PSI – Intelligenz und Intuition sind Freunde

Was ist PSI eigentlich? – Ich kann dir jetzt dazu mehrere Antworten geben: Ausgeschrieben bedeutet es „Persönlichkeit-System-Interaktionen“. Es ist eine komplexe Persönlichkeitstheorie, die von Prof. Dr. Julius Kuhl begründet wurde. – Das ist die sehr allgemeine Antwort. Meine subjektive Antwort wäre: „Es ist eine wahnsinnig spannende, komplexe Theorie – die mich neugierig macht, mehr zu erkunden. Der dazugehörige Diagnostiktest regt uns an, uns als Person genauer zu hinterfragen, „blinde“ Punkte zu erkennen oder auch Ressourcen aufzuspüren. Es ist eine Theorie, die mich viel beschäftigt und die mich vermutlich auch noch sehr lange beschäftigen wird.“

Hab ich dich jetzt neugierig gemacht? Möchtest du mehr erfahren? Dann lies weiter.

PSI einfach erklärt – not so easy

Ehrlich gesagt, sitze ich an diesem Artikel schon 1,5 Wochen. Ich habe Ende September 3 Tage lang den ersten Teil der Ausbildung zur PSI-Kompetenzberater absolviert und dabei vor allem die Grundzüge der Theorie kennengelernt. Ende Oktober folgte dann der zweite Teil. In diesen 3 Tagen ging es vor allem um die Auswertung der Diagnostiktests – wie kann ich mit meinen Coachees gemeinsam den Test auswerten, wie können wir Ressourcen und Entwicklungsaufgaben entdecken.

Und an dem Abend habe ich dann voller Euphorie beschlossen – Ja, der nächste Blogbeitrag ist dazu. Es hat jetzt aber ganz schön lange gedauert.

Warum? Weil es meiner Meinung nach gar nicht so einfach ist, die Theorie in einem kurzen Beitrag darzulegen. Das Standardwerk von Prof. Dr. Kuhl dazu umfasst 1000 Seiten und ich weiß nicht, ob ich mich diesem jemals wirklich hingeben werde.

Prof. Dr. Julius Kuhl hat eine Theorie aufgestellt, „die vielfältige valide Ergebnisse aus der experimentellen Psychologie integriert und durch die Erkenntnisse der modernen Neuropsychologie bestätigt wurde“, so steht es auf der Seite des Impart-Instituts.

Okay, so viel schlauer ist man damit jetzt auch nicht. Ich versuche mich mal in einer kurzen Zusammenfassung. In der Theorie geht es unter anderem um folgende Aspekte.

Motive – Antreiber für unsere Handlungen

Kuhl sagt, dass ein Motiv ein „intelligentes Bedürfnis“ ist – schon ein interessanter Ausdruck, oder? Was meint er damit?

Ein Mensch hat z.B. ein Bedürfnis nach Wertschätzung. Dies kann er auf unterschiedliche Art und Weise erreichen. Zum Beispiel, indem er Beziehungen aufbaut und darüber Wertschätzung erhält oder indem er Leistungen erzielt, für die er dann Wertschätzung erfährt. Im ersten Fall hätte der Mensch ein Beziehungsmotiv (Anschlussmotiv) und im zweiten ein Leistungsmotiv, um sein Bedürfnis zu stillen. Das Motiv weiß also, wie es das Bedürfnis erfüllen kann, und ist gleichzeitig unser Beweggrund für Handlungen – also unser Antreiber.

Kuhl unterscheidet in seiner Theorie vier verschiedene Motive:

  • Beziehungsmotiv (Anschlussmotiv)
  • Leistungsmotiv
  • Machtmotiv
  • Freiheitsmotiv

Dabei vereinen die Motive ganz unterschiedliche Ausprägungen – Macht ist zum Beispiel nicht gleich Macht. Ein Machtmotiv kann z.B. ein Arzt haben, der Menschen helfen möchte, aber auch ein Chef, der ganz feste Hierarchien in einem Unternehmen pflegt. Unsere Lehrtrainerin Giovanna Eilers hat es ganz schön mit einer Art „Laubhaufen“ beschrieben, die Kuhl zu einer Motiv zusammengelegt hat.

Ich versuche es noch einmal konkret zu machen:

25.09.2020 – 10 Uhr – in einem Raum sitzen 7 verschiedene Personen, die alle an der PSI Weiterbildung teilnehmen möchten – eigentlich machen wir ja alle dasselbe, oder? Von außen betrachtet ja, wenn wir uns aber die Beweggründe anschauen, gibt es Unterschiede.

Und diese wurden in der Vorstellungsrunde deutlich:

„Ich freue mich, hier drei Tage mit anderen Menschen mich auszutauschen, zu vernetzen und gemeinsam etwas Neues zu lernen.“ – Hurra, herzlichen Willkommen Beziehungsmotiv. Ja, da steht auch „Neues lernen“, aber im Vordergrund steht die Zeit mit anderen.

Die nächste Teilnehmerin sagt: „Ich möchte gern im Coaching meinen Klienten weiterhelfen können. Manchmal kommen wir an einen Punkt, wo es nicht weitergeht. Da ist eine Unzufriedenheit, wir finden aber die Ursache nicht. Ich hoffe, dass mir PSI dafür Coachingansätze mitgibt.“ – Und was vermutest du? – Ja, das ist das Machtmotiv. Die Teilnehmerin möchte etwas bewirken, sie möchte Klienten helfen.

Dann ist der nächste Teilnehmer dran: „Ich möchte verstehen, worum es in der Theorie geht. Ich möchte die Zusammenhänge dahinter verstehen. Ich möchte auch einen Diagnostiktest in meinem Portfolio anbieten können“ – Hier zeigt sich klar das Leistungsmotiv, sich selbst verbessern, seine Fähigkeiten ausbauen und Neues lernen.

Und dann ergänzt die nächste Teilnehmerin: „Ich hatte einfach Lust darauf, möchte mehr über mich erfahren – mir macht es einfach Spaß mich weiterzubilden, ich bin da in meinem Flow.“ – Dahinter versteckt sich das Freiheitsmotiv. Hier geht es vor allem um die eigene Selbstverwirklichung, unabhängig von anderen – das eigene Wachstum für einen persönlich steht im Vordergrund.

Ganz schön spannend – wir machen alle dasselbe, aber doch aus einem anderen Antreiber heraus.

Gleich geht es noch ein Stückchen weiter. Aber überlege doch einmal selbst, weshalb machst du bestimmte Dinge: Weshalb machst du zum Beispiel Sport? – weil du dort andere Menschen treffen kannst, weil du dich mit anderen messen und in den Wettkampf treten kannst, weil du dort deine Leistungen verbessern und dich immer wieder neuen Herausforderungen stellen kannst oder weil du dort einfach in deinem Element bist?

Als wäre das noch nicht genug mit den Motiven, unterscheidet Kuhl noch in unbewusste (implizite) und bewusste (explizite).

Unbewusste Motive entstehen vor allem aus dir heraus und werden überwiegend in offenen Situationen aktiviert. Sie entstehen durch Erfahrungen, vor allem in den ersten Jahren unserer Kindheit. Sie sind zeitlich überdauernde Persönlichkeitsmerkmale, die relativ stabil sind. Sie sind vor allem als unsere Kraftquellen zu sehen.

Bewusste Motive dagegen werden vor allem durch Erwartungen und bewusste Ziele geprägt. Das Verhalten ist eher kurzfristig und eine Reaktion auf spezifische Situationen.

Es kann sein, dass die Motive in einem Konflikt stehen. Vielleicht glaube ich, dass ich zum Sport gehen muss, weil ich ja die anderen im Team nicht hängen lassen kann. Eigentlich ist mir aber eher nach Zeit für mich. Trotz der „Bauchschmerzen“ schleppe ich mich dann zum Training – und damit habe ich den Konflikt zwischen dem bewussten Beziehungsmotiv und dem unbewussten Freiheitsmotiv eine Bühne gegeben, die auf lange Sicht für einen selbst kräftezerrend wird.

Wow, ganz schön komplex – oder? Aber da kommt noch mehr.

Umsetzungsstile – wie komme ich dahin?

Neben diesen Motiven ist in der PSI auch wichtig, wie man diese bevorzugt umsetzt. Kuhl unterscheidet dabei vier verschiedene Umsetzungsstile. Er ordnet sie vier verschiedenen Funktionssystemen unseres Gehirns zu – stell sie dir wie eine Art „Gehirnpalast“ mit vier Räumen vor. Je nach Situation können wir die verschiedenen Räume aufsuchen – wir springen immer wieder hin und her – dabei mögen wir einen Raum mehr, den anderen vielleicht auch weniger. Ganz wichtig, es gibt dabei kein gut oder schlecht. Wichtig ist nur, die eigene Raumnutzung zu kennen, um ggf. Ressourcen und Handlungsalternativen zu entdecken.

So, dann lade ich dich mal in den Gehirnpalast ein.

(1) Das Intensions- oder Absichtsgedächtnis – der rote Raum

Dieses System ist für die Handlungsplanung wichtig. Wenn wir uns in diesem „Raum befinden“, machen wir Pläne, können wir Ziele definieren und logisch denken. Wir lösen komplexe Probleme sehr strukturiert und analytisch. Jede To-Do-Liste entsteht hier.

(2) Objekterkennungssystem – der blaue Raum

Dieses System ist unser Prüfraum. Wenn wir uns in diesem Raum aufhalten, nehmen wir Einzelheiten war, ermitteln Abweichungen und prüfen sehr kritisch. Wir sind wie ein wachsames Reh, das jede Unstimmigkeit spürt.

Diese beiden Räume befinden sich auf der linken Gehirnhälfte, der analytischen Intelligenz. Auf der rechten Gehirnhälfte, der intuitiven Intelligenz, befinden sich diese beiden Räume:

(3) Extensionsgedächtnis – der gelbe Raum

Hier befindet sich unser „Selbst“ – oh, das klingt schon ganz schön mächtig. Wichtig ist, dass hier alle Erfahrungen abgespeichert werden, es ist wie eine Art Bibliothek und je älter wir werden, umso mehr füllt sie sich mit Erfahrungen. Wenn wir in diesem Raum sind, können wir uns selbst wahrnehmen und können auf Erfahrungen zurückgreifen. Auch hier können wir komplexe Probleme lösen, jedoch nicht analytisch, sondern eher kreativ.

(4) Intuitive Verhaltenssteuerung – der grüne Raum

Dieser System ist die Handlungsausführung. Wenn wir im grünen Raum sind, werden wir aktiv und lebendig. Hier werden Absichten umgesetzt und wir folgen hier unseren Gewohnheiten.

Okay – ein ganz schönes Farbenspiel – vielleicht sagst du jetzt auch, ach ja, das kenne ich schon. Denn tatsächlich nutzen auch andere Persönlichkeitstest Farben zur Kodierung, wie z.B. DISG. Aber Achtung, man darf dies nicht miteinander verwechseln.

Und an dieser Stelle möchte ich auch betonen, dass die PSI Menschen nicht in Kategorien sortiert und keine Schubladen aufmacht. Nein – du bist nicht der „Kritiker“ oder der „Visionär“ – ja, vermutlich bevorzugst du einen Umsetzungsstil mehr als den anderen. Dies ist aber per se weder gut noch schlecht.

Zum Beispiel bin ich froh, dass mein Steuerberater eher einen blauen Umsetzungsstil hat und nicht unbedingt einen grünen, in dem ich oft stecke. Er entdeckt nämlich, wenn eine Rechnung noch nicht bezahlt wurde oder ich mal wieder einen Fehler in der Rechnung habe. Ohne diesen Detailblick von ihm wäre ich aufgeschmissen. Dafür wünschen sich vermutlich meine Teilnehmenden in den Seminaren meine grüne Seite – denn damit kann ich Energie in den Raum bringen, schnell und intuitiv auf Wünsche und Änderungen eingehen und andere begeistern – so dass es nicht langweilig wird.  An der Stelle wäre die Lupe für Bedenken und Schwierigkeiten wohl nicht so günstig.   

Und dennoch ist es auch für mich wichtig, ab und zu mal den blauen Raum zu besuchen: „Was lief heute in dem Seminar gut, was nicht so gut? Woran lag es vielleicht, dass die Teilnehmenden gebraucht haben, bis sie wirklich mit der Aufgabe angefangen haben? Könnte ich vielleicht die Themen in der Reihenfolge ändern? Was müsste ich beim nächsten Mal noch beachten?“ – du siehst also, es braucht alle Räume und die PSI hilft uns auch, dass wir lernen bewusst Räume zu betreten.

PSI – kein bestimmter Typ, aber was bin ich dann?

Worum es bei dieser komplexen Persönlichkeitsdiagnostik geht, ist es, Motive, Umsetzungsstile und auch Muster bewusst zu machen, sie zu reflektieren und daraus Ressourcen und Entwicklungspotentiale abzuleiten.

