23. November 2021

Labert ihr noch oder fühlt ihr schon? – 4 Arten des Zuhörens und Kommunizierens

Vom DU zum WIR

 

Eigentlich müssten wir doch alle wissen, wie es geht. In jedem Buchladen springt uns ein Ratgeber an und auf Instagram & Co. sehen wir tagtäglich schöne Grafiken, die uns vor Augen halten, wie wir miteinander kommunizieren sollten. Und vermutlich könnte man uns auch im Schlaf wecken, um die „Goldenen Regeln der Kommunikation“ zu überprüfen. Wir kennen sie alle:  keine Du-Botschaften, Feedbackregeln beachten und neben Schwächen auch immer Stärken benennen – das ist nicht das Problem.

 

Aber wie sieht die Realität aus?

 

Da wickelt man um eine Du-Botschaft geschickt eine Ich-Botschaft, wie zum Beispiel „Ich habe das Gefühl, dass du keine Verantwortung übernimmst.“, und freut sich, dass man ja schön an das Wort „ich“ gedacht hat. Oder man wiederholt artig die Worte des anderen, um dann die eigene Meinung danebenzusetzen – paraphrasiert hat man ja, nur leider geht es dennoch nicht so richtig vorwärts oder rückwärts.

 

Wie können wir es aber schaffen, mehr miteinander zu reden anstatt gegeneinander?

Hier können uns die vier verschiedenen Arten des Zuhören und Kommunizierens nach Otto Scharmer helfen. Die Arten haben mit unserer eigenen inneren Haltung zu tun und unterscheiden sich in ihrer Aufmerksamkeit.

 

4 Arten des Zuhörens und Kommunizierens

#1 Downloading – der Autopilot

 

Wie der Name es schon sagt, wir spulen einfach nur ab, sowohl beim Kommunizieren als auch beim Zuhören. Bei diesem Modus sagen wir das, was wir glauben, was erwartet wird, und wir hören auch genau das, was wir schon erwartet haben. Hier erscheint nichts Neues für uns, es handelt sich lediglich um Bestätigungen. Dabei handeln wir aus unseren alten Erlebnissen und Gewohnheiten heraus.

Auf die Gespräche im Team bezogen bedeutet dies, dass wir eine ritualisierte Sprache austauschen und typische Phrasen verwenden. So passiert es, dass wir auf die Frage „Wie geht es dir?“- „Mir geht es gut“ antworten, obwohl wir eigentlich kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehen. Dinge werden nur reproduziert, ein wirklicher Austausch bleibt uns verschlossen. Dies kann dazu führen, dass wir neue Aspekte ignorieren und Themen nicht wahrnehmen bzw. ansprechen. Die Gespräche bleiben weiterhin an der Oberfläche.

Aber ist das immer schlecht? – Nein. Dieser Modus ist sicherlich auf einer Weihnachtsfeier oder beim After Work Drink ganz hilfreich, wenn wir mal nicht über Teamkonflikte oder Visionen reden wollen, sondern einfach nur beschwingt über Gott und die Welt plaudern möchten. 

#2 die Debatte – der Denkmodus

 

Bei diesem Modus öffnen wir unser Denken, wir können langsam Neues wahrnehmen, da wir auch Vorherrschendes infrage stellen. Es geht hier vor allem um das faktische Zuhören und das offene und ehrliche Äußern unserer Meinung. Wir erhalten hier also die wahre Antwort „Mir geht es miserabel“. In Teams verwenden wir nicht mehr Phrasen, sondern tauschen verschiedene Standpunkte aus. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich damit auf Daten und Fakten. Das ist der klassische Modus im Projektmeeting: welche Aufgaben sind erledigt? Welche sind noch offen?

Klingt erst einmal gut, oder? Sicherlich liegt hier ein Potential darin, dass wir verschiedene Sichtweisen argumentativ gegenüber stellen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass wir in eine Debatte abrutschen, in der wir nur noch gegen den anderen „kämpfen“ wollen. Dann stellt sich oft die Schuldfrage, so dass wir in einen hitzigen Schlagabtausch geraten.

