Gerade ist noch der 01.01.2019 – wir wachen ein wenig matt auf, blinzeln mit den Augen und entscheiden uns für einen entspannten Gammeltag auf der Couch und plötzlich finden wir uns im Supermarkt zwischen den Lebkuchen-Ständen wieder. Wo ist nur das Jahr geblieben? Es rauscht dahin – ohne uns oder mit uns? – Zeit für eine Reflexion.

Auf einmal war er wieder da …

… der Monat Dezember. Gerade war es noch Sommer und plötzlich ist es schon Weihnachten. Wie kann das eigentlich jedes Jahr immer wieder so schnell kommen?

Eigentlich habe ich auch jedes Jahr das Gefühl, dass es noch schneller kommt, obwohl ich mir doch jedes Jahr aufs Neue im Januar vornehme, dass es diesmal ganz anders ist. – Und ganz rational betrachtet, ist es jedes Jahr genauso gleich schnell oder gleich langsam.

Um mich diesem Gefühl aber nicht einfach so hinzugeben und mich mit der Zeit mitreißen zu lassen, lege ich im Dezember immer bewusst einen Moment der Reflexion ein.

Was war eigentlich gut dieses Jahr? Was hat mich vielleicht aber auch frustriert? Was möchte ich mit ins neue Jahr nehmen und was lieber in diesem Jahr noch loslassen?

Dieses Jahr habe ich das erste Mal versucht, das Jahr mithilfe eines Bildimpulse zu reflektieren. Dafür durften die Teilnehmer*innen meiner Reflexions-Veranstaltungen sich eine Karte ziehen, die sie in Hinblick auf das Jahr 2019 emotional anspricht. Und ich konnte mir diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und griff selbst zu.

Die Welle – Veränderung und Energie.

Als ich die Karte gezogen habe, war mein erster Gedanke „Ja natürlich, bei mir hat sich vieles verändert, immer wieder die Form geändert, vielleicht auch die Richtung. Manchmal wurde die Welle ein wenig größer, manchmal wieder kleiner, manchmal ist sie auf ein Hindernis gestoßen, um sich dann wieder einen Weg zu suchen.“ – Das Bild hat mir verdeutlicht, dass alles im Fluss war und ist. Nichts hat wirklich bestand und man muss es loslassen, damit es fließen kann. Wenn sich eine Tür geschlossen hat, hat sich irgendwo ganz unerwartet eine andere geöffnet. – Dies passte auch sehr schön zu meinem Wort des Jahres 2019, welches ich mir immer als Begleiter zu Beginn eines neuen Jahres auswähle. Vertrauen, auf das, was kommt.

Okay, soweit so gut. Meine Teilnehmer*innen und ich mussten aber jeweils drei Minuten zu diesem Bild reden. Weshalb habe ich es mir vielleicht noch genommen? Weshalb hat es mich angesprochen?

Da wurde mir bewusst, dass es auch für meine Energie steht. – Die Natur ist ein Kraftort für mich. Das Meer oder das Wasser war und ist im Alltag immer wieder ein Ort für mich, den ich aufsuche, wenn gerade im Inneren bei mir die Wellen wüten; wenn ich die Sehnsucht nach Ruhe und Klarheit habe. Dann nehme ich mir meine Schuhe und laufe zu „meiner Bucht“. Für mich ist der Blick auf das Wasser und die Weite wie eine Meditation – auf einmal wird es ganz still in meinem Kopf. Und tatsächlich war ich dieses Jahr dreimal am Meer – und die Zeitpunkte sind im Rückblick sehr spannend: im April, kurz nach der Kündigung meines Jobs; im Juni, kurz vor meinem 30. Geburtstag und im November ganz spontan, als ein Auftrag gerade abgesagt wurde und ich nach vielen unterwegs sein mal durchatmen konnte. Es waren immer Zeitpunkte, an denen ich Zeit für mich brauchte und meine Akkus geladen werden wollten.