Deshalb muss ich dich jetzt auch enttäuschen. Nach dem Test gibt es kein Verhaltensprofil und auch keinen Persönlichkeits-Steckbrief zum Ausdrucken – nein, so leicht ist es nicht. Denn entscheidend ist  die Kombination aus Motiven – unbewussten und bewussten -, aus Umsetzungsstilen, aus eigenen Erfahrungen und Kontextbedingungen – daher braucht es ein intensives Auswertungsgespräch.

Dabei schauen sich Coach und Klient gemeinsam die Ergebnisse an, besprechen diese detailliert und stellen so den Bezug zum Alltag her. Daraus wird ersichtlich, wo vielleicht noch unbewusste Ressourcen liegen. Je nach Kontext und der Situation des Klienten kann man dann gemeinsam schauen, welche Entwicklungswege es gibt und wie der Klient dafür die Ergebnisse nutzen möchte.

So, das war jetzt ganz schön viel – daher versuche ich den Nutzen von PSI noch einmal auf den Punkt zu bringen:

  • Reflexion von unbewussten und bewussten Motiven: Manchmal verstecken sich hier große Diskrepanzen, die uns Energie rauben können. Lerne zudem deine persönlichen Antriebskräfte kennen.
  • Reflexion der Umsetzungsstile: Manchmal vermeiden wir einen Stil bzw. fällt es uns schwer in einen bestimmten Raum zu gehen – hier kann man gezielt Entwicklungsmöglichkeiten entdecken.
  • Reflexion der eigenen Selbststeuerungskompetenzen: Neben den Motiven und Umsetzungsstilen wird im Test auch der Umgang mit Stress analysiert, so dass wir auch hier gezielt Ressourcen finden können.
  • Kombination der Ergebnisse: Durch das gemeinsame Auswerten können wir „versteckte“ Ressourcen sichtbar und eigene Stärken konkret benennen. Dies hilft in der eigenen persönlichen Ausrichtung, z.B. im Beruf oder im Privaten.
  • Nutzen der Ergebnisse: Erweiterung der eigenen Handlungskompetenzen, bewusstes Ansteuern der Räume im Gehirnpalast

Und wann ist so eine Diagnostik sinnvoll?

  • Zur eigenen Standortanalyse/ eigenen Reflexion
  • Zur eigenen Selbsterkenntnis,  z.B. bei dem Problem „Eigentlich ist alles gut, aber irgendwie bin ich nicht glücklich“
  • Bei Motivations- und Energieproblemen
  • Reflexion und als Orientierung der eigenen Entwicklung, z.B. bei dem nächsten beruflichen Schritt

Du hast Interesse an ein Coaching und so einer PSI-Diagnostik? Lies dir gern meine Angebote zu Einzelcoachings durch und melde dich bei mir per E-Mail. Wir können gern ein kostenlos Vorgespräch vereinbaren.

Ich werde jetzt im November/Dezember 2020 einen Rabatt auf PSI Coachings geben. Du zahlst lediglich 540€ anstatt 740€ (inkl. MwSt.). Darin enthalten sind die Testgebühren des Impart-Instituts (in Höhe von 60€), meine detaillierte Auswertung inkl. Protokoll für dich und 2x 1,5 Stunden- Auswertungscoaching.

Was hindert mich eigentlich?

Was hindert mich eigentlich?

Ich sitze auf meiner Couch mit guter Musik und Käsewürfel, nur der Rotwein fehlt – dafür gibt es aber die komplette Wundertüte der Gefühle – Erfüllung, Melancholie, Leere, Hoffnung. Und irgendwie auch ein Gefühl des Vertrauens können, der Neugier. Vor drei Wochen hätte ich noch nicht gedacht, dass ich jetzt hier so sitzen würde, und in drei Wochen wäre ich jetzt eigentlich woanders, wo ich jetzt nicht sein werde – etwas, auf was ich mich so sehr gefreut habe: Freundinnenzeit bei einem Konzert, weil ich es mir endlich wieder gönnen wollte, weil der Genuss und die Leichtigkeit wieder mehr Raum in meinem Leben bekommen sollte. Stattdessen klingen jetzt die Lieder der Band aus meinem Lautsprecher – irgendwie ist das schon eine gewisse Art der Selbstzerstörung, denn die Vorstellung, dass ich das Konzert jetzt nicht erleben werde, tut weh. Was kommt aber stattdessen? Wofür ist jetzt Raum? Ich weiß es nicht.

Zeit der Veränderung

Es hat sich so vieles in den letzten Tagen geändert, vieles ist gegangen und für vieles ist ein Raum entstanden – nicht alles wollte ich davon in mein Leben lassen, es hat sich aber einfach so eingenistet, ohne zu fragen – die Verzweiflung, der Frust, die Traurigkeit, die Hilflosigkeit. Es ist aber auch vieles in den Raum gekommen, womit ich vorher nicht gerechnet habe, was mich jetzt aber erfüllt – sei es das Experimentieren mit Digitalen Medien; die Erfahrung zu machen, dass Verbundenheit entstehen kann, auch wenn man sich nicht „real“ begegnet oder die Erfahrung an Grenzen gebracht zu werden und es auszuhalten.

Ein wunderschöner, neuer Platzhalter ist das virtuelle Café der Fragen, welches ich heute zum dritten Mal mit meiner Kollegin Susanne Schwarz durchgeführt habe. Wir hatten unseren Auftakt für dieses gemeinsame Event in Berlin im Februar – der Plan war es, dieses alle vier bis sechs Wochen in Berlin irgendwo erscheinen zu lassen – Raum für Impulse und Inspiration.

Und dann kam alles anders. Das nächste Event musste schon virtuell stattfinden, womit ich im Vorfeld wirklich Bauchschmerzen hatte, denn bisher war in meinem Kopf Verbundenheit ganz eng an reale Begegnungen gebunden – und genau das möchte ich doch mit meiner Arbeit ermöglichen – in Kontakt mit sich selbst und mit anderen zu kommen.

Und ich musste lernen, mein Bild im Kopf zu ändern – es ist möglich, es ist vielleicht anders, aber es ist möglich. Heute hatten wir nun schon das dritte virtuelle Café, denn nach dem ersten Mal war uns klar, dass wir es jetzt jede Woche durchführen – für uns und für andere.

Jeder Teilnehmer erhält eine Frage – eine Frage zum Sinn des Lebens und erhält die Zeit und den Raum, darüber nachzudenken, Gedanken zu teilen und hineinzuspüren. Und genau das macht was mit uns – zum einen mit uns selbst, allein weil wir laut darüber reden, und zum anderen tmden anderen, weil es bei ihnen etwas auslöst. Genau das möchten wir dann auch mitgeben – was hat es bei mir ausgelöst – es ist ein Geschenk eine fremde Wahrnehmung zu erhalten.

Und es ist immer wieder schön, immer wieder berührend, immer wieder inspirierend – immer wieder ein Gedankenanstoß, auch nach dem „Treffen“ weiter zu denken.

Gleichzeitig wollte ich auch mal eine Frage erhalten – auch in den Zauber der „magischen“ Frage, die auf einmal erscheint, eintauchen. Daher ziehen Susanne und ich seit dem letzten Mal danach selbst noch eine Frage und wir wissen, es kommt immer die „richtige“ Frage zu einem.

Die richtige Frage

„Was hindert dich daran, schon jetzt so zu sein, wie du später sein möchtest?“

In dem Moment fand ich dann die Worte, die ich in den letzten Tagen so oft gedacht, gesagt und auch beweint habe: „Ich will mein altes Leben zurück – ich war so glücklich. Mein Business lief. Ich war dankbar für meine Freundschaften. Ich hatte endlich wieder eine Art dynamische Balance von Arbeit und Freizeit gefunden. Ich war verdammt glücklich. So glücklich, dass ich Anfang März noch die Angst hatte, dass das Kartenhaus zusammenfallen könnte.“ – Und jetzt: Das Kartenhaus ist kaputt.

Gleichzeitig merkte ich auch, dass ich das Leben wieder haben möchte, was noch kommen sollte: all die schönen Aufträge und Seminare, die auf mich gewartet haben, das Konzert, mein Urlaub in den Bergen, den ich mir nach drei Jahren endlich mal wieder gönnen wollte, meine Ausbildungen. Auch diese Seifenblase ist gerade zerplatzt.

Was hindert mich also daran, so zu sein, wie ich später sein möchte? – Nein, es ist nicht Corona. Nein, es sind nicht die Umstände. Nein, es ist nicht die Ungewissheit.

Vielmehr habe ich in den letzten Tagen gemerkt, dass ICH es immer selbst bin. Es ist mein Kopf – mein Kopf, der träumt und kreiert; mein Kopf, der ganz viele Ideen spinnt und sich für vieles schon begeistert. Mein Kopf, der oft in der Vergangeheit ist und gleichzeitig auch in der Zukunft.

Ich bin so dankbar für diese Kreativität, für all die Impulse und für meine wahnsinnige Vorstellungskraft, denn dadurch konnte ich in den letzten Tagen so viel entwickeln, so viel gestalten und Neues entdecken – Onlinetools ausprobieren, neue Produkte entwickeln und mir ein neues „Luftschloss“ aufbauen.

Aber bekannter Weise gibt es immer zwei Seiten einer Medaille – genau diese Kreativität, Impulse und Vorstellungskraft lassen Pläne und Vorfreude bei mir entstehen – sie geben mir Struktur, sie geben mir Halt und sie geben mir ein Ziel, welches mich so sehr antreibt, welches mir Energie schenkt.

Es raubt mir aber auch Energie, es steht mir auch im Weg – und gerade jetzt spüre ich dies. Meine Offenheit für Neues und mein Verliebtsein in meine Pläne konkurrieren miteinander.

Und es ist ein Kampf – von Tag zu Tag ein Ringen, mal gewinnt der eine, mal der andere.

Schon als kleines Kind habe ich gern geträumt, mir Phantasiewelten ausgemalt – und heute mache ich es auch noch. Ich hatte so einen schönen Plan für dieses Jahr – 2020 sollte so besonders werden. Seit langem mal wieder 14 Tage am Stück Urlaub, mein Geburtstag auf der Almhütte in Österreich, ich habe mich schon auf der Hängebrücke sitzend gesehen und anschließend auf den Liegen des Gartenhotels entspannen – ja, es war perfekt.

Und dann wurde ich aus meinem Traum gerissen. – In einen anderen Traum katapultiert, wo ich jeden Tag hoffe, davon aufzuwachen. Das werde ich aber nicht, denn es ist kein Traum, es ist die Realität.

Was hindert mich also? – Es ist mein Plan, meine Vorstellung, wie das Leben sein soll; meine Sehnsucht nach Struktur, nicht nach der Struktur im Außen, sondern einer Struktur, die ich mir im Inneren gebaut habe.

Was wäre aber, wenn ich diese Struktur loslassen würde? – Ja, dann käme wohl die Leichtigkeit, das Leben im Hier und Jetzt; das, wonach ich mich doch eigentlich in meinem geplanten Leben gesehnt habe. Ich muss also einfach loslassen, auch wenn es nicht einfach sein wird, und darauf vertrauen, dass alles so kommt, wie es kommen soll.

Oder wie eine Teilnehmerin heute so schön gesagt hat:

„Fallen wird zum Schweben, wenn man aufhört, sich festzuhalten“

Festzuhalten an mein altes Leben und festzuhalten an meinem Zukunftsleben.

Leben heißt wohl, im Hier und Jetzt ankommen. Nicht im Gestern. Nicht im Morgen.

Und jetzt mache ich die Musik laut und träume mich in mein Wohnzimmerkonzert. Jetzt und nicht erst morgen. Und vielleicht erträume ich mir noch ein Rotweinglas in meine Hand anstatt nur die Teetasse.


Du möchtest auch einmal am Café der Fragen teilnehmen, dann findest du hier die nächsten Termine und weitere Informationen.

Achterbahn der Gefühle – Endstation: Natur

Es ist alles so surreal. Der Frühling drängt sich auf, die Sonne scheint und eigentlich schreit alles nach Leben da draußen. Gleichzeitig passiert gerade was ganz anderes in unserer Welt. Die Straßen in Berlin gleichen einer Geisterstadt. Es riecht nach Angst und Panik. Gleichzeitig ist da aber auch ganz viel Verbundenheit – eine Vorsicht unter den Menschen, ein mitfühlen und sorgen.

Vor einer Woche war meine Welt noch in Ordnung

Es kroch sich ganz langsam in meinen Alltag. Die ersten Menschen sprachen davon. Die ersten waren besorgt: „Dürfen wir uns noch treffen? Dürfen wir uns noch umarmen? Wir müssen jetzt was machen?“ – Zu dem Zeitpunkt habe ich es noch nicht verstanden – oder vielleicht auch nicht wahrhaben wollen. Es waren die ersten Anzeichen von Corona – einem kleinen Virus, der so ganz abstrakt erscheint. Ich wog mich noch in meiner Sicherheit, ich genoss noch meine ersten Erfolge meiner Selbstständigkeit und die ersten „halb“freien Tage nach einer sehr anstrengenden Zeit.

