Was hindert mich eigentlich?

Ich sitze auf meiner Couch mit guter Musik und Käsewürfel, nur der Rotwein fehlt – dafür gibt es aber die komplette Wundertüte der Gefühle – Erfüllung, Melancholie, Leere, Hoffnung. Und irgendwie auch ein Gefühl des Vertrauens können, der Neugier.





Vor drei Wochen hätte ich noch nicht gedacht, dass ich jetzt hier so sitzen würde, und in drei Wochen wäre ich jetzt eigentlich woanders, wo ich jetzt nicht sein werde – etwas, auf was ich mich so sehr gefreut habe: Freundinnenzeit bei einem Konzert, weil ich es mir endlich wieder gönnen wollte, weil der Genuss und die Leichtigkeit wieder mehr Raum in meinem Leben bekommen sollte. Stattdessen klingen jetzt die Lieder der Band aus meinem Lautsprecher – irgendwie ist das schon eine gewisse Art der Selbstzerstörung, denn die Vorstellung, dass ich das Konzert jetzt nicht erleben werde, tut weh. Was kommt aber stattdessen? Wofür ist jetzt Raum? Ich weiß es nicht.



Zeit der Veränderung

Es hat sich so vieles in den letzten Tagen geändert, vieles ist gegangen und für vieles ist ein Raum entstanden – nicht alles wollte ich davon in mein Leben lassen, es hat sich aber einfach so eingenistet, ohne zu fragen – die Verzweiflung, der Frust, die Traurigkeit, die Hilflosigkeit. Es ist aber auch vieles in den Raum gekommen, womit ich vorher nicht gerechnet habe, was mich jetzt aber erfüllt – sei es das Experimentieren mit Digitalen Medien; die Erfahrung zu machen, dass Verbundenheit entstehen kann, auch wenn man sich nicht „real“ begegnet oder die Erfahrung an Grenzen gebracht zu werden und es auszuhalten.


Ein wunderschöner, neuer Platzhalter ist das virtuelle Café der Fragen, welches ich heute zum dritten Mal mit meiner Kollegin Susanne Schwarz durchgeführt habe. Wir hatten unseren Auftakt für dieses gemeinsame Event in Berlin im Februar – der Plan war es, dieses alle vier bis sechs Wochen in Berlin irgendwo erscheinen zu lassen – Raum für Impulse und Inspiration.


Und dann kam alles anders. Das nächste Event musste schon virtuell stattfinden, womit ich im Vorfeld wirklich Bauchschmerzen hatte, denn bisher war in meinem Kopf Verbundenheit ganz eng an reale Begegnungen gebunden – und genau das möchte ich doch mit meiner Arbeit ermöglichen – in Kontakt mit sich selbst und mit anderen zu kommen.


Und ich musste lernen, mein Bild im Kopf zu ändern – es ist möglich, es ist vielleicht anders, aber es ist möglich. Heute hatten wir nun schon das dritte virtuelle Café, denn nach dem ersten Mal war uns klar, dass wir es jetzt jede Woche durchführen – für uns und für andere.

Jeder Teilnehmer erhält eine Frage – eine Frage zum Sinn des Lebens und erhält die Zeit und den Raum, darüber nachzudenken, Gedanken zu teilen und hineinzuspüren. Und genau das macht was mit uns - zum einen mit uns selbst, allein weil wir laut darüber reden, und zum anderen tmden anderen, weil es bei ihnen etwas auslöst. Genau das möchten wir dann auch mitgeben – was hat es bei mir ausgelöst – es ist ein Geschenk eine fremde Wahrnehmung zu erhalten.


Und es ist immer wieder schön, immer wieder berührend, immer wieder inspirierend – immer wieder ein Gedankenanstoß, auch nach dem „Treffen“ weiter zu denken.

Gleichzeitig wollte ich auch mal eine Frage erhalten – auch in den Zauber der „magischen“ Frage, die auf einmal erscheint, eintauchen. Daher ziehen Susanne und ich seit dem letzten Mal danach selbst noch eine Frage und wir wissen, es kommt immer die „richtige“ Frage zu einem.



