sportkurs, bei dem anderen der tägliche Spaziergang mit dem Hund – egal, was es auch ist, es ist wichtig, dass dieses Isolierband nicht in Vergessenheit gerät.

Mein Isolierband war in diesem Moment die Bewegung an der frischen Luft und die wirkliche Auszeit. Im Alltag ist es mein Sport und Yoga. – Kennst du dein Isolierband?

Was ich dir mitgeben möchte…

Weil ich selbst immer wieder merke, dass ich die Selbstfürsorge immer wieder vergesse, hier noch ein paar konkrete Tipps für dich.

  1. Mache dir immer wieder deine eigenen Bedürfnisse bewusst.
    Bei mir war diesmal der Blick aus dem Zugfenster der Weckruf – ich bin dankbar dafür. Achte darauf, dass du auch immer wieder im Alltag solche Weckrufe hast, z.B. durch ein Dankbarkeitstagebuch, Achtsamkeitsübungen.
  2. Frage dich „Was ist das Schlimmste, was passieren kann?“
    Und lerne dann auch mal Nein zu sagen – denn jedes Nein ist gleichzeitig auch ein Ja.
  3. Plane dir schon rechtzeitig deine Auszeiten ein.
    Ich habe regelmäßige Blocker, die mit „ICH“ gekennzeichnet sind.
  4. Inspiriere dich selbst.
    Manchmal fällt es uns dann gar nicht so leicht, etwas Gutes zu tun, wenn wir mal Zeit haben. Daher habe ich mir letztes Jahr eine Inspirationsliste für den Sommer geschrieben. Es war für mich nicht eine to-do-Liste, die ich abhaken musste. Vielmehr war es für mich eine Erinnerungshilfe im hektischen Alltag an die Dinge, die mir neben all meinen Aufgaben auch noch Spaß machen – Freiluftkino, Rennrad fahren, SUP. Und tatsächlich habe ich letzten Sommer viel mehr solche Dinge spontan unternommen und dadurch die Tage auch bewusster wahrgenommen. Wonach sehnst du dich in den nächsten Monaten, woran möchtest du dich immer wieder erinnern?

Ein Jahr wie eine Welle.

Gerade ist noch der 01.01.2019 – wir wachen ein wenig matt auf, blinzeln mit den Augen und entscheiden uns für einen entspannten Gammeltag auf der Couch und plötzlich finden wir uns im Supermarkt zwischen den Lebkuchen-Ständen wieder. Wo ist nur das Jahr geblieben? Es rauscht dahin – ohne uns oder mit uns? – Zeit für eine Reflexion.

Auf einmal war er wieder da …

… der Monat Dezember. Gerade war es noch Sommer und plötzlich ist es schon Weihnachten. Wie kann das eigentlich jedes Jahr immer wieder so schnell kommen?

Eigentlich habe ich auch jedes Jahr das Gefühl, dass es noch schneller kommt, obwohl ich mir doch jedes Jahr aufs Neue im Januar vornehme, dass es diesmal ganz anders ist. – Und ganz rational betrachtet, ist es jedes Jahr genauso gleich schnell oder gleich langsam.

Um mich diesem Gefühl aber nicht einfach so hinzugeben und mich mit der Zeit mitreißen zu lassen, lege ich im Dezember immer bewusst einen Moment der Reflexion ein.

Was war eigentlich gut dieses Jahr? Was hat mich vielleicht aber auch frustriert? Was möchte ich mit ins neue Jahr nehmen und was lieber in diesem Jahr noch loslassen?

Dieses Jahr habe ich das erste Mal versucht, das Jahr mithilfe eines Bildimpulse zu reflektieren. Dafür durften die Teilnehmer*innen meiner Reflexions-Veranstaltungen sich eine Karte ziehen, die sie in Hinblick auf das Jahr 2019 emotional anspricht. Und ich konnte mir diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und griff selbst zu.

Die Welle – Veränderung und Energie.

Als ich die Karte gezogen habe, war mein erster Gedanke „Ja natürlich, bei mir hat sich vieles verändert, immer wieder die Form geändert, vielleicht auch die Richtung. Manchmal wurde die Welle ein wenig größer, manchmal wieder kleiner, manchmal ist sie auf ein Hindernis gestoßen, um sich dann wieder einen Weg zu suchen.“ – Das Bild hat mir verdeutlicht, dass alles im Fluss war und ist. Nichts hat wirklich bestand und man muss es loslassen, damit es fließen kann. Wenn sich eine Tür geschlossen hat, hat sich irgendwo ganz unerwartet eine andere geöffnet. – Dies passte auch sehr schön zu meinem Wort des Jahres 2019, welches ich mir immer als Begleiter zu Beginn eines neuen Jahres auswähle. Vertrauen, auf das, was kommt.

Okay, soweit so gut. Meine Teilnehmer*innen und ich mussten aber jeweils drei Minuten zu diesem Bild reden. Weshalb habe ich es mir vielleicht noch genommen? Weshalb hat es mich angesprochen?