Ich habe mich auf den Frühling gefreut, mir ein rotes langes Kleid gekauft, die Jeansjacke schon aus dem Kleiderschrank geholt und mich schon mit dem ersten Aperol Spritz mit meinen Mädels an der Spree gesehen. Ich war davon überzeugt, dem Genuss wieder mehr Raum in meinem Leben zu geben. Auf meinem Visionboard für dieses Jahr strahlt in der Mitte „Aufblühen und Wachsen“ – und genau das habe ich mir fest vorgenommen. Endlich die Früchte meiner harten Arbeit zu ernten, endlich wieder einen Gang runterschalten nach einer langen Zeit nach Verzicht. Endlich mal wieder Wochenenden, endlich mal wieder Urlaub. So machte ich meine Pläne – zwei Wochen im Sommer und zwei Wochen im Oktober. Es sollte in die Berge gehen – acht Tage mit einer Freundin von Hütte zu Hütte und danach die pure Gönnung. Beim Buchungsklick für das Wellnesshotel im Anschluss des Trekkings musste ich mir lange zureden: „Ja, es ist viel Geld, aber du darfst das jetzt mal genießen, du hast es dir verdient.“ – Klick und ein pures Glückgefühl schoss durch meinen Körper. Oh yes, ich sah

mich schon mit Cappuccino im Garten am Pool liegen und einfach nur im Moment zu sein.

Ich wusste, bis dahin ist es noch eine lange Zeit, bis dahin warten noch etliche Aufträge – und dennoch freute sich mein kleines Kind in mir schon wahnsinnig – als würden Weihnachten und Ostern auf einmal zusammenfallen. Ich habe es geschafft. Ich war stolz auf das, was ich in einem Jahr gewuppt habe. Ich hatte nicht nur die Ziele für das Jahr geschafft, nein, ich hatte teilweise schon meine 3-Jahresziele erreicht.

Stolz bin ich immer noch, aber …

Eine Woche später saß ich dann gestern in dem Zug, um in den Bungalow meiner Mum nach Mecklenburg zu fahren – ich brauche ein Auszeit, Luft zum Atmen und Ruhe, um Klarheit zu gewinnen. Gerade bin ich auch unfassbar dankbar, dass ich diese Möglichkeit jetzt habe, denn in Berlin in meinen eigenen vier Wänden würde ich wohl durchdrehen. Daher danke Mama, dass du gerade so sehr für mich da bist und ich weiß, dass du jetzt diese Zeilen liest.

Auf der Fahrt las ich dann auch auf einmal eine Mail von Paypal. Mein Dad hat mir 100€ geschickt, mit dem Kommentar „Zum Renovieren“. In dem Moment flossen mir die Tränen. Ich war tief berührt und gleichzeitig dachte ich: „Ich darf mir jetzt nicht ins Gesicht fassen und die Tränen wegwischen, du könntest das Virus an den Händen haben“. In dem Moment wurde mir eins bewusst – ich habe in dem letzten Jahr viel mehr erreicht, als ich mir jemals vorgestellt habe, und gleichzeitig stehe ich jetzt hier und habe gefühlt weniger als vor einem Jahr. Schon irgendwie ein Paradox.

7 Tage, die mein Leben komplett verändert haben

Aber zurück auf Anfang. Freitagvormittag kroch auch bei mir langsam die Unruhe hoch – was ist mit deinen Trainings, was ist mit deinen Aufträgen? Ich wusste, dass ich dies nicht mehr verdrängen konnte. Zwei Stunden und ein paar Telefonate später war klar – bis Ende April ist alles abgesagt. Viele Trainings und ein hoher Verlust. – Quasi war ich ab diesem Moment „arbeitslos“.

Nächste Haltestelle: Schock und Verdrängung

Dies war das Startsignal für die Achterbahnfahrt. Erste Haltestelle Schock. Das kann nicht sein. Hilfslosigkeit brach in mir aus. Vor meinen Augen floss all mein Erspartes weg. Das, was ich die letzten drei Jahre zurückgelegt habe, um einen Puffer aufzubauen und Sicherheit zu ermöglichen. Das, wofür ich immer wieder zu meinen Freundinnen „das kann ich mir nicht leisten“ oder „können wir nicht zu Hause selbst kochen“ gesagt habe. Das, wofür immer ein inneres Konto beim Einkaufen im Kopf mitlief und „Nein“ gesagt hat. Von jetzt auf gleich war das in meinem Kopf auf einmal weg.

Ich wollte es aber nicht wahrhaben. Der Schock musste raus, die Stunde beim Crossfit hat aber nicht gereicht. Da war die Frühstückseinladung von guten Freunden am Samstag Balsam für die Seele, sie wollten mich aufbauen. Und am Sonntag begrüßte ich den Frühling mit einer kleinen Radtour – als ginge das Leben weiter und mit Aperol Spritz am Wasser. Ja, ich versuche zu verdrängen. Ich versuchte den Kopf auszuschalten. Es gelang mir auch, aber leider nur für paar Stunden. Oder vielleicht auch zum Glück.

Und weiter zur Einsicht und Akzeptanz

Ich konnte nicht mehr klar denken. Ich wachte morgens mit Kopfschmerzen auf. Und da war noch was in meinem Körper: unfassbare Leere – eine Leere, die ich seit einem Jahr nicht mehr gespürt habe. Und so wurde mir am Montag noch viel mehr bewusst. Nein, ich hatte nicht nur einiges an Geld „verloren“, ich hatte noch viel mehr verloren – gefühlt meine Existenz. Ich liebe meinen Job; ich liebe es, Menschen zusammenzubringen; ich liebe es, Menschen zu bestärken; ich liebe es, Entwicklungen zu unterstützen – das hat mich ausgemacht, das hat meinen Alltag ausgemacht. Ich hätte in dem letzten Jahr nicht so viel erreicht, wenn ich nicht so viel Herzblut und Zeit in mein Business investiert habe. Ich habe für meinen Job gelebt. Aber jetzt war da nichts mehr, wofür ich hätte arbeiten können. Es war also nicht nur das Geld weg, sondern auch mein Sinn. Meine Aufgabe, die mich glücklich macht.

Ja, natürlich gab es auch noch was anderes in meinem Leben, neben dem Job. Meine Freunde. Wie gesagt, ich liebe es mit Menschen zusammen zu sein. Daher habe ich mich gern und viel mit Freunden getroffen. Aber auch das war vorbei – stattdessen war soziale Isolation im Programm und ich merkte schon jetzt, wie sehr ich eine Umarmung vermisse.

Was mir aber auch bewusst wurde, dass ich die Augen nicht mehr davor verschlissen konnte. Mein Leben war weg und es würde so in der Form auch nicht wiederkommen. Der Virus hat die Welt verändert und das hoffen, dass man den nächsten Morgen aufwacht und alles nur ein schlechter Traum war, war auch nicht mehr möglich.

Und ja, genau für solche Situationen und Zeiten bin ich Coach. Genau in solchen Phasen unterstütze ich Menschen und auf einmal befand ich mich auch direkt in dieser Fahrt – in der Fahrt der Veränderung; auch wenn ich eigentlich nicht einsteigen wollte.

Wie sagte Epiktet aber so schön: „Es sind nicht die Dinge an sich, die die Menschen erschüttern, sondern die Sicht auf die Dinge.“

Toll, klingt gut, der Verstand versteht es auch, das Herz aber nicht. Und so stand ich dann in meiner Wohnung und wusste nicht mehr wohin mit mir: In Berlin bleiben? Zu meiner Familie nach Thüringen fahren? Oder doch in den Bungalow nach Mecklenburg? Meine Entscheidung ändert sich im Minutentakt – wie eine Uhr, die immer wieder das Ziffernblatt weiterdreht.

Ich muss hier raus …

Mir wurde aber bewusst, dass ich raus aus Berlin musste – ich brauchte Luft zum Atmen. Ich brauchte Weite anstatt die Aussicht auf die Häuserfassade im zweiten Hinterhof. Es fühlte sich schon jetzt wie ein Gefängnis an.

Als ich die Entscheidung getroffen habe, fühlte es sich frei an und gleichzeitig merkte ich, wie schwer es mir ums Herz wurde. Gefühlt lies ich auch das letzte los, was ich noch aus meinem „alten“ Leben hatte – mein gewohntes Umfeld, meine Wohnung.

So schnürte ich meine Laufschuhe – das tat mir schon immer gut. Ein letztes Mal noch einmal ans Wasser. Kopf ausschalten. Ruhe genießen.

Und dann krochen sie langsam hoch in meinen Kopf – die ersten Ideen. Die ersten Dinge an was Neues. Glücklicherweise bin ich ein Mensch, der sich schnell für etwas begeistern kann und das dann auch immer sofort teilen muss. Mein Glück, denn so musste sich meine Mum meinen Sprudel an Optimismus per Sprachnachricht anhören. – Mein Glück, denn so schnell der Sprudel gekommen ist, ist er auch wieder verschwunden, aber die Sprachnachricht war noch da. Sicher im Chatverlauf. Die Kugel auf der Veränderungskurve zum „Öffnen für Neues“ hatte noch nicht genug Schwung und rollte somit zur Akzeptanz zurück.

Ich brauchte also Ruhe. Klarheit. Neue Energie.

Die Fahrt zu mir …

Und so habe ich mich gestern Vormittag in einem leeren Zugwaggon wiedergefunden. Mit 2 Koffern, einer Tasche und einem riesigen Backpacking-Rucksack. Zumindest mein halbes Bücherregal wollte ich mitnehmen – irgendwie gehört es zu meinem Job und es fühlte sich richtig an, wer weiß, welche Ideen da draußen auf dem Land entstehen. Und als ich in dem Zug saß, wusste ich: „Nie wieder beschwere ich mich über zu volle Züge. Bevor ich so viel Platz für mich allein habe, atme ich lieber Luft ein, die schon hunderte vor mir ein und ausgeatmet haben. Nie wieder möchte ich unter diesen Umständen Zug fahren.“

Drei Stunden später war ich dann angekommen. Der Kühlschrank gefühlt. Die Taschen ausgepackt. Der erste Milchkaffee mit viel Schaum gemacht. – So saß ich dann allein mit mir auf der Terrasse und die Sonne schien, als wäre nichts passiert. Die Vögel zwitscherten. Das Leben ging weiter.

Und so langsam legte sich auch in mir der Sturm. Ich lies mich auf den Gesang der Vögel ein – als wäre es ein Wiegelied, um ein Kind zur Ruhe zu bringen.

Mit dieser Ruhe kam dann auch die Klarheit. Ich konnte das erste Mal in Ruhe auf die letzten Tage zurückblicken und meine Achterbahnfahrt erkennen. In dem Moment musste ich lächeln: „Klasse, so eine richtig schöne Veränderungskurve wie aus dem Bilderbuch. Theorie bestätigt.“ Damit stellte sich bei mir auch das Vertrauen ein, denn nach Schock – Verweigerung – Einsicht – Akzeptanz geht es eigentlich wieder bergauf. Eigentlich, denn mir ist schon klar, dass meine Kugel auf dieser Kurve immer wieder hin und her rollen wird.

Ich bin dankbar…

Und dennoch bin ich auch dankbar. Vielleicht klingt es etwas übertrieben. Ja, ich hätte auch gut und gerne auf diese Viren-Monster verzichten können. Ich habe mein Leben geliebt, aber ich liebe es auch immer noch.