Und wenn ich meine Gedanken jetzt so schreibe, kommt mir dabei auch noch ein dritter Impuls – die Welle ist ein Phänomen, die ein System abbildet – ein System aus Wasser, Wind und Boden. Ein einzelner Impuls allein genügt nicht, es hängt auch von dem Untergrund und den Hindernissen ab (ja, ich war ja mal Geographielehrerin). Auch wenn ich Impulse nach draußen gebe, braucht es dort etwas, worauf ich stoßen kann. Unsere Handlungen sind immer im System zu sehen. Wenn manches nicht klappt, dann liegt es nicht unbedingt an uns – vielleicht ist es nicht der richtige Ort, nicht die richtige Zeit oder nicht die richtigen Adressaten. Wirkungen entstehen immer in Abhängigkeiten. Es sind nicht nur wir allein, sondern das System.

Das heißt aber auch, dass wir vielleicht zunächst unsere Wirkung unterschätzen, da wir das System nicht im Blick haben – denke daran, so klein ein Impuls auch sein mag, manchmal kann er eine große Wirkung haben – im positiven und negativen Sinne.

Mein weiteres Resümee

Mir persönlich tat es so gut, nochmal die einzelnen Monate gedanklich durchzugehen und zu schauen, was eigentlich alles passiert ist. Oft bleiben die Erinnerungen bei den Dingen hängen, die nicht geklappt hat – ein Großprojekt, welches im November erst einmal gestoppt wurde; ein Seminar, was nicht stattfinden konnte oder die Sehnsucht nach einem großen Backpacking-Urlaub, den ich schon mehrere Jahre nicht mehr machen konnte.

Ja, das war alles da; und gleichzeitig war doch noch viel anderes: die kleinen Auszeiten im Alltag von SUP mit Freunden, Kanu fahren auf der Spree oder die kleinen Rennradtouren, die ich mir immer wieder mal bewusst vorgenommen habe; mein Geburtstagstrip nach Kopenhagen, der wundervoll war; der Klimmzug, den ich dann doch ganz unerwartet geschafft habe; oder die unzähligen Gespräche mit Freunden, die mir immer wieder das Gefühl von nach Hause kommen schenken.

All diese kleinen Momente möchte ich auch in das nächste Jahr mitnehmen, es gibt auch Dinge, die ich gern in 2019 zurücklassen möchte, und es gibt Dinge, die noch kommen dürfen – ich sehne mich nach einem schönen Büro, wo ich mit anderen gemeinsam Ideen entwickeln und coachen kann; einen größeren Urlaub und endlich mal ein Bulli-Wochenende am See.

Daher soll mich nächstes Jahr auch das Wort „Genuss“ als Erinnerungshilfe begleiten – ich habe die letzten Jahre viel investiert, viel gearbeitet und zugunsten von Ausbildungen auch auf manches verzichtet. Ich bereue davon nichts, es war alles wertvolles; dennoch möchte ich mir in 2020 erlauben, auch einfach mal loszulassen, mir was zu gönnen – auch wenn ich weiß, dass es mir an der ein oder anderen Stelle schwer fallen wird.

Genau deshalb werde ich dieses Jahr auch wieder über die Feiertage ein Visionboard gestalten, das mir dieses Jahr immer wieder vor Augen geführt hat, wofür ich in meinem Leben Platz machen möchte, was mir wichtig ist und woran ich glauben möchte. Ja – nicht alles, was ich vor einem Jahr darauf geklebt habe, ist so passiert, zum Beispiel ist die Bulli-Fahrt immer noch offen, aber das Grundgefühl passt. Es geht auch nicht immer darum, dass dann alles so geschehen muss; für sich aber erst einmal bewusst zu machen, in welche Richtung man steuern möchte, kann schon so viel Klarheit und Zufriedenheit geben.

Daher mein Impuls für dich:

Nimm dir in Ruhe Zeit und schaue auf dein Jahr zurück: Worauf bist du stolz? Was hat dich vielleicht aber auch frustriert? Was möchtest du mitnehmen, was lieber nicht? Du findest hier auch ein Reflexionsjournal als Hilfe.

Schreibe deine Gedanken dazu auf, manchmal wird uns dann noch viel mehr bewusst, wenn wir es in konkrete Worte fassen „müssen“.

Gestalte dir dein eigenes Visionsboard als Erinnerungshilfe für das nächste Jahr. Was genau das ist und wie du dabei vorgehen kannst, findest du in diesem Blogbeitrag von mir.

Ich wünsche dir eine wundervolle Weihnachtszeit und ich freue mich sehr auf ein inspirierendes Jahr 2020.

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