Ruhe

Zeit für Reflexion – Zeit für Dankbarkeit

Romy Möller
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Wenn ich sonst immer das Gefühl hatte, dass das Leben wie eine Fahrt mit einem ICE ist, war es dieses Jahr wohl eher eine Achterbahnfahrt mit Flugzeug und Bummelbahn. 2020 war verrückt, herausfordernd, anstrengend und spannend. – Und auch ein wenig erdrückend. Manchmal wirkte es für mich, als würde sich einfach ein leichter grauer Schleier über alles legen. Alles ein wenig dumpfer machen.

Zeit zurückzublicken

Umso wichtiger ist es dieses Jahr für mich, mir ganz bewusst Zeit zu nehmen, das Jahr zu reflektieren. Denn würde man mich fragen, was ich mit 2020 verbinde, wären wohl die ersten Worte Corona, Kontaktbeschränkung, Unsicherheit und ein dahin leben.

Das ist aber nur die eine Seite von 2020. Denn wenn ich so durch meine Bilder auf dem Handy scrolle, sehe ich noch viel mehr: Zeit in der Natur, Bilder von mir, die Ruhe und inneren Frieden ausstrahlen, Zeit mit Freunden und Urlaub in den Bergen – nichts in diesen Bildern erinnert mich an Corona.  

Und wenn ich die Bilder so vor meinen Augen sehe, wird mir eins bewusst: dieses Jahr ist eher schwarz – weiß und weniger eine Palette mit vielen Farbabstufungen – zumindest für mich.

Ich erkenne die Kontraste, die ich bisher noch nie so stark wahrgenommen habe.

Der Wunsch nach Verbundenheit und gleichzeitig die Kontaktbeschränkung.
Die gefühlte „Fahrt“ mit dem Flugzeug und dann der abrupte Wechsel in den Bummelzug.
Die Welt von analog und virtuell.

Was erkennst du, wenn du dir nochmal ganz bewusst deine Fotos anschaust?

Und eins merke ich auch, dieses Jahr ist es nochmal umso wichtiger für mich, das Jahr zu reflektieren, damit nicht nur die eine Seite in meinem Kopf hängen bleibt, sondern auch die vielen, tollen Momente, die mir das Jahr auch geschenkt hat.

Ein Bild sagt manchmal mehr

Da ich aus meiner Coachingspraxis die Macht der Bilder kenne, wähle ich immer zu Beginn der Reflexion ein Bild für das zurückliegende Jahr. Ganz intuitiv, ohne zu überlegen. Ich schaue, welches Bild mich „anspringt“, wenn ich an das Jahr 2020 denke. Meist kann ich es erst gar nicht erklären, warum ich zu einem bestimmten Bild greifen muss. Genauso war es dieses Jahr. Das Bild zog mich magisch an und gleichzeitig wollte ich es nicht nehmen. Und doch wusste ich, es ist mein Bild des Jahres 2020.

Ruhe

Und nachdem ich es auf mich wirken lassen habe, nachdem ich es ganz neugierig erkundet habe, wurde es mir klar, wofür das Bild steht. 2020 war für mich ein Jahr der Reise – klingt widersprüchlich? Nein, keine „äußere“ Reise, sondern die Reise zu mir selbst. Ein Jahr der Ruhe, des inneren Friedens und meiner Sinnlichkeit. Genau dafür steht dieses Bild.

Als mir das bewusst wurde, war ich auf einmal unglaublich dankbar, denn so schloss sich für mich ein Kreis. Zu Beginn des Jahres habe ich mir ein Visionboard gebastelt, so wie jedes Jahr. Nur dieses Jahr hatte ich das Gefühl, dass es nicht ganz so wirkte, wie die letzten Jahre. Jedoch stimmt das nur bedingt. Wenn ich ganz genau hinschaue, habe ich es gelebt, nicht immer, aber zu einem großen Teil. Im Zentrum meines Visionsboards stand „Aufblühen & Wachsen“. Ich habe mir mehr Achtsamkeit, mehr Wahrnehmen mit allen Sinnen und mehr Ruhe gewünscht.

Diese Erfahrung hat mir noch einmal ganz bewusst vor Augen geführt, wie wichtig es ist zu reflektieren, wie wichtig es ist, im Alltag sich Zeit zu nehmen, um nicht nur die offensichtlichen Dinge zu sehen, sondern auch ins Spüren und Wahrnehmen zu kommen.