Mir ist aber einiges bewusst geworden:

  • Neben der finanziellen Existenz hat mich die Sinnleere bedroht. Und das heißt, dass ich bisher und auch in Zukunft ein besonders großen Schatz habe: ich mache etwas, was mich wirklich erfüllt. Ich habe in meinem Leben etwas gefunden, was mich wirklich glücklich macht. Allein dieses Wissen ist schon viel Wert.
  • Ich habe für mich erkannt, dass mein Sinn auch jetzt lebt. Ich möchte Menschen zusammenbringen; ich möchte, dass Menschen über sich hinauswachsen. Und genau das passiert gerade in der Krise. Vielleicht nicht unbedingt durch mein aktives Tun, aber durch das Handeln in der Gemeinschaft. Somit fällt es mir gerade auch leichter, dem Schmelzen auf meinem Konto zuzuschauen, denn gleichzeitig weiß ich, dass dies meinem Sinn zugutekommt.
  • Auch wenn meine Teamentwicklungsausbildung und mein eigener Coachingprozess abgesagt wurden, habe ich in den letzten Tagen sehr viel über mich selbst erfahren. Ich habe gelernt, wie stark mich die Existenzfrage immer wieder einholt. Ich habe aber auch gelernt, dass ich in den letzten Jahren persönlich stark geworden bin. Ja, es ist gerade eine beschissene Zeit – dennoch kann ich durch die Selbstführung in mir Halt finden, auch wenn der äußere Halt gerade wegbricht.
  • Und ich weiß jetzt, warum Online an sich nicht mein Ding ist. Es geht mir nicht per se, um das Medium. Mir ist aber ein Bedürfnis meiner Arbeit ganz bewusst geworden. Ich habe mich bisher gegen Onlineangebote gesträubt, weil ich in Trainings und Workshops Wissen nicht doziere. Das ist nicht mein Verständnis von Pädagogik. Vielmehr möchte ich Erfahrungsräume schaffen, wo Menschen sich begegnen und durch Übungen Dinge praktisch erleben können. Reflexion von Erfahrungen ist so viel wichtiger als Theorie. Und momentan sehe ich hier noch Grenzen in der digitalen Umsetzung. Nichtsdestotrotz konnte ich bei einem ersten virtuellen Impulsabend, den ich mit einer Kollegin gegeben habe, erleben, dass dennoch Verbundenheit möglich ist. Und vielleicht ermöglicht die „Distanz“ Menschen sogar, sich mehr zu öffnen, weil sie sich gefühlt, sicherer fühlen. Vielleicht aber auch nicht. Zum Glück sind wir ja alle unterschiedlich.
  • Und es gibt noch einen Punkt. Dieses ist nicht Pessimismus oder ein Fallen lassen – vielmehr ist er für mich Realismus und wahre Begegnung mit mir selbst. Ich sehe, dass ich vieles in den letzten Jahren investiert habe. Und ich bin sehr stolz und dankbar dafür. Ich sehe, dass ich dafür auch auf vieles verzichtet habe – meine Familie hat mich kaum gesehen, ich habe manche Hobbys vernachlässigt, ich habe keine Beziehung. Das war auch immer okay für mich, es war meine Entscheidung und ich wusste auch immer, wofür ich es mache. Auch wenn mir Freunde gerade Mut machen möchten, dass ich es immer wieder schaffen werde, meine Selbstständigkeit aufzubauen, auch wenn ich jetzt alles verlieren würde – weiß ich gerade ganz klar, dass es für mich nicht eine Frage des Könnens ist, sondern des Wollens – eine Frage der Priorität und der Werte.

Das heißt jetzt aber nicht, dass für mich das Buch der Selbstständigkeit geschlossen ist. Momentan befinde ich mich noch im Drama, im Hauptteil – und welches Happy End es geben wird, das wird sich wohl in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Und ich bin mir im Klaren, dass ich dabei als Autorin einen ganz großen Beitrag leisten kann.

Und wenn ich jetzt so auf die Zeilen blicke, war das ganz schön viel für die letzten Tage – in jedem Schlechten liegt wohl auch was Gutes. Und jetzt werde ich erst einmal die Tage hier auf dem Land genießen, zur Ruhe kommen, mir Zeit für mich nehmen und Ideen schmieden – auf unbestimmte Zeit.

Und wenn ich wieder zurück nach Berlin komme, werde ich wohl meine Wohnung noch neu streichen, denn das war zwischendurch eine Ablenkungsidee, die gar nicht mal so schlecht war. Die Wände hätten es nötig – das Geld für die Farbe habe ich ja jetzt, also danke Papa. Und danke Mama, dass du gerade für alle Zoom-Versuche als Testperson zur Verfügung stehst, damit ich meine Online- Ideen auch ausprobieren kann, und gleichzeitig dabei mir auch Mut machst. Danke, dass es euch gibt – an all meine Freunde und meine Familie.

Und damit ich mich hier nicht allzu sehr „einsam“ fühle, übe ich nicht „soziale Distanz“, sondern nur körperliche Distanz aus – daher gebe ich jetzt einmal mit Suanne in der Woche das virtuelle Café der Fragen  oder Online-Mini-Workshops, zumindest solange, bis sie wieder offline stattfinden können. Oder ich zoome mit guten Freunden oder coache online meine Coachees. Es ist halt doch immer eine Frage der Perspektive und aus der Akzeptanz heraus blickt es sich schöner als aus dem Schock.

Was bedeutet Erfolg?

Ein Wort, um das es sich heute bei dem Impulsabend die ganze Zeit gedreht hat. Ein Wort, was gar nicht so leicht in Worte zu fassen ist. Ein Wort, was mich sowohl inhaltlich als auch emotional heute beschäftigt hat. Daher eine kleine Reflexion von mir. Gerade sitze ich auf meiner Couch: glücklich, reflektiert, genährt, traurig, nachdenklich und vielleicht auch ein bisschen wütend – viele Gefühle, die vor allem konträr sind.

Hat Erfolg etwas mit glücklich sein zu tun?

Irgendwie kam das Wort Glück heute immer wieder mit ins Spiel. Sind erfolgreiche Menschen glücklich oder eher glückliche Menschen erfolgreich? Woran messe ich Erfolg und woran erkenne ich Erfolg? Gar nicht so einfach.

Eine mögliche Erklärung heute war die Verbindung mit dem eigenen Sinn. Wenn ich das tue, was mir mein Herz sagt und ich dabei glücklich bin, dann bin erfolgreich. Wenn ich also mein Potential lebe, anstatt dessen Entfaltung im Weg zu stehen. Dann stellt sich auch irgendwie der Erfolg ein.

Eine schöne Erkenntnis war dabei, dass dies auch eine Möglichkeit wäre, daran Erfolg zu messen – nicht am finanziellen, sondern daran, ob ich nach etwas glücklicher bin als vorher. Bringt es mich mehr zu dem, was in mir steckt und was ich leben möchte?

Erfolg ist mehr als Geld und Karriere

Ehrlich gesagt finde ich diesen Gedanken schön, denn er macht die Perspektive auf Erfolg deutlich größer. Eine Frage heute Abend lautete nämlich:

In welchen Lebensbereichen bist du erfolgreich, in welchen weniger?

Wenn wir damit den Blick weiten, gibt es uns auch den Raum mehr anzuerkennen. Denn was ich heute wieder gesehen habe ist, dass es manchen gar nicht so leicht fällt, eigene Erfolge zu benennen.

Was war zum Beispiel für dich persönlich ein großer Erfolg?

Bei dieser Frage kommen oft Antworten wie mein Studium, meine Beförderung, mein neuer Job usw. – ist aber nicht auch das Mutter sein, eine gute Freundschaft, ein 5km Lauf oder die Zeit für ein Hobby zu finden nicht auch ein Erfolg?

Ich glaube, wenn wir den Blick größer machen, können wir mehr Ressourcen erfahren; mehr Stärke für das, was wir tun – denn eins ist klar, umso erfolgreicher ich mich fühle, umso besser kann ich auch mit Misserfolgen einmal umgehen.

Gleichzeitig waltet für mich darin auch eine gewissen Milde. Wenn mir bewusst wird, dass ich gerade in einem Bereich nicht so erfolgreich bin, dafür aber in einem anderen mehr, kann ich dies vielleicht auch besser anerkennen und für mich annehmen. Erfolg ist vielleicht eher wie eine Musik, mit lauten und leisen Töne, hohen und tiefen – und je nachdem, welche Taste ich gerade spiele, erscheint der Ton woanders.

Manchmal hallt der Ton vielleicht noch nach, manchmal wird es aber auch still – und zu akzeptieren, dass dies auch sein darf, weil dafür ein anderer Ton gerade erklingt, der ebenso schön ist, ist ein erster Schritt Erfolg auch zu ermöglichen. Denn darin steckt auch die Erkenntnis, dass ich entscheiden kann, welchen Ton ich anspielen möchte.

Auf welche „Töne“ legst du gerade deinen Fokus und fühlt sich deine Musik gerade stimmig für dich an?

Erfolg hat für mich also auch ganz viel mit wahrnehmen, anerkennen und wertschätzen zu tun.

Und warum fühle ich mich jetzt gerade traurig?

Auf dem Weg nach Hause habe ich lange überlegt, was ich mit diesem Gefühl jetzt anfange; ob ich es schlucke, ob ich es teile oder ob ich einfach für mich Schlussfolgerungen ziehe. In meinem Kopf stecken aber mehr Fragen als Antworten.

Erfolg hat für mich persönlich ganz viel damit zu tun, ob ich mit dem, was ich mache, glücklich bin und ob ich damit auch einen Mehrwert schaffe. – und ja, ich glaube ich konnte heute Abend für ein paar Menschen einen Raum schaffen, in dem sie sich gegenseitig zum Zuhören, Wahrnehmen und Anerkennen inspirieren konnten, in dem jeder für sich irgendwie eine Frage, einen Impuls oder eine Erkenntnis mitnehmen konnte. – Demnach war ich also glücklich und damit auch erfolgreich.

Gleichzeitig ist da aber auch noch ein anderes Gefühl, denn von den angemeldeten 15 Teilnehmern kamen genau 6 Personen. – Ja, mit dieser traurigen Bilanz rechne ich schon fast immer und dennoch nimmt es nicht diesen faden Beigeschmack.

Ich stelle jedes Mal 15 Stühle hin, kaufe Snacks für 15 Personen, koche Tee, räume genügend Geschirr hin, drucke 15 Arbeitsblätter aus und warte. Warte auch noch ein paar Minuten nach Beginn, um vielleicht Verspäteten die Chance zu geben, an dem Abend teilnehmen zu können.

Das bedeutet für mich nicht nur vom Herzen geben, sondern auch eine Investition von Zeit, ein Verbrauch von Ressourcen und ein Nicht-Wertschätzen von anderen, die pünktlich kommen oder gern kommen wollten, aber keinen Platz mehr bekommen haben.

Genau das stimmt mich traurig – diese Mentalität „ich sichere mir mal eine Liege und schaue dann, ob ich überhaupt den Platz in der Sonne möchte“. Und genau dieses Gefühl hatte ich heute Abend wieder. Es macht mich aber nicht nur traurig, sondern auch nachdenklich. Ist das ein Spiegel unserer Gesellschaft? Denn dieses Phänomen begegnet mir nicht nur bei meinem Impulsabend, sondern auch bei den Anmeldungen im Sportkurs, wo dann nur die Hälfte erscheint, oder bei den E-Rollern, die überall auf der Straße liegen – was mich nichts „kostet“, muss ich auch nicht wertschätzen.

Bedeutet dies für mich, dass ich ab sofort für solche Abende ein Geld nehmen muss, um die Wertschätzung zu „erziehen“? um ein Commitment zu erreichen? Das ist eigentlich nicht meine Haltung, schließlich will ich mit Herz diesen Raum gestalten und die Möglichkeit für Austausch geben.

Gleichzeitig merke ich für mich, dass die Balance von Wertschätzung für sich nicht mehr stimmig anfühlt – meine Musik ist gerade eher eine Dissonanz als Konsonanz.

Ich habe heute Abend nicht an einem Austauschabend meiner momentanen Weiterbildung teilnehmen können, weil ich dieses Termin vergessen hatte und dann schon den Impulsabend geplant habe – ich habe aber dann darauf „verzichtet“. Ich habe eine Einladung zum Handballspiel heute Abend ausgeschlagen, weil der Impulsabend da in meinem Kalender stand. Und ich habe meinem inneren Bedürfnis nach Ruhe und Erholung trotz Erschöpfung und Krank sein nicht nachgegeben, weil ich dachte, dass 15 Personen sich extra den Abend Zeit nehmen – dem wollte ich mit Wertschätzung begegnen. Schließlich ist es für mich ein Commitment.

Wo zeigt sich aber bei uns momentan in der Gesellschaft Wertschätzung? Was bedeutet Commitment noch? – Ist es Commitment, wenn ich irgendwas like, mich irgendwo anmelde oder was braucht es dafür? Wo verschwimmen die Grenzen?

Das sind Fragen, die mich gerade beschäftigen. Ich glaube immer an das Gute im Menschen; dass eine Straßenbahn ausgefallen ist, ein Kind krank wurde, eine Deadline auf Arbeit noch anstand, man einfach den Abend trotz Reminder vergessen hat – und dennoch glaube ich, dass eine „Sorry, ich schaffe es heute nicht“ – Mail schon Wertschätzung sein kann.

Braucht es also einen finanziellen Wert, damit Dinge und Handlungen Wertschätzung erfahren? Wie soll ich weitergehen?

Im Herzen daran glauben, dass es sich finden wird und dem Ganzen vertrauen – also einen Vorschuss an Wertschätzung zahlen, weil es dann irgendwie zurückkommt. Oder soll ich umdenken und andere Wege einschlagen.

Vielleicht finden sich Antworten darauf, vielleicht auch nicht. Ich werde auf jeden Fall noch ein paar Tage für mich warten, bis ich den nächsten Abend einstelle, den ich eigentlich schon geplant habe; denn vielleicht braucht es gerade woanders den Erfolg – in meiner Freizeit, in meinen Beziehungen.