#3 der reflektive Dialog – das empathische Zuhören

 

Hier wechseln wir unsere Perspektive von uns zum anderen, indem wir unser Herz öffnen. Es geht hier nicht mehr darum, die Meinung des anderen zu bekämpfen, sondern sich dieser zu öffnen. Wir versuchen uns in ihn hineinzufühlen. Dafür müssen wir unsere Wahrnehmung sensibilisieren und die Intelligenz des Herzens aktivieren. Unsere Aufmerksamkeit verschiebt sich und wir wollen die Meinung des anderen erkunden. Daher beantworten wir gar nicht mehr so sehr die Frage „wie geht es dir?“, vielmehr stellen wir die Frage zurück. Es geht darum, den anderen besser verstehen zu wollen. Die Kommunikation basiert auf Empathie und ist beziehungsorientiert. Neben den Daten und Fakten haben in Meetings auch Gefühle und Bedürfnisse Raum. Wir müssen nicht mehr verzweifelt versuchen, alles auf die Sachebene zurückzuholen, sondern können Ganzheit und Verletzlichkeit zum Ausdruck bringen.

Yes, jetzt haben wir den richtigen Modus zum Zuhören und Kommunizieren gefunden. – Nein, nur bedingt. Nicht immer ist dieser Modus geeignet. Es kann auch die Gefahr bestehen, dass wir in manchen Situationen zu sehr mitfühlen und in Mitleid und Gefühlsdusselei abrutschen.

#4 der schöpferische Dialog – der offene Wille

 

Dieser Modus ist gar nicht so einfach zu beschreiben, viel mehr können wir ihn fühlen. Sportteams, Musiker oder andere Teams beschreiben ihn als einen „magischen Moment“, der uns kurz alles in Zeitlupe erleben lässt. Wir kommen miteinander in Verbindung und lassen aus dieser Präsenz heraus entstehen, was entstehen will. Daher können wir hier auch gar nicht sagen, was wir auf „Wie geht es dir?“ antworten würden, da dies aus dem Zusammenwirken der Gruppe sich entwickelt. Teams kommen hier oft in einem gemeinsamen Flow, bei dem Ideen miteinander ausgebaut werden und wir über unser Potential hinauswachsen. Das sind quasi die Highlights der Co-Kreativität.

Uff, klingt gar nicht so einfach. – Ja ist es auch nicht und wir müssen da auch nicht immer sein, denn irgendwann müssen wir auch mal wieder in die Realität zurück kommen und den Faktencheck machen, ansonsten werden unsere Utopien auch nicht zum Leben erweckt.

Und wie kommunizieren wir jetzt? 

 

Somit ist eine Ebene weder gut noch schlecht – die Frage ist nur, ob wir jeweils den förderlichen Modus für uns finden. Frage dich daher gern mit deinem Team folgende Fragen:

  • In welchem Modus arbeitet ihr häufig als Team zusammen?
  • Woran erkennt ihr den Modus?
  • Wo würdet ihr euch einen anderen Modus wünschen? Was können ihr aktiv dafür tun, um in einen anderen Modus zu wechseln?

Und dann darf es manchmal auch die gefühlsbetonten Gespräche geben und manchmal die faktenorientierten – so wie es die Situation gerade erfordert. Und je öfter du dich dabei hinterfragst, umso leichter wird es dir fallen, zwischen den Modi zu wechseln.

 

Literatur:
Scharmer, Otto: Essentials Theory U. Grundprinzipien und Anwendungen.
Narbeshuber & Narbeshuber: Mindful Leader.

 

 

Und damit du leichter in den Modus 3 wechseln kannst, möchte ich dir gern noch eine kleine Reflexionsübung zur Selbstempathie mitgeben. Trage dich jetzt hier ein, dann schicke ich dir das Workbook zu.





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Meine Name ist Romy Möller. Ich bin Coach, Pädagogin und Prozessbegleiterin. Mit meiner Arbeit möchte ich einen Raum von Offenheit schaffen und genau die Impulse geben, die nötig sind, damit Tiefe, Verbundenheitund eigene Freiheit in der Arbeitswelt entstehen können. Dabei bin ich davon überzeugt, dass die Arbeitswelt in Schulen als auch in Unternehmen von Wertschätzung und Leidenschaft geprägt sein kann und wir von- und miteinander lernen können. Daher ist für mich das „zusammenWachsen“ von Schule und Wirtschaft ein Herzensthema.

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Romy Moeller
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