Die richtige Frage

„Was hindert dich daran, schon jetzt so zu sein, wie du später sein möchtest?“

In dem Moment fand ich dann die Worte, die ich in den letzten Tagen so oft gedacht, gesagt und auch beweint habe: „Ich will mein altes Leben zurück – ich war so glücklich. Mein Business lief. Ich war dankbar für meine Freundschaften. Ich hatte endlich wieder eine Art dynamische Balance von Arbeit und Freizeit gefunden. Ich war verdammt glücklich. So glücklich, dass ich Anfang März noch die Angst hatte, dass das Kartenhaus zusammenfallen könnte.“ – Und jetzt: Das Kartenhaus ist kaputt.


Gleichzeitig merkte ich auch, dass ich das Leben wieder haben möchte, was noch kommen sollte: all die schönen Aufträge und Seminare, die auf mich gewartet haben, das Konzert, mein Urlaub in den Bergen, den ich mir nach drei Jahren endlich mal wieder gönnen wollte, meine Ausbildungen. Auch diese Seifenblase ist gerade zerplatzt.


Was hindert mich also daran, so zu sein, wie ich später sein möchte? – Nein, es ist nicht Corona. Nein, es sind nicht die Umstände. Nein, es ist nicht die Ungewissheit.


Vielmehr habe ich in den letzten Tagen gemerkt, dass ICH es immer selbst bin. Es ist mein Kopf – mein Kopf, der träumt und kreiert; mein Kopf, der ganz viele Ideen spinnt und sich für vieles schon begeistert. Mein Kopf, der oft in der Vergangeheit ist und gleichzeitig auch in der Zukunft. 


Ich bin so dankbar für diese Kreativität, für all die Impulse und für meine wahnsinnige Vorstellungskraft, denn dadurch konnte ich in den letzten Tagen so viel entwickeln, so viel gestalten und Neues entdecken – Onlinetools ausprobieren, neue Produkte entwickeln und mir ein neues „Luftschloss“ aufbauen.


Aber bekannter Weise gibt es immer zwei Seiten einer Medaille – genau diese Kreativität, Impulse und Vorstellungskraft lassen Pläne und Vorfreude bei mir entstehen – sie geben mir Struktur, sie geben mir Halt und sie geben mir ein Ziel, welches mich so sehr antreibt, welches mir Energie schenkt.


Es raubt mir aber auch Energie, es steht mir auch im Weg – und gerade jetzt spüre ich dies. Meine Offenheit für Neues und mein Verliebtsein in meine Pläne konkurrieren miteinander.


Und es ist ein Kampf - von Tag zu Tag ein Ringen, mal gewinnt der eine, mal der andere.

Schon als kleines Kind habe ich gern geträumt, mir Phantasiewelten ausgemalt – und heute mache ich es auch noch. Ich hatte so einen schönen Plan für dieses Jahr – 2020 sollte so besonders werden. Seit langem mal wieder 14 Tage am Stück Urlaub, mein Geburtstag auf der Almhütte in Österreich, ich habe mich schon auf der Hängebrücke sitzend gesehen und anschließend auf den Liegen des Gartenhotels entspannen – ja, es war perfekt.


Und dann wurde ich aus meinem Traum gerissen. – In einen anderen Traum katapultiert, wo ich jeden Tag hoffe, davon aufzuwachen. Das werde ich aber nicht, denn es ist kein Traum, es ist die Realität.


Was hindert mich also? – Es ist mein Plan, meine Vorstellung, wie das Leben sein soll; meine Sehnsucht nach Struktur, nicht nach der Struktur im Außen, sondern einer Struktur, die ich mir im Inneren gebaut habe.


Was wäre aber, wenn ich diese Struktur loslassen würde? – Ja, dann käme wohl die Leichtigkeit, das Leben im Hier und Jetzt; das, wonach ich mich doch eigentlich in meinem geplanten Leben gesehnt habe. Ich muss also einfach loslassen, auch wenn es nicht einfach sein wird, und darauf vertrauen, dass alles so kommt, wie es kommen soll.


Oder wie eine Teilnehmerin heute so schön gesagt hat:


„Fallen wird zum Schweben, wenn man aufhört, sich festzuhalten“

Festzuhalten an mein altes Leben und festzuhalten an meinem Zukunftsleben.


Leben heißt wohl, im Hier und Jetzt ankommen. Nicht im Gestern. Nicht im Morgen.

Und jetzt mache ich die Musik laut und träume mich in mein Wohnzimmerkonzert. Jetzt und nicht erst morgen. Und vielleicht erträume ich mir noch ein Rotweinglas in meine Hand anstatt nur die Teetasse.



Du möchtest auch einmal am Café der Fragen teilnehmen, dann findest du hier die nächsten Termine und weitere Informationen.

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