„Warum fällt es uns schwer, uns etwas Gutes zu tun?“

Im Dezember habe ich von Sarah von https://neugierigauf.de/ die Anfrage bekommen, ob ich zu dem Thema „Warum fällt es uns schwer, uns etwas Gutes zu tun?“ einen Blogbeitrag schreiben kann. Ich dachte sofort: „Das ist mein Thema. Na klar.“ – und dann merkte ich, dass es doch nicht so einfach war, ein paar Zeilen zu schreiben.

Keine Zeit. Keine Gedanken.

Und so verging ein Tag nach dem anderen. Es wurde Januar – die Zeit rannte und mein Kurzurlaub mit anschließender Weiterbildung in Österreich stand vor der Tür – aber es gab immer noch kein einziges Wort auf dem Papier. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, denn schließlich hatte ich versprochen, den Artikel bis Ende Januar zu schicken – die Erinnerungsmail flog auch schon in mein Postfach.

Aber da war ja noch die lange Zugfahrt und sowieso: Zugfahrten sind immer sehr inspirierend. Also malte ich mir vor meinem inneren Auge schon das Bild aus – ein leckerer Cappuccino, die vorbeiziehenden Berge und dann das meditative Klicken auf meiner Tastatur.

Ich freute mich darauf.

Die Zugfahrt – ein Weckruf an meine Selbstfürsorge

Doch dann kam alles anders. Bis München hatte ich es endlich geschafft, die übrig gebliebenen Mails abzuarbeiten– aber hey, es lagen noch gute zweit Stunden vor mir. Die Bergkulisse war nun auch da, der Schnee funkelte, mehr braucht es ja jetzt nicht mehr. Aber das meditative Klickgeräusch blieb aus – worüber sollte ich schreiben?

Ich wälzte meine Gedanken, schaute aus dem Fenster und merkte, dass nichts in meinen Kopf war – die letzten Tage waren genauso an mir vorbei gerauscht wie die Bergkulisse nun an meinem Fenster. Irgendwie hatte ich es auch immer noch nicht realisiert, dass ich am nächsten Tag auf der Skipiste stehen würde, obwohl ich doch auf dem Weg zum Bahnhof deutlich das Gewicht der Skistiefel im Koffer gemerkt hatte.

In dem Moment fiel es mir ein: „Warum fällt es mir schwer, mir Gutes zu tun?“ – Ich wusste ganz genau, was das „Gute“ nun wäre – Musik anmachen, aus dem Fenster schauen und genießen – einfach mal nichts tun. Ich wollte mich auf den Urlaub einstimmen und nicht bis zur letzten Minute, um dann gehetzt aus dem Zug zu springen und das erste Mal im Hotelzimmer durchzuatmen. Nein, das war nicht meine Vorstellung von Urlaub.

Dennoch haderte ich. Das schlechte Gewissen drang sich auf, die Erwartungen lagen wie gefühlte 100kg auf meinen Schultern – was ist, wenn ich den Beitrag jetzt nicht schicke? Sie hatte ja damit gerechnet. Und müsste ich mir nicht gleichzeitig selbst eingestehen, dass ich es nicht geschafft habe?

Der Weg zur Selbstfürsorge

Ja, unsere eigenen Erwartungen an uns selbst und von anderen können ganz schöne Saboteure sein, wenn es um die Selbstfürsorge geht. Sie hindern uns daran, für uns eine Grenze zu ziehen und damit die eigene Balance zu finden.

Was ist aber das schlimmste, was passieren kann?

Ich entschied, der Artikel kann warten – was nicht warten kann, ist meine Selbstfürsorge. Ich schrieb noch eine kurze Mail, dass ich den Artikel nicht geschafft habe, klappte den Laptop zu und ließ mich in meinen Sitz fallen. Ich atmete tief. Einmal, zweimal, dreimal und erst dann realisierte ich, wo ich gerade war – auf dem Weg in den Skiurlaub. Seit drei Jahren war ich nicht mehr Skifahren und auf einmal konnte ich mich wie ein kleines Kind freuen. Unglaublich, dass ich mir diese Vorfreude fast genommen hätte. Ich starrte aus dem Fenster, war ganz fasziniert von den Bergen und fühlte einfach nur noch dieses Gefühl von „Nach Hause kommen“.

Warum fällt es uns also schwer?

In all der Hektik des Alltags finden wir meist gar nicht die Zeit, kurz innezuhalten und zu schauen, was wir eigentlich gerade brauchen. Wir erkennen unsere Bedürfnisse gar nicht – aber ist nicht das der erste Schritt, um uns überhaupt was Gutes tun zu können?

Und wenn wir dann doch mal einen klitzekleinen Moment gefunden haben, an uns zu denken und zu überlegen, was wir eigentlich brauchen – wartet da schon eine kleine Armee an Saboteuren, die ihren Job wirklich gut machen. Schließlich sollen wir uns nicht „von den wirklich wichtigen Dingen“ im Leben ablenken lassen – wir sollen ja stark sein, performen und allem gerecht werden.

Dennoch darf der andere Gedanken auch mal aufkeimen und blühen – neben der Stärke dürfen wir auch schwach sein, neben der Leistung darf auch mal Entspannung stehen, neben dem „für andere“ darf auch mal „für mich“ stehen, denn nur, wer selbst Kraft und Energie hat, kann sie auch an andere abgeben.

Ich glaube, ich hätte vermutlich auch noch die restlichen zwei Stunden uninspiriert auf das weiße Blatt auf meinem Laptop gestarrt, die Worte wären nicht geflossen. Stattdessen brauchte ich genau diese Erfahrung, um diese Worte zu finden.

Meine Selbstfürsorge – mein Isolierband

Also habe ich mir im Urlaub ganz viel Selbstfürsorge geschenkt. Der Laptop blieb im Koffer. Stattdessen hüllte ich mich nach der Skipiste in meinen Bademantel und las ein Buch und da es meiner Meinung nach keine Zufälle gibt, war es genau das Richtige, denn ich habe eine schöne Metapher darin gefunden. In dem Buch „Auszeit im Café am Rande der Welt“ teilt John Strelecky mit uns ein wunderschönes Bild. Wenn man zwei Rohre miteinander verbindet, braucht es Isolierband, damit später kein Wasser austritt. Das Isolierband ist nur ein kleines Detail, welchem wir nicht allzu viel Bedeutung schenken. Gibt es dieses Isolierband aber nicht, wird immer ein wenig Wasser austreten, so dass die Verbindung irgendwann nicht mehr dicht ist. Mit jedem Tropfen verliert das System etwas an Ressource.

Genauso ist es auch in unserem Leben – jeder von uns braucht ein „Isolierband“ – ein Isolierband, dass unsere Energie aufrecht erhält, damit wir in Verbindung mit anderen Menschen bleiben können. Bei dem einen ist es vielleicht der wöchentliche Sportkurs, bei dem anderen der tägliche Spaziergang mit dem Hund – egal, was es auch ist, es ist wichtig, dass dieses Isolierband nicht in Vergessenheit gerät.

Mein Isolierband war in diesem Moment die Bewegung an der frischen Luft und die wirkliche Auszeit. Im Alltag ist es mein Sport und Yoga. – Kennst du dein Isolierband?

Was ich dir mitgeben möchte…

Weil ich selbst immer wieder merke, dass ich die Selbstfürsorge immer wieder vergesse, hier noch ein paar konkrete Tipps für dich.

  1. Mache dir immer wieder deine eigenen Bedürfnisse bewusst.
    Bei mir war diesmal der Blick aus dem Zugfenster der Weckruf – ich bin dankbar dafür. Achte darauf, dass du auch immer wieder im Alltag solche Weckrufe hast, z.B. durch ein Dankbarkeitstagebuch, Achtsamkeitsübungen.
  2. Frage dich „Was ist das Schlimmste, was passieren kann?“
    Und lerne dann auch mal Nein zu sagen – denn jedes Nein ist gleichzeitig auch ein Ja.
  3. Plane dir schon rechtzeitig deine Auszeiten ein.
    Ich habe regelmäßige Blocker, die mit „ICH“ gekennzeichnet sind.
  4. Inspiriere dich selbst.
    Manchmal fällt es uns dann gar nicht so leicht, etwas Gutes zu tun, wenn wir mal Zeit haben. Daher habe ich mir letztes Jahr eine Inspirationsliste für den Sommer geschrieben. Es war für mich nicht eine to-do-Liste, die ich abhaken musste. Vielmehr war es für mich eine Erinnerungshilfe im hektischen Alltag an die Dinge, die mir neben all meinen Aufgaben auch noch Spaß machen – Freiluftkino, Rennrad fahren, SUP. Und tatsächlich habe ich letzten Sommer viel mehr solche Dinge spontan unternommen und dadurch die Tage auch bewusster wahrgenommen. Wonach sehnst du dich in den nächsten Monaten, woran möchtest du dich immer wieder erinnern?

Ein Jahr wie eine Welle.

Gerade ist noch der 01.01.2019 – wir wachen ein wenig matt auf, blinzeln mit den Augen und entscheiden uns für einen entspannten Gammeltag auf der Couch und plötzlich finden wir uns im Supermarkt zwischen den Lebkuchen-Ständen wieder. Wo ist nur das Jahr geblieben? Es rauscht dahin – ohne uns oder mit uns? – Zeit für eine Reflexion.

Auf einmal war er wieder da …

… der Monat Dezember. Gerade war es noch Sommer und plötzlich ist es schon Weihnachten. Wie kann das eigentlich jedes Jahr immer wieder so schnell kommen?

Eigentlich habe ich auch jedes Jahr das Gefühl, dass es noch schneller kommt, obwohl ich mir doch jedes Jahr aufs Neue im Januar vornehme, dass es diesmal ganz anders ist. – Und ganz rational betrachtet, ist es jedes Jahr genauso gleich schnell oder gleich langsam.

Um mich diesem Gefühl aber nicht einfach so hinzugeben und mich mit der Zeit mitreißen zu lassen, lege ich im Dezember immer bewusst einen Moment der Reflexion ein.

Was war eigentlich gut dieses Jahr? Was hat mich vielleicht aber auch frustriert? Was möchte ich mit ins neue Jahr nehmen und was lieber in diesem Jahr noch loslassen?

Dieses Jahr habe ich das erste Mal versucht, das Jahr mithilfe eines Bildimpulse zu reflektieren. Dafür durften die Teilnehmer*innen meiner Reflexions-Veranstaltungen sich eine Karte ziehen, die sie in Hinblick auf das Jahr 2019 emotional anspricht. Und ich konnte mir diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und griff selbst zu.

Die Welle – Veränderung und Energie.

Als ich die Karte gezogen habe, war mein erster Gedanke „Ja natürlich, bei mir hat sich vieles verändert, immer wieder die Form geändert, vielleicht auch die Richtung. Manchmal wurde die Welle ein wenig größer, manchmal wieder kleiner, manchmal ist sie auf ein Hindernis gestoßen, um sich dann wieder einen Weg zu suchen.“ – Das Bild hat mir verdeutlicht, dass alles im Fluss war und ist. Nichts hat wirklich bestand und man muss es loslassen, damit es fließen kann. Wenn sich eine Tür geschlossen hat, hat sich irgendwo ganz unerwartet eine andere geöffnet. – Dies passte auch sehr schön zu meinem Wort des Jahres 2019, welches ich mir immer als Begleiter zu Beginn eines neuen Jahres auswähle. Vertrauen, auf das, was kommt.

Okay, soweit so gut. Meine Teilnehmer*innen und ich mussten aber jeweils drei Minuten zu diesem Bild reden. Weshalb habe ich es mir vielleicht noch genommen? Weshalb hat es mich angesprochen?

Da wurde mir bewusst, dass es auch für meine Energie steht. – Die Natur ist ein Kraftort für mich. Das Meer oder das Wasser war und ist im Alltag immer wieder ein Ort für mich, den ich aufsuche, wenn gerade im Inneren bei mir die Wellen wüten; wenn ich die Sehnsucht nach Ruhe und Klarheit habe. Dann nehme ich mir meine Schuhe und laufe zu „meiner Bucht“. Für mich ist der Blick auf das Wasser und die Weite wie eine Meditation – auf einmal wird es ganz still in meinem Kopf. Und tatsächlich war ich dieses Jahr dreimal am Meer – und die Zeitpunkte sind im Rückblick sehr spannend: im April, kurz nach der Kündigung meines Jobs; im Juni, kurz vor meinem 30. Geburtstag und im November ganz spontan, als ein Auftrag gerade abgesagt wurde und ich nach vielen unterwegs sein mal durchatmen konnte. Es waren immer Zeitpunkte, an denen ich Zeit für mich brauchte und meine Akkus geladen werden wollten.