Daher frage ich dich: Wenn du an das Jahr 2020 denkst, welches Bild spricht dich an? Und wofür steht es?

Schaue dir dein Bild ganz genau an:

  • Was kannst du konkret sehen? Welche Details nimmt du wahr?
  • Welche Stimmung drückt es für dich aus?
  • In welchem Moment wurde das Foto aufgenommen? Was passierte vielleicht kurz davor und was kurz danach?
  • Was wollte der Fotograf damit vielleicht festhalten?
  • Und welches Wort würdest du diesem Bild geben?

Goodbye 2020

Wenn ich mir auf diese andere Art und Weise einen Zugang zu meinem Jahr geschaffen habe,  schaue ich ganz bewusst, was ich alles erlebt und gemeistert habe; was mich erfüllt hat, aber auch was mich frustriert hat und vor allem, was ich in dem Jahr zurücklassen und was ich in das nächste mitnehmen möchte.

Und es ist wirklich nochmal schön, alles so schwarz auf weiß zu sehen – denn oft vergessen wir in der Hektik des Alltag, unsere Erfolge zu feiern. Und so ging es mir dieses Jahr auch. Manches ist einfach untergegangen und wenn ich jetzt einmal so von ganz oben auf alles schaue, darf ich mir selbst mal auf die Schulter klopfen, für all das, was ich ausprobiert, bewegt und angestoßen habe. Und ich bin mir sicher, dass wir alle irgendwie dieses Jahr Helden des Alltags geworden sind.

Wofür darfst du dir also selbst Beifall geben?
Worauf bist du stolz?

Und gleichzeitig ist es mir wichtig, dass wir auch darauf schauen, was uns frustriert hat, was uns leiden lasst hat, was uns traurig gemacht hat – denn auch diese Gefühle gehören zu unserem Leben. Dafür müssen wir auch einen Platz schaffen, das ist mir dieses Jahr auch noch einmal bewusst geworden.

Ganz ehrlich, ich halte nichts von den Sprüchen „hinfallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen“ –  Ja, es ist wichtig, sich nicht hängen zu lassen; ja, es ist wichtig, den Mut nicht zu verlieren – aber nicht nur. Wäre nicht der Spruch „hinfallen, trösten, aufstehen, heilen, Krone richten und mutig nach vorne schauen“ viel besser? – denn nur, wenn wir Schmerz zulassen, wenn wir ihn annehmen, können wir ihn auch heilen. Solange wir ihm Widerstand entgegen bringen, wird er nur stärker.

Daher: Was hat dich frustriert?
Was hat dir Schmerzen bereitet?
Wo hast du dich verletzt gefühlt?

Welcome 2021

Und wenn wir so bewusst auf unser Jahr schauen, können wir für uns selbst Klarheit finden: Was möchte ich vielleicht in diesem Jahr zurücklassen, was möchte ich in das nächste mitnehmen oder vielleicht auch einladen?

Packe dir daher deinen Rucksack und entscheide, mit welchem Gepäck du in das neue Jahr reist. Und wenn ich so alles einpacke, kommt immer ein Wort mit rein – ein Wort, welches mich das nächste Jahr begleiten soll. Letztes Jahr war es „Genuss“. Nach meiner Reflexion von diesem Jahr weiß ich auch, welches 2021 mein Begleiter werden soll – „JETZT“.

Und nun freue ich mich auf dieses „JETZT“ – ich freue mich auf dich 2021 – ich bin gespannt, was auf mich wartet. Und gerade wollte ich noch schreiben „und ich weiß, dass dieses 2021 besser wird“, aber ich musste diese Worte wieder löschen. Denn 2020, du warst nicht schlecht, du warst nur anders – und mein Rucksack ist dank dir mit ganz vielen Schätzen gefüllt worden.

Und wenn du jetzt auch Lust hast, auf dein Jahr zurückzublicken, dann lade dir hier das Reflexionsjournal herunter, mache dir einen leckeren Tee, mache dir schöne Musik an und kuschle dich in deine Decke – schenke dir selbst ein wenig Zeit. Und vielleicht entdeckst du für dich auch ein Thema, welches du dir genauer anschauen möchtest – gern unterstütze ich dich dabei im Coaching.

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