Da wurde mir bewusst, dass es auch für meine Energie steht. – Die Natur ist ein Kraftort für mich. Das Meer oder das Wasser war und ist im Alltag immer wieder ein Ort für mich, den ich aufsuche, wenn gerade im Inneren bei mir die Wellen wüten; wenn ich die Sehnsucht nach Ruhe und Klarheit habe. Dann nehme ich mir meine Schuhe und laufe zu „meiner Bucht“. Für mich ist der Blick auf das Wasser und die Weite wie eine Meditation – auf einmal wird es ganz still in meinem Kopf. Und tatsächlich war ich dieses Jahr dreimal am Meer – und die Zeitpunkte sind im Rückblick sehr spannend: im April, kurz nach der Kündigung meines Jobs; im Juni, kurz vor meinem 30. Geburtstag und im November ganz spontan, als ein Auftrag gerade abgesagt wurde und ich nach vielen unterwegs sein mal durchatmen konnte. Es waren immer Zeitpunkte, an denen ich Zeit für mich brauchte und meine Akkus geladen werden wollten.

Und wenn ich meine Gedanken jetzt so schreibe, kommt mir dabei auch noch ein dritter Impuls – die Welle ist ein Phänomen, die ein System abbildet – ein System aus Wasser, Wind und Boden. Ein einzelner Impuls allein genügt nicht, es hängt auch von dem Untergrund und den Hindernissen ab (ja, ich war ja mal Geographielehrerin). Auch wenn ich Impulse nach draußen gebe, braucht es dort etwas, worauf ich stoßen kann. Unsere Handlungen sind immer im System zu sehen. Wenn manches nicht klappt, dann liegt es nicht unbedingt an uns – vielleicht ist es nicht der richtige Ort, nicht die richtige Zeit oder nicht die richtigen Adressaten. Wirkungen entstehen immer in Abhängigkeiten. Es sind nicht nur wir allein, sondern das System.

Das heißt aber auch, dass wir vielleicht zunächst unsere Wirkung unterschätzen, da wir das System nicht im Blick haben – denke daran, so klein ein Impuls auch sein mag, manchmal kann er eine große Wirkung haben – im positiven und negativen Sinne.

Mein weiteres Resümee

Mir persönlich tat es so gut, nochmal die einzelnen Monate gedanklich durchzugehen und zu schauen, was eigentlich alles passiert ist. Oft bleiben die Erinnerungen bei den Dingen hängen, die nicht geklappt hat – ein Großprojekt, welches im November erst einmal gestoppt wurde; ein Seminar, was nicht stattfinden konnte oder die Sehnsucht nach einem großen Backpacking-Urlaub, den ich schon mehrere Jahre nicht mehr machen konnte.

Ja, das war alles da; und gleichzeitig war doch noch viel anderes: die kleinen Auszeiten im Alltag von SUP mit Freunden, Kanu fahren auf der Spree oder die kleinen Rennradtouren, die ich mir immer wieder mal bewusst vorgenommen habe; mein Geburtstagstrip nach Kopenhagen, der wundervoll war; der Klimmzug, den ich dann doch ganz unerwartet geschafft habe; oder die unzähligen Gespräche mit Freunden, die mir immer wieder das Gefühl von nach Hause kommen schenken.

All diese kleinen Momente möchte ich auch in das nächste Jahr mitnehmen, es gibt auch Dinge, die ich gern in 2019 zurücklassen möchte, und es gibt Dinge, die noch kommen dürfen – ich sehne mich nach einem schönen Büro, wo ich mit anderen gemeinsam Ideen entwickeln und coachen kann; einen größeren Urlaub und endlich mal ein Bulli-Wochenende am See.

Daher soll mich nächstes Jahr auch das Wort „Genuss“ als Erinnerungshilfe begleiten – ich habe die letzten Jahre viel investiert, viel gearbeitet und zugunsten von Ausbildungen auch auf manches verzichtet. Ich bereue davon nichts, es war alles wertvolles; dennoch möchte ich mir in 2020 erlauben, auch einfach mal loszulassen, mir was zu gönnen – auch wenn ich weiß, dass es mir an der ein oder anderen Stelle schwer fallen wird.

Genau deshalb werde ich dieses Jahr auch wieder über die Feiertage ein Visionboard gestalten, das mir dieses Jahr immer wieder vor Augen geführt hat, wofür ich in meinem Leben Platz machen möchte, was mir wichtig ist und woran ich glauben möchte. Ja – nicht alles, was ich vor einem Jahr darauf geklebt habe, ist so passiert, zum Beispiel ist die Bulli-Fahrt immer noch offen, aber das Grundgefühl passt. Es geht auch nicht immer darum, dass dann alles so geschehen muss; für sich aber erst einmal bewusst zu machen, in welche Richtung man steuern möchte, kann schon so viel Klarheit und Zufriedenheit geben.

Daher mein Impuls für dich:

Nimm dir in Ruhe Zeit und schaue auf dein Jahr zurück: Worauf bist du stolz? Was hat dich vielleicht aber auch frustriert? Was möchtest du mitnehmen, was lieber nicht? Du findest hier auch ein Reflexionsjournal als Hilfe.

Schreibe deine Gedanken dazu auf, manchmal wird uns dann noch viel mehr bewusst, wenn wir es in konkrete Worte fassen „müssen“.

Gestalte dir dein eigenes Visionsboard als Erinnerungshilfe für das nächste Jahr. Was genau das ist und wie du dabei vorgehen kannst, findest du in diesem Blogbeitrag von mir.

Ich wünsche dir eine wundervolle Weihnachtszeit und ich freue mich sehr auf ein inspirierendes Jahr 2020.