Und wenn ich meine Gedanken jetzt so schreibe, kommt mir dabei auch noch ein dritter Impuls – die Welle ist ein Phänomen, die ein System abbildet – ein System aus Wasser, Wind und Boden. Ein einzelner Impuls allein genügt nicht, es hängt auch von dem Untergrund und den Hindernissen ab (ja, ich war ja mal Geographielehrerin). Auch wenn ich Impulse nach draußen gebe, braucht es dort etwas, worauf ich stoßen kann. Unsere Handlungen sind immer im System zu sehen. Wenn manches nicht klappt, dann liegt es nicht unbedingt an uns – vielleicht ist es nicht der richtige Ort, nicht die richtige Zeit oder nicht die richtigen Adressaten. Wirkungen entstehen immer in Abhängigkeiten. Es sind nicht nur wir allein, sondern das System.

Das heißt aber auch, dass wir vielleicht zunächst unsere Wirkung unterschätzen, da wir das System nicht im Blick haben – denke daran, so klein ein Impuls auch sein mag, manchmal kann er eine große Wirkung haben – im positiven und negativen Sinne.

Mein weiteres Resümee

Mir persönlich tat es so gut, nochmal die einzelnen Monate gedanklich durchzugehen und zu schauen, was eigentlich alles passiert ist. Oft bleiben die Erinnerungen bei den Dingen hängen, die nicht geklappt hat – ein Großprojekt, welches im November erst einmal gestoppt wurde; ein Seminar, was nicht stattfinden konnte oder die Sehnsucht nach einem großen Backpacking-Urlaub, den ich schon mehrere Jahre nicht mehr machen konnte.

Ja, das war alles da; und gleichzeitig war doch noch viel anderes: die kleinen Auszeiten im Alltag von SUP mit Freunden, Kanu fahren auf der Spree oder die kleinen Rennradtouren, die ich mir immer wieder mal bewusst vorgenommen habe; mein Geburtstagstrip nach Kopenhagen, der wundervoll war; der Klimmzug, den ich dann doch ganz unerwartet geschafft habe; oder die unzähligen Gespräche mit Freunden, die mir immer wieder das Gefühl von nach Hause kommen schenken.

All diese kleinen Momente möchte ich auch in das nächste Jahr mitnehmen, es gibt auch Dinge, die ich gern in 2019 zurücklassen möchte, und es gibt Dinge, die noch kommen dürfen – ich sehne mich nach einem schönen Büro, wo ich mit anderen gemeinsam Ideen entwickeln und coachen kann; einen größeren Urlaub und endlich mal ein Bulli-Wochenende am See.

Daher soll mich nächstes Jahr auch das Wort „Genuss“ als Erinnerungshilfe begleiten – ich habe die letzten Jahre viel investiert, viel gearbeitet und zugunsten von Ausbildungen auch auf manches verzichtet. Ich bereue davon nichts, es war alles wertvolles; dennoch möchte ich mir in 2020 erlauben, auch einfach mal loszulassen, mir was zu gönnen – auch wenn ich weiß, dass es mir an der ein oder anderen Stelle schwer fallen wird.

Genau deshalb werde ich dieses Jahr auch wieder über die Feiertage ein Visionboard gestalten, das mir dieses Jahr immer wieder vor Augen geführt hat, wofür ich in meinem Leben Platz machen möchte, was mir wichtig ist und woran ich glauben möchte. Ja – nicht alles, was ich vor einem Jahr darauf geklebt habe, ist so passiert, zum Beispiel ist die Bulli-Fahrt immer noch offen, aber das Grundgefühl passt. Es geht auch nicht immer darum, dass dann alles so geschehen muss; für sich aber erst einmal bewusst zu machen, in welche Richtung man steuern möchte, kann schon so viel Klarheit und Zufriedenheit geben.

Daher mein Impuls für dich:

Nimm dir in Ruhe Zeit und schaue auf dein Jahr zurück: Worauf bist du stolz? Was hat dich vielleicht aber auch frustriert? Was möchtest du mitnehmen, was lieber nicht? Du findest hier auch ein Reflexionsjournal als Hilfe.

Schreibe deine Gedanken dazu auf, manchmal wird uns dann noch viel mehr bewusst, wenn wir es in konkrete Worte fassen „müssen“.

Gestalte dir dein eigenes Visionsboard als Erinnerungshilfe für das nächste Jahr. Was genau das ist und wie du dabei vorgehen kannst, findest du in diesem Blogbeitrag von mir.

Ich wünsche dir eine wundervolle Weihnachtszeit und ich freue mich sehr auf ein inspirierendes Jahr 2020.

Das Leben ist kein Ponyhof – oder doch?

Während ich den Artikel jetzt schreibe, sitze ich ganz gemütlich in einem Strandkorb am Wasser in Berlin. Bis eben habe ich noch die Menschen um mich herum beobachtet, genau genommen, die Kinder – die Kinder, die spielen, die lachen und in ihren Gedanken versunken sind. Und an der Stelle habe ich mich gefragt: „Wie war ich eigentlich als Kind? Was habe ich als Kind geliebt? Wobei habe ich die Zeit vergessen?“ und die wohl wichtigste Frage: „Wie viel Kind steckt eigentlich noch in mir?“.

Plötzlich war sie da …

Plötzlich war sie da, die Zeit, in der wir keine Zeit mehr hatten – die Zeit, wo der Ernst des Lebens begonnen hat.

Als Kinder sind wir nach der Schule noch nach Hause gekommen, haben Klavier spielen geübt, sind zum Toben mit anderen Kindern raus gegangen oder haben ein Buch nach dem anderen verschlungen.

Wenn ich dich jetzt frage, wann du das letzte Buch gelesen hast und wie lange du dafür gebraucht hast – wie lange musst du da überlegen? Ist es schon ein wenig länger her?

Ja klar, wir haben keine Zeit.

Wir stehen morgens auf, mischen hektisch unser Müsli zusammen, füllen noch schnell den Kaffee in den Thermosbecher und dann fahren wir schnell zur Arbeit – Zeit ist schließlich Geld. Wenn dann auch noch eine rote Ampel oder ein falschparkendes Auto uns auffällt, ist es mit unserer inneren Ruhe auch schon vergessen.

Auf der Arbeit jagt dann ein Meeting das andere, manchmal fragen wir uns, was wir da eigentlich machen, aber wirklich darüber nachdenken können wir auch nicht, schließlich haben wir keine Zeit.

Wenn der Feierabend dann gekommen ist, müssen wir uns um die Alltagspflichten kümmern: Post beantworten, einkaufen, den Versicherungsmakler noch anrufen, Wäsche waschen, Wohnung putzen – ach, war das Leben als Kind noch schön, als man ganz unbekümmert leben konnte und sich keine Sorgen machen musste.

Manchmal schaffen wir es uns noch mit Freunden auf einen After-Work-Drink zu treffen oder auch mal ins Fitnessstudio, quasi der Kinderspielplatz für Erwachsene, zu gehen.

Und so vergeht Tag für Tag, Jahr um Jahr.

Ja, ich weiß, dass ist schon ein bisschen überspitzt dargestellt, aber wenn wir mal ganz ehrlich zu uns selbst sind, trifft es schon ganz gut unser Leben.

Und was für Hobbys hast du so?

Daher stelle ich kaum noch die Frage nach Hobbys, wenn ich jemanden kennenlerne bzw. bin ich wirklich überrascht, wenn neben Freunde treffen, Sport machen und etwas unternehmen noch was anderes kommt.

Wie würde denn deine Antwort lauten?

Irgendwie sind unsere Leidenschaften, unsere Hobbys dem alltäglichen Wahnsinn gewichen – Stück für Stück mussten sie aus unserem Leben weichen. Vielleicht haben wir es im Studentenleben noch geschafft, einmal in der Woche zum Chor zu gehen oder uns in einer Umweltgruppe zu engagieren. Aber jetzt? – Fehlanzeige!

Aber liegt es wirklich an der fehlenden Zeit?

Ich glaube, das ist nur die halbe Wahrheit. Ja, wir haben viele Aufgaben, die wir schaffen müssen. Ja, wir haben vielleicht weniger Zeit als noch damals als Student – aber wofür investieren wir unsere Zeit?

Und raubt uns nicht die Sinnfreiheit oder das Gefühl vom Gefangensein manchmal mehr Zeit?

Wie würden wir uns fühlen, wenn wir wieder mal etwas machen würden, was uns Spaß macht, wo wir mal ganz die Zeit vergessen würden?

Das Problem ist nur, dass wir manchmal gar nicht mehr wissen, was das wäre – was wir eigentlich mit unserer Zeit anstellen würden, wenn wir sie hätten. Irgendwie haben wir es nämlich auch verlernt, uns mit uns selbst zu beschäftigen.

Im Wahnsinn der unendlichen Erreichbarkeit, des Abenteuerbedürfnisses und des Getriebenseins finden wir manchmal gar nicht die Ruhe zu uns selbst und können somit auch nicht die innere Stimme hören, die uns sagt, was wir eigentlich lieben.

Daher gibt es schon moderne Erfindungen wie Sommercamps für Erwachsene, wo man einfach mal wieder die Zeit verfliegen lassen kann, wo man einfach mal durch die Natur tobt oder im Wasser etwas baut – in der Hoffnung, sich wieder ein bisschen besser kennenzulernen.

Aber muss es immer eine Woche sein, um herauszufinden, was uns vielleicht glücklich machen kann? Ich glaube, dass wir auch im Alltag Antworten finden können.

Was hat dich als Kind begeistert?

Was hast du zum Beispiel als kleines Kind gern gemacht? Was hast du gespielt? Wofür hast du dich interessiert?

Versuche noch einmal in Erinnerungen zu versinken, vielleicht helfen dir auch Fotos von früher.

Ich habe zum Beispiel unheimlich gern gebastelt und gemalt – von Wachsmalerei, Seidenmalerei über Acrylfarben – Hauptsache bunt und kreativ.

Anfangs habe ich das auch noch während meines Studium gemacht, aber Stück für Stück sind die Farben im Keller verschwunden und damit auch die Leidenschaft fürs Ausdrücken.

Ja, auch jetzt weiß ich nicht, wo ich die Leinwände hinhängen sollte – denn ganz ehrlich, möchte ich damit auch nicht meine Wände in meiner Wohnung schmücken. Aber was steckt eigentlich dahinter? – Das Ausdrücken und das Kreativ sein. Daher habe ich jetzt Sketchnotes für mich entdeckt und versuche dies auch immer wieder mal in meinen beruflichen Alltag zu integrieren und kann damit sogar noch meine Kunden und nicht nur mich allein glücklich machen.

Ich habe mir außerdem mit ganz viel Begeisterung und Fantasie immer neue Geschichten ausgedacht, die meine Eltern zu jeder Gelegenheit freudestrahlend als Geschenk entgegennehmen mussten. Ja auch damals habe ich meine Gedanken schon in Worten ausgedrückt. Ich kann mich noch an eine Geschichte mit Max und seinem 7. Geburtstag erinnern. Allein bei dem Gedanken muss ich jetzt schon lächeln – und jetzt? Jetzt versuche ich in meinen Artikel dieser Leidenschaft für Worte nachzugehen.

Man muss also nicht sein ganzes Leben umkrempeln, um das viel diskutierte Glück im Leben zu finden. Vielleicht reicht es auch schon, in der Schatzkiste des eigenen Lebens zu kramen. Der ein oder andere wird vielleicht erstaunt sein, was sich darin alles findet. Der nächste Schritt ist dann zu überlegen, wie wir dem „neu gefundenem“ mehr Zeit in unserem Alltag schaffen können.

Meine Hypothese ist nämlich, dass es nicht die mangelnde Zeit ist, sondern das mangelnde „Wissen“, was wir machen wollen würden – denn, wenn uns etwas richtig begeistert, finden wir meistens die Zeit – alles eine Sache der Prioritäten.

Daher würde ich dich jetzt gern dazu einladen, eine Liste von den Hobbys deiner Kindheit zu schreiben. Und ja, ich meine wirklich aufschreiben – also mit Zettel und Stift, nicht nur im Kopf.

Ich fange mal an:

  • Kochen und backen, wie ich es geliebt habe; irgendwann habe ich ein eigenes Kinderbackbuch geschenkt bekommen und da habe ich vor allem den Zitronenkuchen mit meiner Oma gern gebacken
  • Geschichten schreiben
  • Malen, malen, malen
  • Basteln, ich kann mich noch erinnern; wie enttäuscht ich war, als ich meiner Mum das neue Blumengesteck schenken wollte und der Kleber leider das ganze Styropor „aufgefressen“ hat
  • Fahrrad fahren
  • Lego spielen

Und jetzt du – und dann schau mal, was dahinter steckt. Möchtest du heute die Hobbys genauso wieder in dein Leben holen oder welches Bedürfnis versteckt sich dahinter?


Und wenn du jetzt noch mehr Lust bekommen hast, dein jetziges Leben ein bisschen unter die Lupe zu nehmen, dann lade ich dich auch recht herzlich zu meinem Reflexionsabend „Ein ganzes halbes Jahr“ am 20.6.2019 in Berlin ein. Mehr Infos dazu findest du hier.

Selbstoptimierung vs. Leichtigkeit – Balance is the key

Kannst du dich noch daran erinnern, wie du als kleines Kind rausgerannt bist, als es geregnet hat und du von einer Pfütze in die nächste gesprungen bist, Hauptsache es spritzt ganz viel. Oder wie du dich auf dem Klettergerüst von einer Stange zur nächsten gehangelt und neue Kunststücke ausprobiert hast, so dass deine Eltern schon halb einen Herzinfarkt bekommen haben – aber hoch ist halt noch nicht hoch genug und schließlich hältst du dich ja auch gut fest.

Wenn ich meine Augen so schließe, sehe ich noch sehr gut diesen kleinen neugierigen Wirbelwind, der immer überall sein musste, alles wissen und vor allem alles ausprobieren wollte; der lachend durch die Felder gezogen ist und ganz stolz war, als er oben auf dem Strohballen sitzen und die tollsten Träume sich ausmalen konnte.

Das war vor vielen Jahren …

Wenn dein Leben dein Lehrer ist …

Und jetzt? Jetzt stand ich an einem Sonntag in meinem Fitnessstudio und mein Coach eröffnete mir mit einem Grinsen, dass es zur Aufwärmung 3 x 10 Rollen gibt, vorwärts und rückwärts selbstverständlich. – Wie bitte – was soll ich machen?! Ich war mir nicht ganz sicher, ob er das wirklich Ernst meinte, aber immerhin stand es schwarz auf weiß in meinem Trainingsplan. Und das Ganze soll ich auch noch viermal die Woche machen.

Ich schaue nochmal von den Matten am Boden zu meinem Coach und wieder zurück. Na ja, nun gut, so schwer kann das ja nicht sein. Aber tatsächlich habe ich mich gefragt, was das jetzt mit Sport und vor allem mit Crossfit zu tun hat. Ich war ja schließlich nicht im Turnverein angemeldet.

Aber da ich meinen Coach kenne, wusste ich, dass er sich sowieso nicht auf Diskussionen einlassen würde. Vielmehr spürte er meine Zweifel und bei der Rückwartsrolle auch meine Hilflosigkeit. Tatsächlich war es nämlich doch nicht mehr so easy wie früher. Also fragte ich ihn, wie ich was machen muss, ich wollte eine klare Handlungsanweisung: wie muss der Arm liegen, die Hand nach oben oder unten, darf ich mich abstützen oder Schwung holen …“

Fragen über Fragen, damit ich es auch richtig mache. – Als würde es die perfekte Rückwartsrolle geben, ein Gesetz, wie man sie zu machen hat. Und die einzig richtige Antwort, die mir mein Coach gab war:

„Fang an zu spielen, es gibt kein richtig und falsch. Lerne deinen Körper kennen und spüre, wo dein Schwerpunkt ist.“

Und dieser Satz, diese Aufforderung, hallte nach; er hat mich ein paar Tage begleitet und bei jedem Training ist mir mehr und mehr bewusst geworden, was fehlte – die Leichtigkeit; die Leichtigkeit von früher. Stattdessen war der Ehrgeiz und die Verbissenheit da. Der Spaß ist der Anstrengung gewichen. Ein Training, wo ich nur rolle? – Nein, da schwitze ich ja nicht. Ich muss mich verausgaben, kaum noch Luft bekommen und glauben, dass ich keinen Schritt mehr schaffe. Ja genau, das brauche ich, damit ich weiß, dass ich auch alles gegeben habe.

Wie im Leben …

Aber ist es wirklich so? – Und dann wurde mir auf einmal die Parallele zu meinem Leben bewusst.

Auch da rennen wir den großen Zielen hinterher und vergessen manchmal, dass wir eigentlich erst die Basis dafür legen müssen, denn die Rollen hatten schon ihre Berechtigung. Ich möchte nämlich Handstand im Freien können. Aber wie soll man diesen machen, wenn man Angst hat, dass man umkippen könnte und sich dann nicht mal abrollen kann. – Ja ich sage doch, ich habe den besten Coach der Welt. Manchmal müssen wir mit den kleinen Dingen starten bevor die großen kommen können.

Auch im Leben versuchen wir immer alles richtig zu machen. Und bevor wir etwas falsch machen, dann machen wir lieber gar nichts; denn schließlich sind Fehler das schlimmste der Welt und unumkehrbar. Zumindest sagt uns dies das kleine Teufelchen auf unserer Schulter und verhindert somit den Weltuntergang. Was wäre aber, wenn wir mal einen Fehler wagen? Oh ja, wir lernen. Und tatsächlich nach 4 bis 5 Rollen hatte ich den Dreh raus, wo meine Hand liegen muss und vermutlich liegt sie bei jemand anderem ganz woanders. Schließlich sind unsere Körper nicht alle gleich. Sprich, jeder muss seine eigene Art finden – es gibt nicht die perfekte Lösung. Herzlichen Glückwunsch für diese Erkenntnis.

Und im Leben suchen wir auch immer die Anstrengung anstatt den Spaß als höchste Priorität einzustufen. Schließlich haben unsere Großeltern früher schon immer „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ gepredigt und dieser Satz hat sich fest in unser Gedächtnis gebrandmarkt. Aber entspricht dies wirklich der Realität? – Wann „schaffen“ wir das meiste, wann haben wir die besten Ideen, wann fließt es einfach nur so aus uns heraus? – meistens wenn wir Spaß haben.

Ich kann mich noch sehr gut an eine Situation von vor paar Wochen erinnern, als ich mit zwei hellen Köpfen an einem runden Tisch saß und ein Flipchart mit ein paar To Dos vor uns stand. Jemand, der die Situation nur von außen betrachtet hätte, ohne die Stimmen zu hören, hätte vermutlich gesagt, dass wir Smalltalk gemacht, dass wir gelacht und dass wir rumgeblödelt haben – die Wahrheit war, dass es die zwei produktivsten Stunden seit langem waren. Spaß und Arbeit können zusammenpassen. Wir müssen uns nicht immer unter Druck setzen, das Gefühl haben, dass wir ganz konzentriert und angestrengt an unserem Schreibtisch sitzen, damit die beste Idee ever entstehen kann. Es ist vielmehr das Spiel aus Anspannung und Entspannung.

Oh ja, die Vorwärts- und Rückwärtsrollen haben mir nicht nur gezeigt, wie der Weg zum Handstand aussehen kann, sondern wie auch der Weg zu einem Leben mit mehr Leichtigkeit sein kann.

Mit Ausprobieren.

Mit den kleinen Dingen.

Mit Fehlern zum Lernen.

Mit Spaß statt Anstrengung.

Mit Genuss.

Und daher frage ich dich, auf einer Skala von 0 bis 10, wie viel Leichtigkeit spürst du in deinem Leben? Standest du schon mal auf einem anderen Punkt? Was war da anders? Wovon wünscht du dir vielleicht mehr? Und was ist der nächste Schritt, den du dafür machen kannst?

Ich bin auf jeden Fall am nächsten Morgen mit der Happy Playlist aufgestanden und bin erst einmal tanzend durch die Wohnung gewirbelt. – Für mehr Leichtigkeit im Leben.

Ist das jetzt Mut?!

Vor einem Monat war er auf einmal da – mein letzter Arbeitstag in meinem festen Job. Ich hatte im November meine unbefristete Stelle gekündigt; weil ich einfach nicht mehr so weitermachen konnte wie bisher. Damals fühlte es sich noch so an, als wäre dieser Tag milchstraßenweit entfernt; und dann klopfte er plötzlich an die Tür.

Und irgendwie fühlte er sich dann ganz anders an – da war keine Angst, keine Melancholie, einfach nur eine innere Zufriedenheit.

Wow, du bist aber mutig

Als ich aufwachte, strahlte die Sonne, der Himmel war blau – ich gönnte mir noch ganz in Ruhe einen Kaffee im Bett. Heute würde nicht mehr viel passieren, noch ein paar Gespräche, die letzten Dinge vom Schreibtisch räumen und ein nettes Beisammensein mit meinen Kollegen – eine kleine Abschiedsfeier. Ich merkte, wie die innere Zufriedenheit in mir aufstieg. Ich genoss Schluck für Schluck meinen Kaffee und fühlte mich komplett bei mir angekommen. Ich horchte noch einmal tief in mich hinein, auf der Suche nach einem Gefühl: irgendwo muss es doch sein, diese Angst; die Angst, dass ich scheitern könnte; die Angst, um meine Existenz; die Angst, dass ich irgendwas nicht beachtet habe. – Ich konnte sie aber einfach nicht finden. So stand ich dann auch ein paar Stunden später vor meinen Kollegen und sorgte mit dem Satz

„Ich werde bald 30, daher musste ich mich jetzt entscheiden. Manche gründen dann eine Familie, ich habe mich fürs Business entschieden.“

für ein amüsantes Lachen. Ja, es fiel mir nicht schwer, loszulassen – der Struktur, der Sicherheit und dem Status adé zu sagen. Dennoch kamen die Kollegen dann auf mich zu und wünschten mir für meine Zukunft, für meine Pläne und meine Ideen alles Gute und bewunderten mich für meinen Mut; den Mut, diesen großen Schritt jetzt zu wagen.

Tatsächlich wusste ich gar nicht richtig, wie ich darauf reagieren sollte – ich fühlte mich keineswegs mutig. Für mich war es einfach nur eine logische Konsequenz aus dem letzten Jahr. Ich musste auf mein Herz hören. Meine Leidenschaft fürs Coaching konnte ich einfach nicht mehr unterdrücken. Jedes Mal, wenn ich andere Menschen inspirieren, berühren oder zum Neudenken anregen konnte, explodierte eine Wundertüte an Glücksgefühlen in meinem Körper. – Und das kann süchtig machen.

Auf der anderen Seite merkte ich, dass ich meinen Job zwar mochte und ich auch gern an den Projekten arbeitete; aber irgendwie hatte es seinen Reiz verloren. Ich habe viel gelernt, ich konnte viel ausprobieren, aber ich brauchte was Neues. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich würde in einem Glashaus sitzen und zusehen, wie draußen die Welt blühte. Ich wollte raus, ich wollte diese bunte Welt entdecken und gestalten.

Somit zog mich das eine also magisch an und das andere ließ mich in Ruhe gehen. Gefühlt war da für mich nichts mit Mut, ich bin einfach den Weg weitergegangen.

Was ist also Mut?

Wie heißt es immer „Mut ist, wenn man Angst hat, und es trotzdem macht“. – Mut ist also was ganz individuelles, für den einen ist ein Schritt mutig; für den anderen nicht, weil einfach die Angst nicht da ist.

Ich habe schon früher immer wieder gemerkt, dass mir Sicherheit nicht so wichtig ist; dass ich mich stattdessen nach Freiraum und Selbstverwirklichung sehne. Vielleicht liegt es daran, dass bisher immer irgendwie alles geklappt hat und ich jetzt aus Naivität vertraue, dass wieder alles klappt- rein nach dem Motto „was soll schon passieren, ich werde schon nicht unter der Brücke landen“. Demnach ist da keine Angst, ich würde es eher als Respekt bezeichnen. Also ist die Selbstständigkeit für mich auch nicht mit Mut verbunden, sondern mit ganz viel Freiraum.

Wo war ich aber mutig?

Aufgrund dieser Erfahrung an meinem letzten Arbeitstag habe ich dann mal überlegt, wo ich mich mutig gefühlt habe. Welche Situationen habe ich gemeistert, obwohl ich Angst hatte. Und vermutlich werden jetzt gleich ein paar von euch lachen.

Ich fand mich viel mutiger, als ich einen Freund nach der Telefonnummer seines Kollegen gefragt habe, weil ich ihn ganz attraktiv fand. Und das war für mich schon ein mutiger Schritt; ich hätte mich nie im Leben getraut ihn persönlich bei der Party anzusprechen.

Und ich kann mich auch noch daran erinnern, als ich vor drei Jahren ganz spontan eine Skireise gebucht habe, mit 50 fremden Personen. Kurz vor der Abreise hatte ich so eine Angst, ich habe mich den ganzen Tag verrückt gemacht und hätte am liebsten alles noch in letzter Sekunde gecancelt. Ich musste mir wirklich die ganze Zeit gut zureden: „Was soll dir schon passieren? Wenn es wirklich schlimm sein sollte, kannst du ja jederzeit mit dem Zug wieder zurück fahren. Das wird bestimmt toll, komm trau dich.“ – Ja dieses Selbstgespräch habe ich den ganzen Tag mit mir geführt.

Zum Glück bin ich in den Bus gestiegen. Der Urlaub war toll und ich bin wieder ein bisschen gewachsen. Auf dem Weg zurück war in meinem Koffer nicht nur die Schmutzwäsche, sondern auch ganz viel neues Selbstvertrauen und unvergessliche Momente.

Aber ein paar Jahre zuvor, ging eine ähnliche Situation nicht so aus. Ein Bekannter hatte mich gefragt, ob ich mit Freunden von ihm mit in den Winterurlaub fahren wollte. Ich habe gleich begeistert ja gesagt und dann kroch Tag für Tag die Angst in mir hoch. Und tatsächlich habe ich eine Stunde vor Abfahrt meinen Reiseplatz verfallen lassen, der Bus fuhr ohne mich los; ich saß stattdessen mit meinen gepackten Sachen erleichtert auf meiner Couch – ich hatte mich einfach nicht getraut. Die Angst war zu groß.

Was bedeutet für dich Mut?

Du siehst also, für jeden von uns ist Mut etwas anderes und vielleicht werden wir auch mutiger. Die Angst wird nicht immer kleiner, im Gegenteil, beim zweiten Urlaub war noch viel mehr Ungewissheit im Spiel, aber ich hatte in den Jahren dazwischen schon viel mehr Selbstvertrauen getankt, so dass ich mutig genug war.

Wo warst du also schon in deinem Leben mutig? Was hast du für dich aus den Situationen mitgenommen und wo wärst du gern ein bisschen mutiger?

Und noch ein Tipp zum Schluss: Wenn die Angst doch manchmal zu groß erscheint, frage ich mich immer „Was ist das Schlimmste, was dir passieren kann? Und kannst du damit leben?“

Und meist merken wir dann, dass dann alles viel kleiner erscheint als vorher; dass wir eigentlich in Sicherheit baden.

Daher: Trau dich und genieße das Leben – das Schöne ist, du wirst immer was dabei lernen und wachsen.

Find your Passion – Mission impossible?

Find your Passion – Mission impossible?

Schule, Abitur, Studium, Abenteuer, neues Studium, …. oder auch der Weg zu MEINEM Leben. Erfahre in dem Artikel, wie ich persönlich mich meiner Passion genähert und welche Learnings ich für mich mitgenommen habe.

Auf pinkem Hintergrund strahlte weiß das Wort „passion“ und weckte meine Aufmerksamkeit – es war die Werbeseite für eine Karriere bei einem renommierten Consultingunternehmen in einer Zeitschrift. Das ist jetzt schon 13 Jahre her.

Damals konnte ich mit dem Begriff „passion“ noch gar nichts anfangen und musste erst einmal nach der Übersetzung googlen. Die Suchmaschine spuckte das Wort „Leidenschaft“ aus. Leidenschaft?! – das klang gut, ich recherchierte nach dem Beratungsunternehmen und fort an, war ich davon fasziniert.

Ich bin in einer ländlichen Region aufgewachsen, wohl behütet und nicht gerade auf den Kopf gefallen. Das, was ich damals auf der Unternehmenswebsite las, klang verlockend – Internationalität, Karriere und Herausforderungen. In dem Moment wusste ich, das will ich. Der Traum von Businesstrips, Karriereleiter und spannenden Projekten war geboren. Der Lifestyle und das Geld, was ich damit verband, zog mich an. Das ist doch das, wonach man streben soll, oder? In meinen Ohren klangen immer die Worte meines Umfelds „Mach was aus deinem Talent und greife nach den großen Sternen.“ – Somit hatte ich für mich die Antwort auf die Frage „was willst du werden?“ gefunden. Ich erinnere mich auch noch gut an eine Antwort, die ich damals meiner Tante mal auf ihre Frage, gegeben habe: „Ich will Karriere machen und so viel Geld verdienen, dass ich zu jedem Outfit die passenden Schuhe habe.“ Heute muss ich über dieses Statement schmunzeln. Damals war mir gar nicht bewusst, welche Werte ich damit ausdrückte.

Nun ja, ich sitze jetzt nicht in einem Penthouse und habe 100 Paar Schuhe in meinem Schrank. Ich habe zwar Schuhe, die zum Outfit passen, aber eben nur ein gemütliches Paar Pumps. Mir ist nämlich bewusst geworden, dass mir Reisen, Freizeit und Selbstverwirklichung mittlerweile wichtiger sind. Ich schreibe den Text auch nicht auf dem Rückflug von einem Kundenprojekt nach Hause, sondern entspannt in der Sonne an einem meiner Lieblingsorte mit Blick auf das Wasser.

Dafür, dass dieses Setting so Realität werden konnte, brauchte es Zeit, Reflexion und viele Erfahrungen, die ich gern mit dir teilen möchte.

1. Vom Außen zu mir selbst – meine Werte erkennen

Tatsächlich begann ich nach meinem Abitur zunächst ein duales Studium mit dem Schwerpunkt Consulting in einem internationalen Unternehmen. Ich genoss es, morgens im Anzug mit Pumps und Coffee-to-go Becher in der Hand von der U-Bahn zur S-Bahn zu stöckeln. Ich erfüllte komplett das Klischee – vom Dorf in die „Großstadt“. Jedoch bröckelte dieses Bild schnell. Als ich meinen ersten Praxiseinsatz hatte, arbeitete ich für ein Messeprojekt. Es wäre falsch, wenn ich jetzt sagen würde, dass es mir keinen Spaß gemacht hat, jedoch fehlt etwas, denn die Frage nach dem Sinn drängte sich immer mehr auf. Ich war oft von morgens um 8 Uhr bis abends 20 Uhr im Büro, bastelte an Powerpoint-Präsentationen und saß in Meetings, in denen sich irgendwie alle beweisen wollten. Früher zu gehen, auch wenn man mit der Arbeit schon fertig war, war ein No go. Da merkte ich das erste Mal, was mir fehlte – mein Sport, meine Freizeit, meine Freunde und mein Engagement für soziale Projekte.

So kündigte ich nach einem Jahr und schockte damit meine Umwelt: „Du kannst doch nicht so eine Chance wegschmeißen, ziehe es wenigstens durch.“. Aber wozu? – Um dann danach so weiterzumachen? Ich hatte schon damals meinen eigenen Kopf. Also schrieb ich mich für BWL mit Schwerpunkt Personalwesen an der Universität ein und buchte erst einmal ein Ticket nach Costa Rica – fünf Wochen raus in die große, weite Welt. Dabei wusste ich noch nicht mal, wo genau Costa Rica lag, aber im Katalog für die Freiwilligenprojekte stand „keine Sprachkenntnisse erforderlich“. Wozu sollte ich also lange überlegen – quasi klick&fly. So saß ich dann mit 19 Jahren allein am Flughafen in Frankfurt und freute mich auf mein nächstes Abenteuer. Ein Abenteuer mit Folgen, denn nach vier Wochen in Costa Rica rief ich meine Mum an: „Kannst du mal schnell mein Studium auf Lehramt wechseln?“ Ich hatte glücklicherweise in weiser Voraussicht ihr vorher eine Vollmacht ausgestellt. Mit der Aktion erklärten mich dann wohl die meisten für komplett verrückt: „Mit deinem Abitur?! Du könntest doch Medizin und Jura studieren, du verschwendest doch dein Talent, willst du wieder auf dem Land enden?“.

Dies war der Moment, an dem sich mein Denken so langsam änderte – von Außen nach Innen. Was heißt eigentlich „Passion“ für MICH? Welche Werte will ICH eigentlich leben? Ich erkannte, dass ich den Begriffen wie Leidenschaft, Karriere und Sinn selbst Leben einhauchen musste und nicht vorgefertigte Definitionen übernehmen konnte. Ich lernte, dass ich selbst meine Werte, die mir wichtig sind, festlegen muss, um glücklich zu sein und dass dies nicht unbedingt die Werte meines Umfeldes sind.

Mein 1. Learning

Komme bei dir selbst an und überlege, welche Werte du leben möchtest. Entscheide für dich, was dir wichtig ist und richte danach dein Leben aus.

Schreibe dir ab und zu mal deine 3-4 wichtigsten Werte auf und erstelle dann eine Liste, womit du die meiste Zeit verbringst. Notiere dahinter, welche Werte mit den Tätigkeiten zum Ausdruck kommen und vergleiche dann diese mit deinen Hauptwerten. Bist du auf dem für dich richtigen Weg oder musst du eine Kurskorrektur vornehmen?

2. Wie will ich leben – mir das Träumen erlauben

Ich war also nun überzeugt, dass ich als Lehrerin meine Werte leben kann: soziales Engagement, Potentialentfaltung und ein erfülltes Freizeitleben mit Freunden. Aber tatsächlich platzte auch dieser Traum, nachdem ich in der Schule gestrandet bin. Ich liebte es zwar zu unterrichten, Schüler auf ihrem Weg zu begleiten und sie zu fördern. Aber ich wurde in dem System nicht glücklich – ein vorgefertigter Stundenplan, Unterricht im 45 Minuten – Rhythmus und Systemgrenzen. Zudem hatte ich ein Bildungsideal, bei dem es für mich selbstverständlich war, jeden Schüler individuell zu fördern. Das bedeutete gleichzeitig aber auch, dass ich mindestens 60 Stunden in der Woche gearbeitet habe. Somit entstand immer wieder ein innerer Konflikt mit meiner Arbeits- und Lebensvorstellung. Mir wurde klar, so will ich einfach nicht leben, so kann ich nicht weitermachen. Somit entschied ich mich damals für den Ausstieg.

Mein 2. Learning

Neben den Werten und Tätigkeiten spielt das Umfeld eine wesentliche Rolle. Es macht einen Unterschied, ob du in einem großen Unternehmen oder in einem start- up arbeitest.

Überlege dir, wie du arbeiten möchtest. Welche Arbeitsbedingungen sind dir wichtig? Möchtest du im Team arbeiten oder lieber allein? Ist dir Sicherheit wichtig oder eher Freiheit? Brauchst du feste Arbeitszeiten oder genießt du die Flexibilität? Wie sollte dein Arbeitsort aussehen – ein Großraumbüro oder lieber draußen? Mit welchen Menschen möchtest du deine Zeit verbringen? Fang an zu träumen und schicke deinen inneren Kritiker mal kurz in den Urlaub. So kannst du erkennen, was dir wichtig ist.

Ein gute Übung hierfür ist „dein perfekter Tag“. Eine Anleitung dazu findest du hier.

3. Welchen Beitrag will ich leisten – der rote Faden

Ich wechselte also in ein Bildungsunternehmen – Gleitzeit, Team- und Projektarbeit. Aber jetzt muss es doch mit der Passion klappen, oder? Hier erkannte ich zwar, dass ich meine Werte und Arbeitsbedingungen relativ gut leben konnte, dennoch fehlte mir irgendetwas – nämlich meine Mission. Herauszufinden, was dies genau war, war nicht leicht. Jedoch erkannte ich bei der Spurensuche in meiner Vergangenheit einen roten Faden: ich hatte immer dann Spaß und spürte Erfüllung, wenn ich andere Menschen inspirieren und in ihrem Potential bestärken konnte. Dies war damals auch der Grund, weshalb ich Lehrerin geworden bin. Ich verstand mich nie als Wissensvermittlerin, sondern als Pädagogin und Lernbegleiterin. Mit der Erkenntnis konnte ich mich dann auch endlich für die Coachingausbildung entscheiden, die schon länger in meinem Kopf rumgeisterte. Dann war der Zeitpunkt gekommen, an dem es mir wert war, so viel Zeit und Geld zu investieren. Ich wusste einfach, dass es das ist, was ich will, da es mein „Warum“ beantwortet.

Mein 3. Learning

Wenn wir unser Leben im Rückblick ganz genau betrachten, entdecken wir viele Puzzleteile, die zusammen ein Ganzes ergeben.

Schaue dir ganz genau an, was du momentan an deinem Job magst und was nicht – und schaue hinter deinen ersten Eindruck. Woran liegt es, dass dir die Tätigkeit Spaß macht oder auch nicht? Ist es wirklich die Aktivität oder liegt es an den Menschen, an den Rahmenbedingungen oder an dem Umfeld? Zeigt sich eine Gemeinsamkeit bei den Tätigkeiten, die du liebst (auch aus früheren Jobs)? Welchen Beitrag möchtest du damit leisten? Was würde fehlen, wenn du dies nicht mehr machen könntest?

Warum erzähle ich dir diese lange Geschichte? Mir ist es wichtig zu zeigen, dass das Finden der eigenen Leidenschaft meist ein Prozess ist, ein Prozess der Selbstreflexion, ein Prozess der Erfahrung und ein Prozess des Ausprobierens. Vermutlich ist es auch ein Prozess, der niemals wirklich enden wird, da wir uns immer wieder weiterentwickeln, sich manche Werte auch verändern und wir auch neue Interessen und Wünsche ausbilden. Die Leidenschaft zu finden ist eine spannende Reise und meiner Meinung nach lohnt sich jede einzelne Minute des Erkundens.

Du möchtest auch deine Leidenschaft finden und mehr Lebensfreude und Sinnhaftigkeit in dein Leben holen? Dann komme zu meinen meet&inspired Veranstaltungen oder finde für dich deinen Weg über ein Coaching heraus.